Wie Hersteller die Besitzrechte der Kunden durch smarte Technik einschränken können

Wenn es nach der Industrie geht, dann soll in naher Zukunft möglichst jedes Gerät miteinander vernetzt sein und miteinander Kommunizieren können. „Smart“ nennt man dies auf neudeutsch. „Smart“ kann man mit „intelligent“, „klug“ oder „gerissen“ übersetzen. Aber auch mit „Brennen“, „Schmerz“ oder „Leiden“. Und natürlich soll die Kommunikation über das öffentliche Internet laufen. Falls der Internet-Anschluss für die Funktionalität der Geräte eigentlich nicht notwendig ist, ist angedacht, zumindest die Steuerzentrale ans Internet anzubinden und möglichst alle Daten in die sogenannte „Cloud“ auszulagern. „Cloud“ ist der englische Begriff für „Wolke“. Die Daten liegen dann aber nicht in irgend einer Wolke, sondern auf irgend einem fremden Server, der vielleicht sogar in einem Land steht, in dem dem Begriffe wie „Datenschutz“ oder „Privatsphäre“ eher unbekannt sind. Zumindest ist der verbleib der Daten dann für den Nutzer ähnlich nebulös, wie eine Wolke und damit ist der Begriff „Cloud“ nicht unbedingt verkehrt.
Die Hersteller versprechen, dass die Vernetzung der Geräte den Kunden unglaubliche Vorteile bringt. Das mag sein und die Menschheit träumt bestimmt schon seit der Steinzeit daran, die LED-Beleuchtung auf dem Dachboden via Smartphone ein- und ausschalten zu können, während man gerade eine Flasche Bier aus dem Keller holt.
Wenn jedoch immer mehr Software die Geräte steuert und diese Geräte auch noch eine Internet-Anbindung haben und darüber mit den Herstellern kommunizieren können, dann ermöglichst dies den Konzernen jedoch auch, die Benutzer zu überwachen. Die Hersteller können nicht nur erfahren, wer wann welches Licht angeschaltet hat, sondern können dem Kunden auch bei der Benutzung der gekauften Geräte nach eigenem Ermessen einschränken.
Das kann soweit gehen, dass Bauern ihre Traktoren nicht mehr selbst reparieren oder gar verbessern dürfen, weil sie dann zumindest in den USA gegen Gesetze, wie das Copyright Gesetz (DMCA), verstoßen würden.
Das klingt für uns eher unbedeutend, denn was interessiert uns, was auf der anderen Seite vom großen Teich passiert? Spätestens aber, wenn wenn die Politik-Darsteller der Bundesregierung die geplanten und im Geheimen verhandelten transatlantischen Handelsabkommen durchgewunken haben, werden die amerikanischen Gesetzte durchaus auch hier von Bedeutung sein. Und dann werden alle politischen Handlungen in Deutschland, welche gegen die Interessen amerikanischer Konzerne verstoßen und deren Gewinne gefährden könnten, vor irgendwelchen geheimen privaten amerikanischen Schiedsgerichten auf Kosten der Steuerzahler „verhandelt“. Sollte dann die deutschen Regierungs-Schauspieler doch einmal ein Gesetzt zum Schutz der Menschen im Land beschließen, dass sich einschränkend auf die Datenschnüffelei amerikanischer Konzerne auswirken könnte, dann wird es für den Steuerzahler teuer. Die Verhandlungen vor den privaten Schieds-Gerichten gehen ins Geld und wenn dieses Gericht entscheidet, dass deutsche Politik-Darsteller gegen die Interessen der amerikanischen Konzerne gehandelt haben, werden schnell hohe Strafen und Entschädigungen fällig, die natürlich der Steuerzahler begleichen muss.
Wenn also irgendwann diese Abkommen beschlossen sind und zudem auch alle Geräte miteinander vernetzt sind und mit den Herstellern kommunizieren, dann ist damit zu rechnen, dass diese Technik genutzt werden wird, die Kunden immer weiter zu gängeln. Dann werden die Hersteller genau vorschreiben, was man mit den gekauften Produkten machen darf und was nicht und jede anderweitige Nutzung kann protokolliert und sanktioniert werden. Hersteller können ihre Macht dazu missbrauchen, die Besitzrechte der Kunden massiv einzuschränken. Das kann soweit gehen, dass ein Landwirt den Traktor nur noch auf bestimmten Feldern verwenden darf und wenn er bei einem befreundeten Bauer mal aushelfen möchte, eine zusätzliche Lizenz erwerben muss, damit sein Traktor auch auf dessen Feld eingesetzt werden kann.


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