Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?

In dem Theaterstück „Die Dreigroschenoper“ schrieb Bertolt Brecht: „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ Mit diesem Satz hat er die kriminelle Energie, die in diesem Finanzsystem steckt, überaus treffend beschrieben. Die Mitarbeiter der Bankinstitutionen können ohne nennenswerten Aufwand große Summen an Guthaben schöpfen und dieses soeben erzeugte Guthaben gegen Zinsen als Kredit verleihen. Wobei die Zinsen natürlich bei der Kreditvergabe nicht mitgeschöpft werden, folglich also auch nicht existieren und somit zunächst nicht zurückgezahlt werden können. Die Banken, bzw. die dortigen Mitarbeiter, fordern dieses nicht existierende Geld aber ein – wohlwissend, dass nur sie und ihresgleichen dieses fehlende Guthaben erzeugen können. Sie haben die Kreditnehmer also voll im Griff. Von ihrer Gunst hängt es ab, ob neue Kredite vergeben werden, mit denen alte Schulden beglichen werden können. Und wenn das der Fall ist, dann dreht sich die Schuldenspirale nur noch weiter und die Banken haben noch mehr Menschen unter Kontrolle. Denn: Kredite werden nicht einfach so gegeben. Der Kreditnehmer muss im Normalfall mit einer dinglichen Sicherung bürgen. Kann er den Kredit nicht nach den Spielregeln der Bank tilgen, verliert er die Sicherung. Auf diese Weise kommen die Damen und Herren bei den Banken ohne dass sie dafür nennenswert mehr machen müssten, als ein paar Formulare vorzubereiten und zu unterschreiben, an ganz reale Werte. Sie müssen kein Fundament ausheben und auch keine Mauern in die Höhe ziehen oder ein Dach decken, um an ein neues Einfamilienhaus zu kommen. Sie müssen, vereinfacht ausgedrückt, lediglich die Formalitäten am Schreibtisch erledigen, die nötig sind, um einen Kredit zu vergeben. Das Geld dafür müssen sie nicht einmal erarbeitet haben. Sie erzeugen es im Moment der Kreditvergabe.
In den 1970er und 1980er Jahren wäre man vermutlich nicht mal am helllichten Tag durch den New Yorker Stadtteil Bronx geschlendert weil dies aufgrund der hohen Kriminalitätsrate ein gefährliches Unterfangen war. Bandenkriminalität, Diebstahl und Raubüberfälle gehörten zur Tagesordnung. Schreitet man heutzutage durch die Pforte einer Bank, befindet man sich gewissermaßen in der Bronx. Mann muss jederzeit damit rechnen, dass eine Bande von Finanzproduktverkäufer (oftmal auch fälschlich als „Bankberater“ bezeichnet), einem um Haus und Hof bringt. Wurde man bei der Bank übers Ohr gehauen, kann man – wie in der Bronx auch – nicht damit rechnen, Unterstützung durch die Polizei und andere Behörden zu erhalten. Da ist jeder auf sich alleine gestellt.
Mittlerweile begenügt sich so manch ein Bankangestellter nicht mehr nur „des schnellen Geldes wegen“ damit, beispielsweise eine Darlehensschuld und die Abtretung der hierfür gestellten grundpfandrechtlichen Sicherheit (Grundschuld) eines Kreditnehmers an einen Investor zu verkaufen[1], der die Grundschuld mit einem Schlag zuzüglich Zinsen eintreiben und damit das Opfer ruinieren kann. Nein, mittlerweile sind die Bandenmitglieder in ihren schicken Anzügen ins ganz große Geschäft eingestiegen. So wurde in der Vergangenheit vermehrt sogar der Referenzzinssatz im Interbankengeschäft (London Interbank Offered Rate, LIBOR)[2] zu Gunsten einiger Marktteilnehmer manipuliert, wie die FSA ermittelte[3] und die Zeitung „The Independent“ berichtete.[4] Diese Zinsen sind Grundlage für eine große Anzahl an Finanzmarktgeschäften und unlautere Veränderungen haben einen entsprechend enormen Einfluss auf die Geschäfte der anderen Marktteilnehmer.
In Anbetracht solcher Machenschaften darf man sich gewiss fragen, wer mehr kriminelle Energie aufbringt. Der Bankräuber oder der Bankangestellte.


Literaturverzeichnis:
[1]
?
[2]
London Interbank Offered Rate; http://de.wikipedia.org/wiki/London_Interbank_Offered_Rate; 29.06.2012
[3]
Financial Services Authority; http://www.fsa.gov.uk/
[4]
Bollinger and 'big boy': Suspicious Barclays Libor email extracts revealed ; The Independent; Jamie Grierson; http://www.independent.co.uk/news/business/news/bollinger-and-big-boy-suspicious-barclays-libor-email-extracts-revealed-7893355.html; 27.06.2012