Verlierer im Zinssystem

Es gibt wohl kaum jemanden, der sich nicht freut, wenn sein Guthaben auf dem Bankkonto ohne eigenes Zutun gestiegen ist. Möglich ist dies durch die Zinsen, die das Guthaben wachsen lassen. So ist es nicht verwunderlich, dass ein Großteil derer, die Guthaben auf dem Konto haben glauben, zu den Gewinnern des Zinssystems zu gehören. Und diejenigen, die zwar kein Erspartes, aber auch keine Schulden haben, wähnen sich in der Sicherheit, zumindest nicht zu den Verlierern zu gehören. Doch ist das tatsächlich der Fall? Oder gehören möglicherweise doch nahezu alle Menschen zu den Verlierern, ohne es zu bemerken? Aber wer profitiert dann von diesem Zinssystem?
Prof. Bernd Senf erläutert die Zusammenhänge und Hintergründe diesbezüglich in dem Vortrag „Tiefere Ursachen der Weltfinanzkrise – Teil 1“ ab 01:41:00.[1] Der Vortrag dient als Grundlage für diesen Artikel, in dem der Sachverhalt noch einmal schriftlich aufgearbeitet werden soll. Die Grafiken sind vereinfacht und sollen in erster Linie die Zusammenhänge verdeutlichen.

Zunächst gehen wir davon aus, dass die Einkommen ungleichmäßig verteilt sind. Es gibt sowohl Menschen mit sehr niedrigem Einkommen, das kaum zum Leben reicht. Ebenso gibt es Menschen mit einem sehr hohem Einkommen, denen ein Leben in großem Luxus möglich ist. Dazwischen liegen die Menschen der Mittelschicht, deren Einkommen zu einem angenehmen Leben reicht.
Die Balken in der Grafik stehen jeweils für 10 Prozent der Bevölkerung. Die Farben geben die Einkommensklassen (rot – niedrig, gelb – mittel, grün – hoch) an. Demnach gehören 20 Prozent der Bevölkerung zu den Menschen mit niedrigem Einkommen, 60 Prozent zu den Menschen mit mittlerem Einkommen und 20 Prozent zu dem Menschen mit hohem Einkommen. Die Grafik zeigt einen idealisierten und vereinfachten Zustand. Zum einen ist es schwer, die Grenzen zu ziehen, zum anderen verschiebt sich die Einkommensverteilung immer mehr. Der Anteil der Bevölkerung mit einem mittleren Einkommen dürfte abnehmen, während immer mehr Menschen mit einem sehr geringen Einkommen auskommen müssen. Entsprechend sind auch keine konkreten Einkommensgrößen in der Grafik angegeben. Die Zahlen für das Jahr 2007 sind unter [2] zu finden. Ähnlich sieht es entsprechend mit den Geldvermögen aus.[3][4]

Einkommen und Zinsgewinn

Nun wird die Einkommenshöhe nicht mehr als Balken dargestellt, sondern als Linie:

Einkommen und Zinsgewinn


Einkommen und Zinsgewinn

In der nächsten Grafik sind neben dem Einkommen auch die Kosten für den Lebensunterhalt eingetragen. Menschen mit geringem Einkommen müssen fast das gesamte Einkommen für lebensnotwendige Dinge wie Nahrung oder Miete ausgeben, während Menschen mit einem höheren Einkommen nicht nur mehr Geld dafür ausgeben können (teurere Wohnung, besseres Essen, …), sondern auch noch Geld sparen können. Das ist die Differenz zwischen der schwarzen und der roten Linie. Personen, deren Einkommen nicht reicht, um Lebensunterhalt zu bestreiten, sind in der Vereinfachten Grafik nicht aufgeführt.

Einkommen und Zinsgewinn

Geht man nun davon aus, dass der Zinsanteil in den Preisen etwa 30 bis 40 Prozent beträgt, wird deutlich, dass ein nicht unerheblicher Teil der Ausgaben nicht dem Erwerb der Produkte selbst dient, sondern als Zinsdienst zu leisten ist. Inwiefern dieser von Helmut Creutz ermittelte Anteil korrekt ist, ist allerdings schwer abzuschätzen. Hier gibt es einige Diskussionen.[5][6][7][8]

Einkommen und Zinsgewinn

Den Ausgaben für das Begleichen von Zinsforderungen, stehen natürlich die Zinsgewinne gegenüber, die abhängig von der Höhe der gesparten Geldsumme sind. Menschen, deren Einkommen kaum reicht, um sich den Lebensunterhalt leisten zu können, haben keine Möglichkeit Geld zu sparen. Entsprechend haben sie keine Einnahmen durch Zinsgewinne. Menschen aus der Mittelschicht haben durchaus Zinseinkünfte, wenn auch nur sehr geringe. Menschen mit hohem Einkommen können hingegen viel Geld anlegen und werden entsprechend hohe Zinseinkünfte erzielen.

Einkommen und Zinsgewinn

Für einen großen Teil der Bevölkerung ist also die Zinslast höher als der Zinsgewinn. Diese Menschen gehören zu den Verlierern – und das sind nicht nur Menschen der unteren Einkommensschichten, sondern vor allem auch Menschen der Mittelschicht. Bei einigen halten sich Zinslast und Zinsgewinn die Waage und wenige Menschen mit sehr hohem Einkommen, haben höhere Zinsgewinne als Zinslasten.

Einkommen und Zinsgewinn

Ganz wenige Menschen haben so hohe Zinseinkommen, dass sie sogar ihren Lebensunterhalt weitgehend oder ganz von den Zinsgewinnen bestreiten können. Und bei noch weniger Menschen, bleibt allein von den Zinsgewinnen noch Geld zum sparen übrig.

Einkommen und Zinsgewinn

Zu bedenken ist, dass Geld nicht von den Bäumen fällt. Die Zinseinkünfte des einen müssen von anderen erwirtschaftet werden. Menschen, die von den Zinsen leben, leben auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung. Sie haben ein leistungsloses Einkommen. Ihnen fließt das Geld zu, ohne dass sie der Gemeinschaft eine Gegenleistung bringen, während andere hart arbeiten und kaum genug Geld zum leben haben.

Abschließend noch einmal die gesamte Grafik im Überblick:

Einkommen und Zinsgewinn


Weiterführende Artikel:
Homepoage von Prof. Bernd Senf
Die Problematik des Zinssystems


Literaturverzeichnis:
[1]
Tiefere Ursachen der Weltfinanzkrise - Teil 1; Bernd Senf, Prof.; http://www.dailymotion.com/video/x75y6c_prof-bernd-senf-tiefere-ursachen-de_news; 21.10.2008
[3]
Die Vermögensverteilung in Deutschland; http://www.crp-infotec.de/01deu/vermoegensverteilung.html
[4]
Nettovermögen der Privathaushalte; http://www.crp-infotec.de/10Grafs/01deu/finz/vermoegensverteilung.gif; 01.01.2008
[5]
30 Prozent Zinsen im Bier?; Helmut Creutz; http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/creutz/zinsen-im-bier.html
[7]
Statistiken und Berechnungen; http://www.systemfehler.de/creutz.htm
[8]
Das Freigeldsyndrom; Helmut Creutz; http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/creutz/renieder.htm

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