Verschuldung steigt exponentiell … wie erwartet?

Die Staatsverschuldung wird weiterhin steigen – und zwar exponentiell. Ein Geldsystem, das auf Zinsen basiert, erzwingt ein exponentielles Wachstum, bis es nicht mehr tragfähig ist und zusammenbricht. Wachstum bedeutet zwar steigende Geldvermögen auf der einen Seite, aber auch entsprechend steigende Schulden auf der anderen Seite. Stichwort: Geldvermögen/Schulden-Paare. Über die Hintergründe, warum die zu erbringenden Zinsleistungen stetig steigen und damit auch die exponentielle Verschuldung, habe ich bereits ausführlich in folgenden Artikeln geschrieben:


Einige Menschen sehen dies jedoch anders. Beispielsweise die Bundeskanzlerin Angela Merkel:

„Die Bundesregierung legt einen Haushalt vor, der seinesgleichen sucht“, sagte Kanzlerin Angela Merkel am Mittwoch in der Generaldebatte des Bundestags über den Haushalt 2009. Es seien die Voraussetzungen geschaffen worden, dass die Regierung 2011 keine neue Schulden mehr machen müsse.[1]

Quelle:T-Online

Ein Haushalt, der seinesgleichen sucht! Wie sieht dieser nun konkret aus?

Bald 1900 Milliarden Euro – Staatsverschuldung explodiert

Die teure Bankenrettung, hohe Kosten für Konjunkturpakete und Kurzarbeit sowie Steuerausfälle lassen die Staatsverschuldung in Deutschland explodieren. Im ersten Halbjahr summiert sich das Defizit von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen einschließlich aller Extrahaushalte auf 57,2 Mrd. Euro.
[..]
Schon heute seien die Zinszahlungen der zweitgrößte Ausgabenposten des Bundes. Die Staatsfinanzen müssten deshalb dringend saniert werden.[2]

Quelle:n-tv

Konkret: Das auf Zinsen basierende Finanzsystem, welches eine exponentielle Verschuldung erzwingt, steht – wie zu erwarten war – vor dem Kollaps und kann nur noch durch gigantische Rettungsmaßnahmen vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Mit dem entsprechenden Hintergrundwissen können die Versprechen von einem Haushalt, der seinesgleichen sucht, als sinnbefreite Phrasen gesehen werden. Entweder war Angela Merkel nicht richtig informiert über die Funktionsweise des Finanzsystems, was jedoch bei ihrer Position und Verantwortung kaum akzeptabel ist, oder sie hat schlicht und einfach gelogen.
Anmerkung: Selbst wenn eine Umstellung des Staatshaushaltes gelingen sollte, so dass die Bundesregierung keine weiteren Schulden aufnehmen muss, wird die Verschuldung an anderer Stelle gesteigert werden müssen. Für die Bevölkerung im Land beläuft sich dies letztendlich auf das selbe, denn am Ende bezahlt der Bürger dafür. Da ist es gleichgültig, über welche Umwege.

Nach einem Schuldenabbau sieht es jedoch nicht aus. Hans-Werner Sinn, der Präsident des Ifo-Instituts, schlägt gar vor, die Steuern zu senken, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Die Finanzierung sollte seiner Meinung nach durch weitere Verschuldung sichergestellt werden.

„Es wäre sinnvoll, die Steuern zu senken und das mit Schulden zu finanzieren, um die Konjunktur über das noch schwierige Jahr 2010 hinwegzuretten“, sagte Sinn im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin FOCUS-MONEY.[3]

Quelle:MMnews

Langfristig müsse der Bundeshaushalt zwar saniert werden, jedoch stehen jetzt Stimulanzien für die Konjunktur im Vordergrund. Daran dürfe nicht aus Sparzwang gegeizt werden. Das Stimulieren der Wirtschaft ist zwar teuer, davon schon jetzt Abstand zu nehmen, wäre nach Sinns Meinung jedoch ein Fehler, schließlich habe diese Politik die Wirtschaft vor dem Zusammenbruch bewahrt. Deshalb kostet sie die nachfolgenden Generationen auch nichts:

Es ist besser, die erben die Schulden als wieder einen Scherbenhaufen“, sagte Sinn zu FOCUS-MONEY.[3]

Quelle:MMnews

Seine Forderungen kurz und bündig zusammengefasst:

  • Mindestlöhne abschaffen um damit den Standort Deutschland attraktiver machen
  • Wachstum ankurbeln
  • weiter verschulden

Das ist also der sinnbefreite geistige Horizont des Präsidenten von einem der größten Wirtschaftsforschungsinstitute Deutschlands, das sich mit der Analyse der Wirtschaftspolitik befasst. Auf die Idee, dass ein grenzenloses Wachstum nicht die Antwort auf die Probleme sein kann, kommen solche Experten scheinbar nicht. Sinnvoll wäre es, über eine Neuordnung des Geldsystems zu diskutieren: Ein System, das den Geldumlauf nicht durch Zinsen sicher zu stellen versucht. Das grenzenlose Wachstum ist definitiv nicht die Lösung, sondern lediglich ein negativer Zwang, der durch das aktuelle Geldsystem hervorgerufen wird. Das Wachstum muss beendet werden und dazu ist eine Basis zu schaffen: Ein neues Geldsystem, das keine wachsende Verschuldung erzwingt.
Anstatt eine öffentliche Diskussion über die Probleme des Geldsystems anzustoßen, versuchen die Marionetten der Industrie die Menschen jedoch davon zu überzeugen, dass die negativen Auswirkungen eines Systems die Lösung seien. Frei nach dem Orwellschen Zitat: Krieg ist Frieden und Freiheit ist Sklaverei. Am Schluss werden die nachfolgenden Generationen nicht nur Schulden erben, wie es sich Sinn vorstellt, sondern auch in einem Scherbenhaufen stehen. Nun ja, Scherben bringen Glück – so sagt man zumindest.


Update (27.10.2009): Nicolas Hofer – Warum der Kapitalismus auch Profitismus heißen könnte


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