Tierschutzgesetz?

Im Roman „1984“ von George Orwell, der 1948 veröffentlicht wurde, führt das herrschende Regime aus politischen Gründen eine künstlich veränderte Sprache ein, mit dem Ziel, die Anzahl und das Bedeutungsspektrum der Wörter zu verringern, um die Kommunikation der Bevölkerung in enge, kontrollierte Bahnen zu lenken.[1]
Und auch das sogenannte „Doppeldenk“ ist von großer Bedeutung. Dabei wird die Fähigkeit bezeichnet, zwei einander widersprechende Denkweisen gleichzeitig als wahr zu akzeptieren.[2]

Aber nicht nur in der genannten Dystopie von Orwell findet man Neusprech und Doppeldenk, sondern auch im Alltag. So ist in den Mainstream-Medien zu lesen, dass der Bundestag ein neues Tierschutzgesetz verabschiedet. Das klingt so, als ginge es bei diesem Gesetz darum, die Tiere zu schützen. Tatsächlich schreibt das Gesetzt aber fest, in welchen Umfang Tiere durch Industrie und Versuchslabore genutzt und ausgenutzt werden dürfen und was dabei zu beachten ist. Der Schutz der Tiere spielt keine nennenswerte Rolle. Kastration von Ferkeln und das Brandmarken von Pferden ist nicht nur erlaubt, sondern es wird hierfür nicht einmal eine Betäubung gefordert.[3]
Geschützt werden nicht die Tiere, sondern die Industrie. Anstatt von einem „Tierschutzgesetz“ müsste man also eher von einem „Industrieschutzgesetz“ oder von einem „Gesetz zur Nutzung und Ausnutzung von Tieren“ sprechen.