Steuermoral am Pranger

Die Dreistigkeit der elitären Herrschaften kennt offensichtlich keine Grenzen. So hat die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, jüngst in einem Interview mit der britischen Zeitung „Guardian“ die mangelnde Steuermoral der Griechen angeprangert: „Ich finde, sie sollten sich alle zusammen selber helfen, indem sie ihre Steuern zahlen.“[1]
Soetwas ist leicht gesagt, wenn man 46.000 Dollar im Monat überwiesen bekommt, wie es bei Frau Lagarde der Fall ist. Wenn man aber kaum genug zum Leben hat, dann wird man um jeden Cent kämpfen (müssen). Wer über eine halbe Millionen Dollar im Jahr erhält, der kann ohne Probleme auch größere Mengen an Steuern bezahlen und es bleibt immer noch genug Geld übrig, um bei den heutigen Preisen gut Essen zu gehen. Um so verwerflicher ist es, dass die IWF-Chefin selbst keine größeren Mengen an Steuern bezahlt. Nicht einmal kleinere Mengen. Sie bezahlt überhaupt keine Steuern auf ihr Gehalt, obwohl sie es sehr viel besser verschmerzen könnte, als die Menschen, die sie kritisiert. Nun muss sie aufgrund der Gesetzeslage keine Steuern bezahlen, so dass sie völlig legal handelt, während andere, die keine Steuern bezahlen dies oftmals illegal tun. Es besteht also durchaus ein Unterschied, zumindest aus juristischer Sicht. Aus moralischer Sicht, kann ich aber keinen Unterschied erkennen.

Die Steuerbefreiung (die vermutlich nicht durch die betroffenen Völker auf demokratischem Wege legitimiert sein dürfte) wird laut der Basler Zeitung damit begründet, dass sich nur so Spitzenkräfte aus der Wirtschaft anlocken ließen. Als Spitzenkraft aus der Wirtschaft und Führungskraft einer solchen Finanzeinrichtung wie dem IWF, müsste sie eigentlich die Funktionsweise dieses Finanzsystems verstanden haben und genau wissen, dass durch eine bessere Steuermoral die Probleme lediglich in die nahe Zukunft verschoben werden. Schließlich müssen aufgrund der Zinseszinsen jedes Jahr mehr Steuern bezahlt werden, um das System am Laufen zu halten. Daraus lässt sich schließen, dass selbst bei der besten Steuermoral irgendwann 100 Prozent des Einkommens als Steuern abgeführt werden müssen und auch das würde bald nicht mehr genügen.
Anstatt also die Steuermoral anderer herzuziehen, während sie selbst von den Steuern befreit ist, sollte sie lieber über das Geldsystem aufklären. Oder weiß sie etwa überhaupt nicht um die Brisanz der Zinssysteme? Dann aber stellt sich die Frage, wie man jemanden, der selbst die Grundlagen seines Fachgebietes nicht verstanden hat, als „Spitzenkraft“ ansehen kann …


Literaturverzeichnis:
[1]
Griechen-Kritikerin Lagarde gerät selber unter Beschuss; http://bazonline.ch/ausland/europa/GriechenKritikerin-Lagarde-geraet-selber-unter-Beschuss/story/14781138; 30.05.2012