Warum löst widersprüchliches Verhalten keinen inneren Konflikt aus?

Es ist schon seltsam. Die wenigsten Menschen würden ein Tier quälen und sich daran erfreuen, wie es schreit und leidet. Ganz im Gegenteil, viele Menschen empfinden das Bedürfnis, einem verwundeten Tier zu helfen und seine Schmerzen zu lindern. Wenn sie das geschafft haben, fühlen sie sich gut.
Und auch die Umwelt möchten die meisten Menschen nicht zerstören. Da werden extra (vermeintlich) energiesparende Kompaktleuchtstofflampen gekauft. Es wird mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren, um nicht das Auto nutzen zu müssen. Viele Unternehmen „leben“ davon, umweltfreundliche Produkte anzubieten und der CO2-neutrale Paketversand spricht so manch einen Kunden an.

Gleichzeitig haben die selben Menschen kein Problem damit, wenn Tiere viele Wochen, Monate oder gar Jahre gequält und ausgebeutet werden, damit sie später beim Schnellimbiss um die Ecke fettiges Fleisch mit Pommes-rot-weiß essen können. Da sind auch alle guten Vorsätze für den Umweltschutz vergessen. Dass die Herstellung tierischer Produkte sehr viel energieaufwändiger ist, als die Produktion pflanzlicher Lebensmittel wird ignoriert. Die Menschen, die gerade noch für Zertifikate bezahlt haben, mit denen angeblich irgendwo ein Baum gepflanzt wird, um den Kohlendioxid-Ausstoß der letzten Urlaubsreise auszugleichen, haben kein Problem damit, wenn an anderer Stelle wertvoller Urwald gerodet wird, damit Nahrung für Schlachttiere angebaut werden kann.
Wie George Orwell bereits in seinem Roman 1984 geschrieben hat, liegt hier ein klassischer Fall von Doppeldenk vor. Es werden zwei gegensätzliche Dinge gleichzeitig als „Wahr“ angenommen. Viele Menschen können gleichzeitig versuchen, das Leiden der Tiere zu mindern und dennoch an anderer Stelle das Leiden von Tieren fördern oder gar erzwingen. Viele Menschen sind bereit, Geld für den Schutz der Umwelt zu bezahlen, handeln aber gleichzeitig ohne Rücksicht auf die Umwelt.

Warum ist das so? Können die Menschen tatsächlich die Tiere und die Umwelt schützen und sie trotzdem zerstören, ohne dass dies falsch erscheint? Warum löst das oftmals praktizierte widersprüchliche Verhalten keinen inneren Konflikt aus? Sind sich die Menschen einfach nicht darüber bewusst, welchen Schaden ihr Handeln oftmals anrichtet? Oder wissen sie vielleicht zwar, welchen Schaden sie beispielsweise anrichten, wenn sie ein paniertes Schnitzel im Restaurant bestellen und tanken deshalb dann für den Heimweg Agro-Sprit (vermarktet als Bio-Sprit), um ihr Gewissen frei zu kaufen? Ist der praktizierte Versuch des Umweltschutzes eine Art Ablass-Handel, um das Gewissen frei zu kaufen?