Von der Wirkung wirkungsloser Substanzen

In dem Artikel „Wie eine unheilbare Krankheit geheilt wurde“ berichtete ich von einem Dalmatiner, der an Diabetes insipidus erkrankt ist. In einer Tierklinik versicherte man uns, dass diese Krankheit nicht heilbar ist und das Tier bis an sein Lebensende Medikamente benötigen wird. Da die Tierärzte mit ihrem schulmedizinischen Wissen am Ende waren, suchten wir Tierheilpraktiker auf, die den Umgang mit Schüsslersalzen und Akupunkturnadeln gelernt hatten. Schon bald besserte sich der Zustand des Hundes sichtbar, so dass wir die Medikamente absetzen konnten. Dank natürlicher Heilverfahren kann der Dalmatiner nun wieder ein normales Leben führen.

Nun passt diese Erfahrung nicht in das Weltbild, das wir Menschen im Allgemeinen in dieser hochtechnisierten Welt haben und so lautete einer der Kommentare:

Ach, zu Calcium Phosphoricum C30: Das Zeug ist so stark verdünnt (1 zu 10^60), dass um auch nur ein Molekül des Wirkstoffes zu verabreichen der Hund 10^36 Fläschchen Medizin trinken muss (bzw. die entsprechende Menge Globuli fressen). Das sind rund 3 Milliarden(!) mal die Masse der gesamten Erde für ein Molekül Wirkstoff… Aber glaubt ruhig weiter dran ;-)

Es ist in der Tat schwer, sich vorzustellen, wie homöopathisch verdünnte Substanzen wirken können. Eventuell spielt nicht die Substanz selbst eine Rolle, sondern die Informationen, welche die Substanz beim Verdünnen abgegeben haben könnte. Was dabei genau geschieht, weiß vermutlich niemand. Somit handelt es sich letzten Endes um eine Glaubensfrage. Die einen sind davon Überzeugt, das homöopathisch verdünnte Substanzen eine beachtliche Wirkung haben, die anderen glauben, dass sie keine Wirkung haben, weil sie keine Wirkung haben können.
So machte sich Madeleine Ennis, eine Pharmakologin der Queens University in Belfast, 2001 an die Arbeit, nachzuweisen, dass derart stark verdünnte Substanzen keine Wirkung haben, wie die Zeitschrift P.M. in der April-Ausgabe von 2011 auf Seite 56 berichtete. Hierzu machte Madeleine Ennis sich eine Eigenschaft der basophile Granulozyten zunutze. Diese Granulozyten gehören zu den weißen Blutkörperchen und synthetisieren und speichern Histamin, wie auch in der Dissertation „Histaminfreisetzung aus basophilen Granulozyten bei erhöhter Mastzelltryptasekonzentration im Serum“[1] nachgelesen werden kann. Das Histamin wird freigesetzt, wenn Körperzellen angegriffen werden. Sobald jedoch Histamin von außen zugegeben wird, beenden die Zellen die Freisetzung. Madeleine Ennis gab in einem Versuch, der in verschiedenen Labors wiederholt wurde, eine Lösung mit sehr stark verdünntem Histamin hinzu. Die Lösung war so stark verdünnt, dass in der Probe, die zu den weißen Blutkörperchen gegeben wurde, theoretisch kein einziges Histaminmolekül mehr vorhanden war.
Was die Wissenschaftlerin nicht erwartete war, dass sich die basophile Granulozyten genau so verhielten, als hätte sie Histamin hinzugefügt: Die Zellen stellten ihrerseits die Produktion von Histamin ein. Ganz offensichtlich können auch sehr stark verdünnte Substanzen tatsächlich eine Wirkung haben. Schde, dass auf diesem Gebiet nur wenig geforscht und noch weniger veröffentlicht und diskutiert wird.


Weiterführende Informationen:
Inhibition of human basophil degranulation by successive histamine dilutions: Results of a European multi-centre trial
Basophil models of homeopathy: a sceptical view
Histamine dilutions modulate basophil activation


Literaturverzeichnis:
[1]
Histaminfreisetzung aus basophilen Granulozyten bei erhöhter Mastzelltryptasekonzentration im Serum; Patrick Mehrle; http://edoc.ub.uni-muenchen.de/9799/1/Mehrle_Patrick_Christopher_Walter.pdf; 20.11.2008