Was Steuerzahler alles fordern …

2009 wird es die höchste Neuverschuldung in der Geschichte der Bundesrepublik geben. Die Schulden von heute müssen die Kinder von morgen bezahlen. Vier Schüler fragten für WELT ONLINE den Finanzminister, was die Schuldenlast für sie bedeutet.

Robert: Warum macht es der Staat nicht genauso und zahlt seine Schulden schneller zurück? Wir haben mehr als anderthalb Billionen Euro Schulden, weil wir immer mehr Geld ausgeben, als wir einnehmen.
Steinbrück: Das liegt vor allem daran, dass die Bürger und Politiker so viel vom Staat fordern. Wollt ihr, dass die Straßen gut sind und die U-Bahn nicht zu teuer ist? Wollt ihr in schöne Schulen gehen? Wollt ihr, dass eure Eltern abends im Dunkeln sicher nach Hause kommen? (Die Kinder nicken) Seht ihr. Aber am liebsten wollen die Menschen für all das keine Steuern zahlen. Da gibt es eine Lücke – und das ist eben die Staatsverschuldung.[1]

Quelle: Welt Online

Na klar, wieder einmal sind vor allem die Bürger Schuld. Sie fordern einfach zu viel. Sie fordern, dass der Staat für sie Straßen baut und diese Nachts beleuchtet. So eine Frechheit! Das Geld der Steuerzahler ist zu einem großen Teil ja schon anderweitig verplant. Werfen wir einen Blick auf die Schuldenuhr, welche die Staatsverschuldung anzeigt. Am Freitag Abend, den 16. Oktober 2009 konnte man der Uhr den geschätzten Wert von etwa 1600 Mrd. Euro Gesamtschulden entnehmen. Der Schuldenzuwachs betrugt 4439 Euro pro Sekunde.
Die Zinsenuhr verdeutlicht zur gleichen Zeit, dass die anfallenden Zinsen 2262 Euro pro Sekunde betragen.[2]

Schulden und Zinsen
Schulden und Zinsen[2]

Aha, der Zuwachs an Schulden beträgt 4439 Euro pro Sekunde. Davon Abgezogen der Zuwachs durch die Zinsen von 2262 Euro pro Sekunde bleiben 2177 Euro übrig. Die Neuverschuldung würde also gerade mal 2177 Euro pro Sekunde betragen, gäbe es keine Zinsen. Der größte Teil des Schuldzuwachses kommt durch die Zinsen zustande, welche die Banken kassieren (ohne dafür eine nennenswerte Leistung zu erbringen). Also:

2262 Euro pro Sekunde sind an Zinsen zu zahlen
2177 Euro pro Sekunde sind für neu aufgenommenes Geld zu zahlen

In den 2177 Euro (und natürlich auch in den 2262 Euro) sind noch die Kosten für Rettungspakete enthalten, um die Banken vor dem Untergang zu bewahren … nun ja, mit einem Einkommen von gerade mal etwas über 2000 Euro pro Sekunde muss man schon sehen, wo man bleibt. Der Rest der 2177 Euro kann dann in den Bau und die Beleuchtung von Straßen fließen.
Das ist doch die Höhe! Jetzt sind die Bürger so frech und wollen – nachdem sie die 2262 Euro pro Sekunde an die Banken für Zinsforderungen abgedrückt haben (und dazu einiges für die Rettung der Banken bei den Banken geliehen haben) auch noch neue Straßen gebaut bekommen! Dabei würde es doch vollkommen reichen, wenn die Bürger nur noch Zinsen bezahlen. Ok, die Straßen sind nötig, damit die Leute zur Arbeit kommen, um das Geld zu erarbeiten, das sie dann den Banken für die Zinsen hinterherwerfen. Aber da tut es doch auch eine alte Schotterpiste.