Wie man die Krise fürs erste eigentlich erstickt

Ein Geldsystem, das dazu da ist, den Warenaustausch zu vereinfachen und den Menschen ein angenehmes Leben zu ermöglichen wäre gewiss erstrebenswert. Schaut man sich aber Nachrichten über das Börsengeschehen an, wird schnell klar, dass es darum nicht geht. Viel mehr stehen abstrakte Börsenkurse im Vordergrund, die mit der realen Wirtschaft nicht mehr viel zu tun haben. Und das Ziel der sogenannten Experten ist auch kein stabiles Geldsystem, sondern kurzfristige Gewinne. Beispielhaft möchte ich ein Interview von Spiegel Online mit Robert Halver von der Baader Bank kommentieren.
Halver bennent zu Beginn die „Stier-Qualitäten“ des DAX, der eigentlich aufgrund der Probleme in der Euro-Zone hätte stark fallen müssen, was jedoch nicht der Fall ist, da die Notenbanken weltweit „pumpen“. Zwischen den Zeilen heißt dass, dass die Notenbanken durch massive Manipulation die Börsenkurse auf einem völlig unberechtigtem Niveau halten. Mit der realen Wirtschaft haben die Kurse nichts mehr zu tun. Robert Halver geht leider nicht auf mögliche Probleme ein, die sich durch die Verzerrung durch die Notenbanken ergeben, sondern betont anschließend sogar noch die guten Chancen, dass der DAX bis auf 8000 Punkte steigt.
Es zählen nicht die Menschen oder die Umwelt, sondern nur die ominösen Märkte und die müssen nach Meinung Halvers beruhigt werden. Besonders beunruhigt sind die Märkte derzeit wegen der hohen Verschuldung Spaniens. Wer meinen Blog verfolgt, wird nachvollziehen können, dass die Verschuldung durch das zinsbasierte Finanzsystem erzwungen wird und sich nur lösen lässt, wenn das System von Grund auf durch ein Geldsystem ersetzt wird, dass eben nicht zu einer wachsenden Verschuldung führt. Das betrachtet der Experte von der Baader Bank leider überhaupt nicht, sondern schlägt Maßnahmen vor, die nur dazu dienen, die Symptome kurzzeitig zu unterdrücken: Die Spanier sollen seiner Aussage nach endlich einen Rettungsantrag stellen, da die Finanzmärkte dies hören wollen. Es spielt offensichtlich keine Rolle, was für ein nachhaltiges Finanzsystem sinnvoll wäre, sondern nur noch das, was die anonymen Finanzmärkte hören wollen, um die Renditen der Aktionäre zu steigern, ohne dass diese eine reale Leistung erbringen müssen. Die Finanzmärkte sind ganz sicher weit weg, wenn in Spanien die Menschen unverschuldet in immer höheren Schulden getrieben werden und ihre Lebensgrundlage verlieren. Das interessiert Herrn Halver aber nicht. Für ihn die die weitere Zwangsverschuldung, die ein Rettungsantrag mit sich bringt, alternativlos, da die Banken und der Staat dringend neues Eigenkapital benötigen. Genau, die Banken und der Staat benötigen Geld. Von den Menschen, die dafür arbeiten gehen müssen (sofern sie noch nicht arbeitslos sind), ist keine Rede. Die spielen keine große Rolle im globalen Finanzgeschehen.
Zumindest zeigt Robert Halve, dass er erkennt, dass seine Vorschläge keine wirkliche Lösung bringen, als er anmerkt: „Und ich hoffe, dass der Herr Rajoy spätestens nach seiner galizischen Regionalwahl am 21. Oktober sagen will ‚Hier bin ich, jetzt brauche ich Geld‘ und dann ist da Ruhe im Karton, dann ist die Euro-Krise zumindest fürs erste eigentlich erstickt.“
Die Krise ist mit solchen Aktionen also auch seiner Meinung nach nicht dauerhaft zu beenden, sondern bestenfalls „fürs erste“ und auch nur „eigentlich“ nicht mehr sichtbar. Das sind viele Relativierungen, die deutlich zeigen, wie wenig die Experten selbst von ihren schwachen „Lösungs“-Vorschlägen halten. Leider sind es genau diese Experten, die herangezogen werden, um die Probleme angeblich zu „lösen“ und eine vernünftige Lebensgrundlage für alle Menschen auf dieser Welt zu schaffen.
Die Menschen brauchen aber keine „Experten“, welche die Krise bestenfalls „fürs erste eigentlich ersticken“, sondern zuverlässige Lösungen, um die Grundlage des Zusammenlebens und Handels auf ein solides Fundament ohne Inflation, Deflation und Massenarmut durch exponentiell wachsende Verschuldung zu stellen.