Was sollen die auch sonst machen außer kaufen?

Es ist mir ein Anliegen zu vermitteln, dass es ein Widerspruch ist, auf der einen Seite ein Finanz- und Wirtschaftssystem zu akzeptieren, das aufgrund der eingebauten Zinseszinsfunktion zu einem grenzenlosen exponentiellen Wachstum mit dem damit einhergehenden Ressourcenverbrauch und der Zerstörung der Umwelt führt, während auf der anderen Seite über eben diese Zerstörung der Umwelt lamentiert wird. Sehr schön hat diesen Widerspruch ein Leser beim Zeitschriftenverlag Heise im Forum zum Ausdruck gebracht:

Was sollen die auch sonst machen außer kaufen?

In einer Gesellschaft, der es an geistigen Werten immer mehr fehlt, bleibt doch nichts anderes übrig, als seine Sinne mit Kaufen von irgendwelchem Krempel zu betäuben.

Und damit meine ich nicht nur die USA, sondern alle, die den neuen Gott Mammon anbeten, ohne sich dessen bewußt zu sein.

Die Religion heißt Kapitalismus und das Stundengebet:

Kaufen, Kaufen,Kaufen.
Wachstum, Wachstum, Wachstum.

Auf der nächsten Klimakonferenz wird dann wieder gezetert, daß Umweltschutz nicht geht, ohne der Wirtschaft zu schaden.

Quelle: Metronomicon; Heise-Forum: Was sollen die auch sonst machen außer kaufen?


Am besten erreicht man ein kräftiges Wirtschaftswachstum, wenn die hergestellten Produkte nur kurzzeitig genutzt und dann durch neue Produkte ersetzt werden. Sehr nahe an diesen „Idealzustand“ der wirtschaftswachstums-fördernden Verschwendung kommt man bei der Verwendung von Plastiktüten, deren durchschnittliche Nutzungsdauer bei nur wenigen Minuten liegt.
Im Idealfall wird die Nutzungsdauer der Produkte auf 0 reduziert. Herstellen, wegwerfen. Soweit sind wir noch nicht, aber ein anderer Leser von Heise hat mit einem Forumsbeitrag auf ein Roman aufmerksam gemacht, in dem dieser irrsinnige Zustand, der eigentlich eine logische Konsequenz unseres heutigen Wirtschaftsverständnisses ist, beschrieben wird. Im Roman „Eden“ von Stanisław Lem aus dem Jahr 1959 wird in einer vollautomatischen Fabrik der Produktionskreislauf der Werkstücke kurzgeschlossen.

Mir fallen dazu immer zwei uralte Texte ein – ein Abschnitt aus dem Roman „Eden“ von Stanislaw Lem, in dem eine Fabrik beschrieben wird, in der die hergestellten Produkte gleich wieder recycelt werden; in einem völlig geschlossenen Kreislauf sozusagen. Und die Kurzgeschichte „der unterbewusste Mann (subliminal man)“ von J. G. Ballard. Ach ja, und da gibt es noch was von Philipp K. Dick mit Roboter-Nannys – den Titel DER Kurzgeschichte weiß ich aber gerade nicht…

Quelle: Adelheid; Heise-Forum: Was sollen die auch sonst machen außer kaufen?