Wetten dass … wir doch Werbung bringen?

Vor sehr langer Zeit, ließ ich mir keine Wetten-dass…?-Sendung entgehen. Damals machte ich mir keine Gedanken über die sinnvolle Verwendung von Rundfunkgebühren und stellte mir auch nicht die Frage, ob solch seichte Unterhaltung in einem Fernsehprogramm platziert werden sollte, das eigentlich für informative Sendungen genutzt werden könnte, die den Menschen wichtiges Wissen für ihren persönlichen Alltag näher bringen. Für Unterhaltungssendungen sorgten schließlich auch damals schon die Privatsender sehr umfassend.
Aber zumindest handelte es sich damals bei „Wetten dass …?“ vermutlich noch um eine Unterhaltungssendung mit spannenden Wetten. Irgendwann verbrachte der Moderator mit den blonden Haaren und der Vorliebe für ungesunde bunte Bärchen aus dem Plastikbeutel aber einen immer größeren Teil der Sendezeit damit, sich mit prominenten Personen über Belanglosigkeiten zu plaudern. Die Wetten gerieten in den Hintergrund. Aus der Unterhaltungssendung wurde eine Talkshow ohne Inhalt. Seit damals habe ich mir keine Wetten-dass-Sendung mehr angeschaut.
Wie ich nun in der Zeitschrift „Der Spielgel“ lesen musste, hat sich bei „Wetten dass ..?“ in der Zwischenzeit noch mehr geändert. Auch wenn bei den Öffentlich-Rechtlichen am Abend keine Werbung mehr ausgestrahlt werden darf, haben die Macher der Sendung offensichtlich in den letzten Jahren immer wieder neue Wegen ergründet, Werbung für Konzerne direkt in der Sendung zu platzieren und das Werbeverbot geschickt zu umgehen. Da wurde dann bei den Wetten schon mal ein besonderes Automodell in den Mittelpunkt gerückt und hervorgehoben, wie beliebt das Fahrzeug sei. Dabei musste der Moderator Thomas Gottschalk natürlich darauf achten, dass er keine signifikanten Teile des Wagens verdeckt und die Kammeraleute hatten darauf zu achten, dass sie den fahrbaren Untersatz gut in Szene setzten.[1] (S. 56-63) [2] (S. 64-66)
Natürlich könnte es sich um Zufall handeln, aber die millionenschweren Geheimverträge, die zwischen Dolce Media und verschiedenen Konzernen abgeschlossen wurden, deuten eher darauf hin, dass es sich um geschickt platzierte Werbung handelt. Die Dolce Media GmbH ist ein Unternehmen, das im Bereich der Werbeintegration im Fernsehen tätig ist und Christoph Gottschalk gehört.[3] Christoph ist der Bruder von Thomas. Bei „Wetten dass …?“ handelt es sich also gewissermaßen um ein Familienunternehmen. Thomas unterhält die Zuschauer und Christoph kümmert sich darum, dass die Werbeeinnahmen fließen, die eigentlich bei den gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sendern überhaupt nicht fließen dürften.
Wenn man Bei Google „gottschalk“ eintippt, schlägt die Suchmaschine als erstes „gottschalk schloss“ und als zweites „gottschalk immobilien“ vor. Das ist interessant. Denn genau danach wollte ich mich gerade tatsächlich erkundigen. Und offensichtlich wollte nicht nur ich näheres darüber erfahren, welche Residenzen wir dem Entertainer mit den Rundfunkgebühren finanzieren, sondern so auch viele andere Menschen. So viele Leute interessierten sich in der Vergangenheit dafür, dass diese Suchanfragen von Google noch höher bewertet werden, als beispielsweise die eigentliche Arbeit der Gottschalk-Familie.
Manche Journalisten recherchieren unter Einsatz ihres Lebens in den Krisengebieten dieser Erde [4] und erhalten vermutlich kaum genug Geld, das dem Risiko auch nur ansatzweise gerecht wird. Thomas Gottschalk hat ein eher ruhiges Leben. Für belanglose Gespräche mit Prominenten bei „Wetten dass…?“ und anderen risikoarmen Sendungen erhält er ein ansehnliches Einkommen, dass durchaus bei einigen Millionen Euro im Jahr liegt.[5] Genaue Zahlen sind nicht bekannt, da die öffentlich-rechtlichen Sender es nicht für nötig halten, aufzuschlüsseln, wie die Gebührengelder verwendet werden. Außerdem ist natürlich kaum etwas darüber bekannt, welche zusätzlichen Einnahmequellen sich der Entertainer erschließen konnte. Sein Vermögen wird auf 85 Millionen Euro geschätzt.[6]
Die Zuschauer und natürlich auch die Nicht-Zuschauer bezahlen dem Moderator für ein bisschen seichtes Geschwätz über die Rundfunkgebühr ein fürstliches Leben, während viele Reporter für ihre gefährliche Arbeit mit einem deutlich niedrigeren Einkommen leben müssen. Der Entertainer scheint damit aber noch lange nicht zufrieden zu sein, so dass er über windige Geheimverträge mit großen Konzernen durch die Firma seines Bruders noch ein beachtliches Zusatzeinkommen und andere Zuwendungen einstreichen kann. Die Regeln, die bei den öffentlich-Rechtlichen gelten, scheinen ihn dabei wenig zu interessieren.


Literaturverzeichnis:
[1]
Das Show-Geschäft; Der Spiegel; Markus Brauck, Jürgen Dahlkamp, Nils Klawitter, Gunther Latsch, Jörg Schmidt; SPIEGEL-Verlag; Der Spiegel 03/2013; 14.01.2013
[2]
"Je kleiner, je besser"; Der Spiegel; Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch, Jörg Schmidt; SPIEGEL-Verlag; Der Spiegel 03/2013; 14.01.2013
[4]
?
[5]
6 Millionen Euro bei der ARD – Gottschalks Anwalt dementiert; Hit-Radio Antenne; http://www.antenne.com/wir-niedersachsen/niedersachsen-magazin/11-08/gottschalk-vervierfacht-sein-einkommen; 18.08.2011
[6]
Geldmaschine Gottschalk – Imperium; Focus Money Online; Christoph Elflein,Tanja Treser; FOCUS Magazin Verlag GmbH; http://www.focus.de/finanzen/news/imperium-geldmaschine-gottschalk_aid_200850.html; 26.04.2004