Wechselkopfzahnbürste

Der Ursprung aller Umweltschutz-Herausforderungen ist die rasant steigende Weltbevölkerung gepaart mit dem ressourcenintensiven Lebenswandel der Industrieländer.

Quelle: http://www.umweltschutz.de/

Der hemmungslose Verbrauch von Ressourcen erscheint unvermeidbar, wenn man den Lebensstandard halten will. Tatsächlich könnte man aber ohne den Verzicht auf die gewohnte Lebensweise große Mengen an Energie und Ressourcen einsparen. Die Betonung liegt allerdings auf „könnte“, denn tatsächlich hat man als Verbraucher nur wenige Möglichkeiten hierzu. Der Staatssekretärsausschuss führt zwar regelmäßig Beratungen zu einzelnen Themen der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie durch, in der Politik scheint man sich aber dann doch nicht wirklich dafür zu interessieren, simple Lösungen voranzubringen, die auf einfache Weise Ressourcen sparen, ohne die Kosten in die Höhe zu treiben. In seitenlangen Ausführungen zur Nachhaltigkeitspolitik sollen die Kunden animiert werden, beim Einkauf Produkte zu wählen, die weniger Verpackungsmüll zur Folge haben oder anderweitig unnötig viele Ressourcen verbrauchen. Da wird hochtrabend von „nachhaltigem Konsum“ und „ökologischem Fußabdruck“ gesprochen. Viele schöne Begriffe, die jedoch in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, wenn die Hersteller in der Realität nicht angehalten werden, solche nachhaltigen Produkte auf den Markt zu bringen, damit der Kunde überhaupt die Möglichkeit hat „nachhaltig“ einzukaufen.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Die unscheinbare Zahnbürste. Bei der Verwendung einer Zahnbürste werden hauptsächlich die Borsten verschlissen und müssen von Zeit zu Zeit ersetzt werden. Da die Borsten jedoch üblicherweise fest mit dem Griff verbunden sind, muss auch der noch funktionstüchtige Griff beim Austausch der Borsten mit entsorgt werden. Naheliegend wäre es, eine Zahnbüste zu entwickeln, bei welcher der Bürstenkopf separat ausgetauscht werden kann. Ein solches Produkt ermöglicht die die gewohnte Zahnpflege ohne die bisherige Ressourcenverschwendung. Und tatsächlich gibt es eine solche Lösung. Zahnbürsten mit Wechselkopf sind jedoch eine Ausnahme. Der Regelfall sind nach wie vor Zahnbürsten, die man komplett wegwerfen muss. Obwohl es also eine geniale Lösung gibt, ist es völlig normal, das im Handel weiterhin fast nur Zahnbürsten erhältlich sind, bei denen der Griff und das Verschleißteil „Bürstenkopf“ fest verbunden sind. Während von Politik und durch die Behörden den Bürgern sogar vorgeschrieben werden kann, welche Blumentöpfe sie in der Innenstadt aufstellen dürfen, um das Stadtbild zu erhalten, oder welche Steuerabgaben zwangsweise zu entrichten sind, scheint es seitens der Politik keine Motivation zu geben, den Konzernen Vorgaben für die Umstellung auf ein nachhaltiges Produktsortiment zu machen.

Löblicherweise hatte ein Hersteller von sich aus bereits vor vielen Jahren eine Zahnbürste mit Wechselkopf ins Sortiment aufgenommen: die Gaba-Gruppe, ein Schweizer Unternehmen. Bei diesem Produkt konnte der Bürstenkopf – und nur dieser – separat gewechselt werden.

Zahnbürste: Aronal öko-dent (Version 1)

Irgendwann hat der Hersteller das Design überarbeitet und bei der neuen Version der Zahnbürste wird nun nicht nur der Bürstenkopf, sondern auch noch ein Großteil des Griffes ausgetauscht.

Zahnbürste: Aronal öko-dent (Version 2)
Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass bei Produkten durchaus noch Potential besteht, den Ressourcenverbrauch zu verringern ohne dass dadurch die Funktion eingeschränkt wird. Zusätzlich ließe sich vermutlich auch problemlos der Verpackungsanteil reduzieren. Entsprechende Einsparungen würden auch weitere Einspareffekte nach sich ziehen. Wenn weniger Rohstoffe benötigt werden, wird weniger Energie für die Beschaffung der Ausgangsstoffe benötigt und auch die zu transportierende Warenmenge vom Hersteller zum Händler würde verringert werden.
Es ist schade, dass derartige Möglichkeiten zum Einsparen von Energie und von Rohstoffen nicht genutzt werden oder dass sogar einst vorbildliche Produkt durch schlechtere Varianten ersetzt werden.
Und was machen die Politiker zwischenzeitlich? Sie erfinden auf der einen Seite immer neue Steuern und Abgaben, die angeblich dem Umweltschutz dienen oder geben „kluge“ Tipps für einen nachhaltigen Einkauf, während sie es auf der anderen Seite nicht für nötig halten, die Hersteller darin zu bestärken, ihre Produktpalette in Hinblick auf Ressourceneinsparung zu optimieren.

Man könnte meinen, dass Politiker und Konzerne uns für dumm verkaufen.