Zu nah am Wasser gebaut

Als ich vor nicht allzu langer Zeit an einer Baustelle für eine neue Wohnung direkt an der Donau vorbeigekommen bin, dachte ich mir, dass es überaus leichtsinnig ist, so nahe ans Wasser zu bauen. Wie lange mag es wohl dauern, bis das Haus bei einem Hochwasser überschwemmt wird? Wenige Tage später, wurde der Kran aufgebaut … und kurz darauf wurde er schon wieder abgebaut, denn die erste Flut bahnte sich an. Nach tagelange Regenfällen stieg der Flusspegel immer weiter an. Die eilig installierten mobilen Hochwasserschutzwände verzögerten die Überschwemmung zwei Tage. Dann wurde das Areal aber doch überflutet.
Damit war dann meine Frage, wie lange es wohl dauern würde, bis das neue Haus unter Wasser steht, beantwortet. Der Neubau war noch nicht einmal bis zum ersten Stock fertiggestellt, da wurde er auch schon von den Wassermassen heimgesucht.
Nun titelt Focus Money Online „Zoff um Geld für Hochwasser-Opfer – Sollen die Deutschen einen „Flutsoli“ zahlen?„. Prinzipiell ist es eine gute Sache, wenn man in einer Gemeinschaft denen hilft, die von einer unerwarteten Katastrophe geschädigt und vielleicht sogar existentiell bedroht werden. Und viele der Hausbesitzer, die von den letzten Hochwassern betroffen waren, haben möglicherweise früher in Gegenden gebaut, die damals nicht gefährdet waren, mittlerweile aber unverschuldet durch Flussaufwärts gelegene Maßnahmen, wie Flussbegradigungen zu Gunsten der Schifffahrt und Einschränkung von natürlichen Ausgleichsflächen zugunsten neuer Industriegebiete, immer wieder mit einem Hochwasser rechnen müssen. Diese Leute sollte man nicht hängen lassen. Aber wieso kann jemand legal eine neue Wohnung in ein Gebiet bauen, das so nahe und tief am Wasser liegt, dass früher oder später mit einer Überschwemmung zu rechnen ist? Und wieso sollen dann andere Menschen, die sich möglicherweise nicht einmal ein eigenes Haus leisten können, für den Leichtsinn dieser Bauherren und Baudamen bezahlen?