Thorsten Polleit und sein Verständnis von Geld

Thorsten Polleit studierte von 1988 bis 1993 Wirtschaftswissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, wo er sich auch 1995 promovierte. Er war von 1997 bis 2000 für ABN AMRO in Frankfurt am Main, London und Amsterdam tätig. ABN AMRO ist eine niederländische Bank, die 1991 durch die Fusion der beiden Kreditinstitute ABN und AMRO entstand. Gemessen an der Bilanzsumme 2007 war sie die größte Bank in den Niederlanden sowie zwölftgrößte Bank der Welt, in mehr als 50 Ländern aktiv und rund 100.000 Mitarbeiter.[1] Ab März 1998 war er Chief German Economist von ABN AMRO Deutschland AG. Im Oktober 2000 wurde er bei Barclays Capital Chief German Economist.[2]
Thorsten Polleit ist ein Mann, der sich sehr viel mit Geld und dem Geldsystem beschäftigt haben dürfte. Dennoch fällt es ihm offensichtlich schwer, einfache Zusammenhänge zu erkennen. In einem Portal der WirtschaftsWoche behauptet er:[3]

Die Währungsgeschichte zeigt unmissverständlich: Die größte Gefahr für den Geldwert ist der Staat. Diese Gefahr ist besonders akut im staatlich beherrschten Papiergeldsystem, in dem die Geldmenge jederzeit in beliebiger Menge ausgeweitet werden kann. 1971 wurde das Eintauschrecht der Währungen in Gold aufgehoben, seither wird das Geld von den staatlichen Zentralbanken „aus dem Nichts“ per Kredit geschaffen – ohne dass dafür Ersparnisse zur Verfügung stehen.[3]

Quelle: WirtschaftsWoche

Seiner Aussage nach könnte man meinen, der Staat kann sich Geld in beliebiger Menge aus dem nichts erschaffen. Tatsächlich muss sich der Staat das Geld jedoch von den Banken leihen und dafür Zinsen bezahlen. Zum Bezahlen der Zinsen muss neues Geld aufgenommen werden, da dieses bei der Geldschöpfung seitens der Banken nicht entstanden ist. Auch hierfür werden wieder Zinsen fällig. So geht das immer weiter. Durch das Geldsystem ist der Staat also seinerseits gezwungen, sich immer weiter zu verschulden, er muss immer neue Kredite aufnehmen. Doch bei wem nimmt der Staat Geld auf? Bei staatlichen Zentralbanken? Werfen wir einen Blick in die USA, da dieses Problem hier besonders offensichtlich wird – die USA überschwemmt die Welt derzeit mit grünen Geldscheinen, bzw. digitale Daten auf virtuellen Konten, die auch als Dollar bezeichnet werden. Prinzipiell verhält es sich in Europa und anderen Teilen der Welt nicht anders.
Mit einem Kongressbeschluss von 23.12.1923 (die meisten Abgeordneten waren bereits im Weihnachtsurlaub) wurde das Federal Reserve System (FED), die privaten Zentralbanken der USA, geschaffen. Auch wenn der Wort federal auf ein staatliches System hindeutet, hat es damit wenig zu tun. Die wichtigsten Aktienbesitzer der Federal Reserve waren:[4]

  • Rothschild Banken aus London und Paris
  • Lazard Brothers Bank aus Paris
  • Israel Moses Seif Bank aus Italien
  • Warburg Bank aus Amsterdam und Hamburg
  • Lehmann Bank aus New York
  • Khun Loeb Bank aus New York
  • Rockefellers Chase Manhattan Bank aus New York
  • Goldman Sachs Bank aus New York
Mit der Gründung der FED verlor der Staat sein Monopol auf das Geldsystem. Präsident Kennedy versuchte dem US-Kongress die selbstverständliche Macht zurückgeben, das Staatsgeld in eigener Regie zu drucken. Dazu unterzeichnete am 4. Juni 1963 ein präsidiales Dokument und zwar die „executive order number 11110“, mit dem er das frühere Dokument „executive order Number 10289“ außer Kraft setzen wollte. Kurz darauf kreuzte er den Weg einer umherfliegenden Kugel.[5]Sein Nachfolger, Lyndon B. Johnson, stellte die neue Banknotenproduktion sofort wieder ein.[6] Die Kontrolle über das Geld liegt in den USA seit 1913 nach wie vor in den Händen privater Banken. Auch die Zentralbank in Europa ist kein staatliches Unternehmen. Von einem staatlich beherrschten Papiergeldsystem, wie Thorsten Polleit es nennt, kann also kaum die Rede sein.
Weiter sagt der Ökonom:

Die Rückkehr zu „gutem Geld“ ist daher das Gebot der Stunde: Geld, dessen Produktion im Einklang mit dem freien Markt steht. Geld, das im Wettbewerb angeboten und nachgefragt wird. Friedrich August von Hayek (1899–1992) zeigte überzeugend, dass der „Wettbewerb der Währungen“ Geld in -einer Qualität schafft, die der Staat niemals erreichen kann. In einem Marktgeldsystem wird nicht etwa vorgegeben, was Geld ist, sondern die Menschen können das Geld frei wählen. Vermutlich würden Edelmetalle – allen voran Gold und Silber – die Geldfunktion übernehmen. Sogar ein frei gewählter Goldstandard könnte entstehen.[3]

Quelle: WirtschaftsWoche

Nun bezeichnet der Wirtschaftswissenschaftler auch noch, „gutes Geld“ erreiche man durch einen Goldstandard. Gewagte These. Bindet man das Geld an Edelmetalle wie Gold, kann die Geldmenge nicht den Bedürfnissen der Wirtschaft angepasst werden. Darüber hinaus kann das Geld nach wie vor gehortet werden. Einen Wertverlust gibt es nicht. Um das Geld in Umlauf zu halten, müssen Zinsen für den Verleih gezahlt werden. Ansonsten haben Vermögensbesitzer keinen Grund, nicht verwendetes Geld dem Kreislauf wieder zuzuführen. Es kommt wieder zur Verschuldungsspirale und die Probleme sind nicht gelöst.


Literaturverzeichnis:
[3]
Braucht das Währungssystem einen Goldanker? ; http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/braucht-das-waehrungssystem-einen-goldanker-419909/; 26.01.2010
[4]
US Federal Reserve - das Ende der Freiheit; http://www.umweltbrief.de/neu/html/archiv/FederalReserve.txt; 07.2003
[5]
Die Geldmacht der USA in den Händen eines Privatunternehmens; http://www.wahrheitssuche.org/fed.html
[6]
Das FED-Kartell; D. Sordon; http://www.krisenfrei.de/Sordon_DasFED-Kartell.pdf; 29.08.2009