Gott hat hohe Nebenkosten

Gott hat hohe Nebenkosten
Die weltlichen Vertreter der christlichen Religion nehmen die Regeln Gottes nicht immer so ernst. Auch wenn in der Bibel ausdrücklich von einem Zinsverbot die Rede ist, beteiligen sich die großen Kirchen an zinsbasierten Finanzgeschäften. Der Vatikan hat gar eine eigene Bank gegründet. Martin Luther soll gesagt haben „fürwahr muß der Zins eine Figur und Anzeichen sein, daß die Welt dem Teufel verkauft ist“.
Dass durch Zins und Zinseszins ein exponentielles Wachstum der Geldmenge erzwungen wird, das nur durch immer höhere Verschuldung erreicht werden kann, interessiert die Vertreter Gottes offensichtlich nicht. Dass durch den Zins sehr viele fleißige Menschen immer ärmer werden, während wenige Menschen ohne etwas zu leisten unvorstellbar reich werden, ist den Verantwortlichen ebenfalls gleichgültig. Genau genommen profitieren die Kirchen sogar von diesem wahrlich teuflischen Zins. Im Laufe der Geschichte haben die Kirchen große Besitztümer und auch finanzielle Reichtümer angehäuft. Somit gehören die Kirchen zu den wenigen Gewinnern dieses perfiden Systems – gleich in meherfacher Hinsicht. Durch Zins und Zinseszins werden sie nun immer reicher, ohne dafür eine Gegenleistung bringen zu müssen. In dem Maße, in dem das Vermögen der Kirchen durch die Arbeit anderer gemehrt wird, gewinnen sie an Macht. Zugleich geht es vielen Menschen immer schlechter. So manch einer wird sein Heil im Glauben suchen, wenn er nicht mehr weiß, wie er den Tag überstehen soll. Das bringt der Kirche neue Mitglieder und gleicht ein wenig den Verlust aus, den die Kirchen aufgrund der Aufklärung durch die Wissenschaft und die neue Medien zu beklagen haben.
Von den Kirchen ist also nicht zu erwarten, dass sie ihre eigenen Regeln konsequent einhalten und ihren Einfluss nutzen um beispielsweise über die fatalen Folgen des Zinses aufzuklären. Von den Menschen, die für die Kirche arbeiten, erwarten die Institute aber, dass die „Gebote Gottes“ absolut kompromisslos befolgt werden. So dürfen Menschen, die nicht den „richtigen“ Glauben haben oder sich vom Ehepartner scheiden ließen, beispielsweise nicht als Kindergärtner/in oder Lehrer/in in einer kirchlicheen Einrichtung arbeiten. Wenn ein Pfarrer einer katholischen Kirche dieser Religion angehören muss, dann ist das durchaus verständlich. Warum aber eine Krankenschwester in einer katholischen Klinik nicht evangelisch getauft sein darf, oder der Mathematiklehrer einer katholischen Grundschule kein Atheist sein darf, ist mehr als fragwürdig. Die Kirchen reglementieren das Privatleben der Mitarbeiter enorm. Andere Arbeitgeber würden mit diesem Verhalten gegen einige Regeln des Arbeitsrechts verstoßen. Die Kirchen dürfen jedoch die alllgemeinen Gesetze in weiten Teilen ignorieren und nach eigenen Regeln handeln.
Nun wird gesagt, dass jeder das Recht hat, seine Kinder in einen weltlichen Kindergarten zu schicken oder ein nicht-kirchliches Krankenhaus aufzusuchen. Das ist aber garnicht so einfach, wenn man in einer Gegend lebt, in der es nicht genügend von der Religion unabhängige Einrichtungen gibt. Darüber hinaus werden viele kirchlichen Einrichtungen mitunter zu einhundert Prozent über den Staat durch die Allgemeinheit finanziert. Dieses Geld fehlt natürlich beim Aufbau weltlicher Kinderkärten, Schulen, Pflegeheimen und Krankenhäuser.
Das Buch „Gott hat hohe Nebenkosten“ gibt einen spannenden Einblick in die Welt der Kirche hinter der göttlichen Fassade und erzählt die Geschichte der Leiterin eines von der Allgemeinheit bezahlten kirchlichen Kindergartens, die ihren Arbeitsplatz verlieren soll, nachdem ihre Ehe zerbrach und sie sich neu verliebte.

Titel: Gott hat hohe Nebenkosten
Untertitel: Katholische Putzhilfe gesucht
Autor: Eva Müller
Seiten: 190
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Veröffentlichung: 07.01.2013
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3-462-04485-0
Preis: 14,99 Euro