Wenn Steuern steuern würden

Angenommen, Steuern wären dazu da, etwas zu steuern … so, wie es die Bezeichnung vermuten lässt. Dann könnte man dadurch verschiedene Probleme lösen. Es ist beispielsweise kein Geheimnis, dass wir zu viel Energie und zu viele Ressourcen benötigen. So werden beispielsweise relativ günstige Steine zum Bauen von Häusern verwendet, weil sich der normale Bürger ein Hausbau ohnehin kaum leisten kann. Da muss dann gespart werden, wo es geht. Wenn die Wärmedämmung dann aber entsprechend schlecht ist, versucht man, dies mit aufgeklebten Dämmplatten zu kompensieren. Natürlich werden da gerne die eher billigeren Platten verwendet. So manch ein Häuslebauer greift dann zu Dämmmaterial aus Polystyrol. Das Ausgangsmaterial ist jedoch leider leicht entzündlich und gesundheitsschädlich. Damit bei einem Feuer nicht sofort das ganze Haus abfackelt, werden weitere Chemikalien hinzugemischt, die brandhemmend wirken sollen. Und auch ein weiteres Problem wird durch die Zugabe von weiteren ungesunden Stoffen „gelöst“. Da die Dämmplatten nur eine geringe Dichte haben, können sie kaum Sonnenenergie speichern und über eine längere Zeit wieder abgeben. Dies ist jedoch eine wichtige Voraussetzung, damit Wandteile, die durch einen Regen oder der Kondensation des Wassers aus der abkühlenden Luft, feucht geworden sind, wieder trocknen. Gedämmte Wände sind somit tendenziell feuchter als massives Mauerwerk und entsprechend leicht bilden sich Schimmel und Algen. Um dies zu verhindern, werden Chemikalien in den Putz und die Wandfarbe beigemengt, welche Algen und Schimmel abtöten sollen. Natürlich müssen die Chemikalien wasserlöslich sein, um von den Pflanzen und Pilzen aufgenommen zu werden. Dies bringt es mit sich, dass die Chemikalien mit der Zeit aus den Wänden gewaschen werden und ins Grundwasser sickern. Dabei lässt dann auch die Wirkung nach und es müssen neue Chemikalien auf die Wände gebracht werden.
Die Lebensdauer solcher Dämmsysteme wird mit 30 bis 50 Jahren angegeben. Dann muss die Mischung aus Dämmaterial, Klebstoffen, Dübel, Putz und Farbe aufwändig entsorgt werden.
Wände aus soliden Steinen hingegen könnten Jahrhunderte halten. Zudem trockenen sie schneller, weil sie die Sonnenenergie besser speichern können, was die Schimmelbildung hemmt. Dennoch können auch Steinwände so aufgebaut sein, dass sie hohe Dämmwerte besitzen.
Wenn Steuern nun dazu da wären, etwas zu steuern, könnte man beispielsweise die Steuer auf hochwertige dämmende Steine zum Bau von Wänden komplett entfallen lassen und dafür die Steuer auf Dämmaterial, das langfristig besonders schädliche Auswirkungen hat, erhöhen. So könnte man bei allen Materialien vorgehen. Gutes Material wird von der Steuer befreit. Problematisches Material wird hoch besteuert. Dadurch werden Gebäude deutlich günstiger, die mit gutem Material erbaut wurden. Beim Hausbau muss man dann nicht mehr an der Qualität sparen, da Qualität billiger ist, als schlechtes Material. Dies betrifft nicht nur den Bau von Gebäuden. Auch beim Einkauf von Lebensmitteln sieht man sehr deutlich, dass Steuern nicht dazu da sein, uns zu einem rücksichtsvolleren Leben zu bewegen. Die Produktion von Kuhmilch beispielsweise ist sehr aufwändig und schlecht für die Umwelt. Große Mengen an Pflanzenmaterial müssen angebaut, gedüngt und geerntet werden, um die Kühe damit zu füttern und so lange am Leben zu halten, wie sie genug Milch geben. Dees ist ineffizient und es geht viel Energie verloren. Einfacher ist es, einen Drink direkt aus den Pflanzen zu gewinnen, der Milch in vielen Bereichen ersetzen kann. Entsprechend unverständlich ist es, dass der Verkauf von Kuhmilch durch einen reduzierten Umsatzsteuersatz gefördert wird, während auf Hafer- oder Sojadrinks der volle Steuersatz zu entrichten ist.
Steuern sind also leider nicht dazu da, uns zu einer besseren Lebenweise hinzusteuern. Wenn der Staat die Leute durch Steuern zu einer nachhaltigen Lebensweise bringen würde, indem umsichtig agierende Menschen weitgehend steuerfrei leben könnten, würden natürlich bald die Steuereinnahmen wegbrechen. Dies würde also nur funktionieren, wenn der Staat nicht auf Steuern angewiesen ist und Steuern dann wirklich nutzen könnte, um die Gesellschaft zum Positiven hinzusteuern. Dies ist derzeit nicht der Fall. Der Staat ist auf die Steuereinnahmen angewiesen wie der Verdurstende auf ein Glas Wasser und so verwundert es nicht, dass die Menschen auch dann mit Steuern bestraft werden, wenn sie nachhaltige Produkte kaufen. Steuern dienen nicht dazu, die Gesellschaft zu steuern. Sie dienen nur als Einnahmequelle für den Staat.
Unter diesen Bedingungen ist die Aufforderung der Bürger durch den Staat, umweltbewusst zu leben, nur ein falsches Spiel. Während ganz scheinheilig immer mehr Gesetze zur Energieeinsparung geschaffen werden, wird gleichzeitig dafür gesorgt, dass ein umweltbewusstes Leben kaum finanzierbar ist. Damit wir wirklich in Einklang mit unserer Umwelt leben können, genügt es also nicht, einfach nur Glühlampen und leistungsstarke Staubsauger zu verbieten oder in inhaltslosen Sonntagsreden Elektroautos zu fordern. Wenn wir dauerhaft bescheiden leben wollen, dann benötigen wir ein Geldsystem, das eine solche Lebensweise automatisch unterstützt und fördert. So lange wir ein Geldsystem haben, das grenzenlos Wachsende Forderungen durch Zins und Zinseszins generiert und nahezu alle Menschen und auch die Staaten in eine immer größer werdende Verschuldung treibt, so lange werden alle Glühlampenverbote und Elektroautowünsche nicht zum Ziel führen. Denn was nutzt es, wenn wir unsere Räume nur noch mit Kompaktleuchtstofflampen beleuchten, um Strom zu sparen, aber gleichzeitig immer mehr Energie für Arbeit aufwenden müssen, mit der nur noch Dinge produziert werden, die wir eigentlich nicht brauchen, die aber dazu dienen, das Geldmengen- und Schuldenwachstum zu untermauern?
Wirklich frei sind wir nur, wenn wir ein Geldsystem haben, bei dem auch die Staaten nicht mehr auf die Einnahme von Steuern angewiesen sind, die sie benötigen, um die Zinsen für die Staatsverschuldung zu bezahlen und von dem, was dann noch übrig bleibt, die maroden Straßen zu sanieren und Grundschullehrer zu bezahlen. Wenn Staaten sich nicht mehr bei privaten Banken verschulden müssen, sondern jeden Monat automatisch eine bestimmte Menge Geld zur Verfügung haben, um die notwendigen Investitionen zu tätigen, kann es Besserung geben. Dann kann der Staat positive Lebensweisen fördern ohne selbst in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Und auch die Menschen müssten der durch Zins und Zinseszins ständig wachsenden Verschuldung entkommen. Einen großen Teil der Arbeitszeit und der Energie verbrauchen wir nicht, um lebenswichtige Dinge zu produzieren, sondern zur Tilgung von Schulden. Hier besteht gewiss ein beachtliches Einsparpotential, ohne dass wir an Lebensqualität verlieren würden.
Wenn der Zins entfällt, entfällt natürlich auch die „Umalaufsicherung“, die der Zins zumindest in geringem Umfang mit sich bringt. Der Geldfluss käme dann möglicherweise völlig zum Erliegen. Die Funktion der Umlaufsicherung kann aber auch durch Alternativen erreicht werden (ja, es gibt Alternativen!). Beispielsweise, indem man dafür sorgt, dass das Geld mit der Zeit an Wert verliert. Dann würde jeder Versuchen, noch etwas von dem Geld zu kaufen, bevor es weniger Wert ist. Oder man verleiht das Geld einfach über Banken an Menschen, die gerade mehr Geld benötigen, als sie haben. Zinsen wird man dafür zwar keine verlangen können, aber immerhin erhält man so zu einem späteren Zeitpunkt wieder so viel Geld zurück, wie man verleihen hat. Entsprechend hat man keinen Verlust. Der Schuldner selbst muss zwar den Wertverlust des Geldes ausgleichen, aber er muss nicht mehr Geld bezahlen, als er geliehen hat (abgesehen von den Gebühren für die Sachbearbeiter bei den Banken) und dies ist auch nicht so schwierig. Da immer genug Geld vorhanden ist und dieses auch recht schnell umlaufen dürfte, ist es leicht, durch ehrliche Arbeite genug Geld zu erwirtschaften, um die Schulden zu bezahlen. Ein solches „Schwundgeldsystem“ oder auch „Freigeldsystem“ mag zunächst zwar schlecht klingen, es hat aber eigentlich kaum Nachteile und dafür kann ein solches Geldsystem viele positive Eigenschaften haben. So kann der Betrag, der regelmäßig durch die Entwertung verloren geht, vom Staat über die ohnehin notwendigen Investitionen zum Erhalt der Grundlegenden Infrastruktur wieder in Umlauf gebracht werden. Der Staat müsste sich dafür nicht verschulden und die Geldmenge würde nicht inflationär anwachsen. Auf diese Weise wäre immer genug Geld vorhanden und das Geld wäre auch relativ fair verteilt. Wer viel leistet, kann natürlich reicher sein, als ein Faulpelz. Aber es wird dann nicht mehr ganz wenige Superreiche geben, die ohne zu Arbeiten immer reicher werden, während ein großer Teil der Bevölkerung trotz harter (und meist nutzloser) Arbeit immer ärmer wird. Mit einem solchen Geldsystem wird es nicht mehr notwendig sein, um des Geldsystems Willen zu Arbeiten und dafür natürlich Energie zu verschwenden. Dann können wir wieder langlebige Produkte herstellen, die repariert anstatt weggeworfen werden und wir hätten mehr Freizeit. Für die Umwelt wäre dies natürlich ein Segen. Der Umweltschutz würde dadurch ein natürlicher Teil unseres Lebens und wir müssten nicht so wie es derzeit der Fall ist, zwanghaft versuchen, Ressourcen zu sparen und die Umwelt zu schützen, während das System uns permanent zur Verschwendung zwingt. Dieser Verschwendungszwang würde in einem nachhaltigen Geldsystem einfach nicht mehr bestehen. Im heutigen System sind Umweltzerstörung und Ausbeutung lukrativ, ein nachhaltiger Weg hingegen mit hohen Kosten verbunden. Dagegen wären in einem Freigeldsystem positive und gemeinwohlorientierte Lebensweisen endlich lukrativ, während schädliche Handlungsweisen zu finanziellen Einbußen führen würden und damit unattraktiv wären.