Verstehen Sie Spaß?

Die meisten Menschen dürften es als unangenehm empfinden, wenn man sie demütigt oder sie Opfer beispielsweise von Mobbing-Angriffen werden. In einer zivilisierten Gesellschaft sollten solch primitive und menschenverachtende Handlungen dementsprechend keinen Platz haben. Stattdessen ist ein harmonisches, respektvolles und friedliches Zusammenleben erstrebenswert. Gemäß der goldenen Regel „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andren zu“ ist ein rücksichtsvolles Verhalten anzustreben.
Auf Schulhöfen geht es mitunter sehr rabiat zu. Einige Schüler weisen bezüglich ihres Sozialverhaltens noch hohe Defizite auf, die durch Eltern und Lehrer korrigiert werden müssen. Gelingt dies nicht, werden aus rücksichtslosen Kindern rücksichtslose Erwachsene und die verhalten sich dann häufig sehr unsozial. Dies lässt sich leider nicht vermeiden, aber zumindest sind andere Menschen, die eine bessere Erziehung genießen durften, nicht gezwungen sich an asozialem Verhalten zu beteiligen oder dieses zu unterstützen oder zu fördern.
Zumindest könnte man das meinen. Dabei hat man dann aber die Rechnung ohne die durch Zwangsgebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Sender gemacht. Die bei der ARD ausgestrahlte Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ mag zunächst unscheinbar daherkommen. Bei dieser Sendung werden aber Menschen für dumm verkauft und einem Publikum vorgeführt. Das Konzept: Ein „Opfer“ steht als einziger Unwissender zwischen eingeweihten Personen und wird in eine unangenehme Situation gebracht. Sein irritiertes Verhalten wird zur Belustigung einer großen Zuschauergruppe gefilmt.
Wer es schön findet, wenn sich beispielsweise im Büro seine Kollegen gegen ihn verbünden und er als Außenseiter erniedrigt und gedemütigt wird, der hebe jetzt die Hand. Ich vermute, dass nicht viele Hände erhoben wurden. Ein menschliches Grundbedürfnis ist es nämlich, einer Gruppe von Gleichgesinnten anzugehören. Wer nicht die Hand gehoben hat, der hat grundsätzlich kein Recht, anderen Menschen soetwas anzutun (und wer die Hand gehoben hat, der darf gerne erklären, was daran schön sein soll, als Trottel dazustehen).
Es ist kein Geheimnis, dass die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland durch Beiträge finanziert werden, die grundsätzlich von jeder Person entrichtet werden müssen, die in einem Haushalt lebt (Stichwort „Haushaltsabgabe“). Dadurch müssen auch die gut erzogenen Mitbürger, die andere Menschen achten und schätzen, das unwürdige Treiben dieser Sendung bezahlen. Durch die Zwangsbeiträge wird man dazu gezwungen, die Demütigung von Mitmenschen zu finanzieren. Wer dies nicht möchte und die Zahlungen verweigert, muss damit rechnen, zu einer Haftstrafe verurteilt zu werden.
Es ist schlimm genug, dass die Gesellschaft in weiten Teilen stark verroht ist. Dass sich aber die öffentlich-rechtlichen Sender auch noch als negatives Vorbild etablieren und beispielsweise Martin Rütter als Trottel dastehen lassen, ist unfassbar. Von einem Fernsehsender, der mit einem „Bildungsauftrag“ begründet, dass er das bedingungslose Recht hat, von nahezu allen Bürgern Geld zu erhalten, sollte grundsätzlich als gutes Beispiel vorangehen und auf ein respektvolles Zusammenleben hinwirken.

Martin Rütter: Die Podiumsdiskussion
09.12.2017, 16 Minuten, Verfügbar bis 09.12.2018
Quelle: SWR
Link: http://mediathek.daserste.de/Verstehen-Sie-Spa%C3%9F/Martin-R%C3%BCtter-Die-Podiumsdiskussion/Video?bcastId=437898&documentId=48241588