Wie schlimm wird der Zusammenbruch?

Dass ein auf Zins und Zinseszins basierendes Geldsystem, welches unbegrenztes Wachstum erzwingt und die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter vergrößert, in einer begrenzten Welt nicht funktionieren kann, steht für mich außer Frage. Früher oder später muss es folglich zu einem Zusammenbruch kommen. Wann das genau ist, vermag ich natürlich nicht abzuschätzen. Es ist jedoch kaum zu übersehen, dass sich die Situation immer weiter verschärft. Immer schneller müssen immer größere Geldsummen zur Rettung des maroden Systems bereitgestellt werden. Die Wirkung einer „Finanzspritze“ hält nicht mehr Jahre und auch kaum noch Monate, sondern eher nur noch wenige Wochen. Selbst die etablierten Medien kommen nicht mehr umhin, über die explosive Lage zu berichten. Mehr und mehr Menschen beginnen, das Geldsystem zu hinterfragen und schließen sich weltweit zu Protestgruppen zusammen. Slogans wie „Wir sind die 99 Prozent“ zeigen, dass es den Menschen bewusst wird, dass sie von einer kleinen Gruppe ausgebeutet werden.
Vor dem Hintergrund stellt sich natürlich die Frage, wie weit man bei der Krisensicherung gehen soll. Muss man überhaupt vorsorgen? Wenn ja, genügt es dann, einfach ein paar Dosen Ravioli und eine Kiste Wasser einzulagern oder sollte man sich gleich darauf vorbereiten, mehrere Monate autark überleben zu können?
Um diese Frage beantworten zu können, müsste man wissen, wie die Krise verlaufen wird. Da ich dies aber nicht weiß, kann ich auch keine konkrete Antwort geben. Aber aus Erzählungen der Großeltern, die den Zusammenbruch von Geld- und Wirtschaftssystemen selbst erlebt haben, weiß ich, dass eine solche Krise eine Zeit der Entbehrung ist. Eine Zeit, in der man von jetzt auf gleich nahezu sein ganzes Hab und Gut verliert (und manchmal noch mehr) und irgendwo bei Null wieder anfangen muss. Für den normalen Bürger spielt es auch keine Rolle, ob eine Deflation oder eine Inflation oder beides dem Zusammenbrach vorausgeht. Er wird auf jeden Fall zu den Verlierern gehören. In einer Deflation wird kein Geld mehr vorhanden sein, um Waren kaufen zu können und in einer Inflation wird das vorhandene Geld schneller entwertet, als man es ausgeben kann. Eine Inflation ist hier zwar deutlich weniger gefährlich aber letzten Endes läuft es darauf hinaus, dass die Menschen vor vollen Regalen verhungern, weil zwar genug Waren da sind, es aber am nötigen und vor allem vertrauenswürdigem Tauschmittel fehlt.
Wer gar Schulden hat, wird sowohl bei einer Deflation als auch bei einer Inflation besonders schlecht dastehen. In einer Deflation kommt er nicht mehr schnell genug an Geld um die Raten zu begleichen. Und auch Inflation wird ihm nicht unbedingt hilfreich sein, da sich durch eine Inflation in erster Linie die Staaten entschulden. Der normale Bürger, der einen Kredit abbezahlen muss, wird sich während einer Inflation eventuell mit extrem hohen Zinsen konfrontiert sehen (wenn ein variabler Zins vereinbart wurde), die er nicht mehr bedienen kann. Eventuell wird von Kreditgeber auch die Sicherheit (beispielsweise ein Haus) nicht mehr als ausreichende Sicherheit gesehen und der Vertrag gekündigt. Damit wird dann die sofortige Rückzahlung der Restschuld fällig. Gewöhnlich wird der Schuldner in dem Fall überfordert sein, die Sicherheit (beispielsweise das Haus) verlieren und trotzdem noch immer Schulden haben, die natürlich auch nach dem Zusammenbruch und dem „Neustart“ des Systems noch bestehen bleiben.
Man kann folglich davon ausgehen, dass ein sehr großer Teil der Bevölkerung durch die Verwerfungen sehr hart getroffen und in der Existenz bedroht sein wird. Die Zustände könnten also durchaus denen ähneln, wie man sie aus den Erzählungen der älteren Menschen kennt. Hinzu kommt, dass die Abhängigkeiten mittlerweile sehr viel fortgeschrittener sind, als sie es zu Zeiten der Großeltern waren. Wenn heute ein japanischer Zulieferer ausfällt, stehen in Indien schnell die Fließbänder in den Fabriken still, in denen Produkte für den deutschen Konsumenten hergestellt werden. Selbst die Nahrungsmittelversorgung ist nicht mehr regional orientiert und organisiert, sondern global. Von der Energieversorgung ganz zu schweigen. Wenn es „dumm läuft“, wird die Versorgung mit wichtigen Gütern für einige Zeit zusammenbrechen und kaum jemand hat dann noch das nötige Wissen, um sich selbst aus dem Garten versorgen zu können. Viele Menschen haben ja nicht einmal mehr einen Garten. An die Stelle von Grünflächen und das Wissen über deren Bewirtschaftung ist ein großes Auto und Unmengen an Elektronikspielzeug getreten. Diese werden aber nicht mehr helfen, wenn es darum geht, zu überleben. Wenn das System zusammenbricht, wird es nicht mehr von Bedeutung sein, wie schnell man eine SMS schreiben kann. Ein paar gute Werkzeuge, ein Wasserfilter und ein Garten sind dann die Dinge, die wieder an Wert gewinnen.


UPDATE (29.10.2011):


Zu bedenken ist auch, dass der der Verlauf der letzten Krisen und der Aufbau danach dadurch gemildert wurde, dass es viele Maschinen und Fabriken zur Produktion von Gütern im Land gab. Die Menschen konnten also relativ leicht mit einer produktiven Arbeit beginnen. Mittlerweile sind die Fabriken dank den Segnungen der Globalisierung zu großen Teilen geschlossen und die Produktion findet tausende Kilometer entfernt in fernöstlichen Gefilden statt.