Schulden über Schulden

Wenn sie sich von einer Bank ihres Vertrauens 100 Euro zu einem Zinssatz von 10 Prozent leihen und mit dem Geld nichts weiter machen, als es unter das Kopfkissen zu legen, müssen Sie nach einem Jahr 10 Euro davon an die Bank zurückgeben. Das sind die Zinsen für dieses Jahr. Dann haben sie noch 90 Euro. Nach einem weiteren Jahr sind wieder 10 Euro Zinsen fällig und unter ihrem Kopfkissen liegen noch 80 Euro. Nach zehn Jahren haben sie bereits 100 Euro nur für Zinsen – also das ganze Vermögen unter dem Kopfkissen – an die Bank gezahlt. Sie haben allerdings nach wie vor nicht den eigentlichen Kredit beglichen. Das heißt, sie stehen immer noch mit 100 Euro bei der Bank in der Kreide.
Merken Sie das Problem? Sie müssen mehr Geld zurückbezahlen, als die Banken Ihnen durch den Kredit zur Verfügung gestellt haben. Nun könnte man zu dem Schluss kommen, dass man das zusätzliche Geld durch Arbeit verdienen und so seine Schulden vollständig begleichen kann. Das Geld fehlt dann allerdings einer anderen Person, die ebenfalls früher oder später ihre Schulden zurückzahlen muss. Das Problem wurde also lediglich verschoben. Auch im Gesamtsystem muss mehr Geld an die Banken zurückgezahlt werden, als sie in Form von Krediten vergeben haben. Dieses zusätzliche Geld kann nur entstehen, wenn weitere Kredite aufgenommen werden.
Damit Sie also auch weiterhin die Zinsen für die geliehenen 100 Euro begleichen können, müssen Sie erneut Geld leihen. Sagen wir, noch einmal 100 Euro. Dann müssen Sie jedoch schon für 200 Euro Zinsen bezahlen, also 20 Euro pro Jahr. Ihr neuer Kredit ist also schon nach fünf Jahren aufgebraucht und ein weiterer wird fällig.
Wie lange mag das wohl gutgehen? Denken Sie einmal darüber nach …

Kapitalismus per Kettenbrief

Die Konsequenz des Schuldenkapitalismus ist, dass er gefräßig ist. Das liegt am Zins. In jeder neuen Periode müssen die Schulden, aus denen das Geld entstanden ist, zumindest mit Zinsen bedient werden. Sie müssen erwirtschaftet werden. Aber bevor sie erwirtschaftet werden, müssen sie erst in Form von Geld in den Kreislauf gelangen. Wie kommt zusätzliches Geld in den Kreislauf? Richtig, nur durch neue Schulden. Das ist der Kern des Kapitalismus, das macht seine Dynamik aus. Es ist ein System, das auf Optimismus fußt, das zum Wachstum verdammt ist. Unternehmen verschulden sich, um zu investieren, sie schaffen Mehrwert, erzielen Gewinn – aber nur, wenn sich neue Schuldner finden, die ihrerseits wieder das Risiko des Scheiterns auf sich nehmen.[1]

Quelle: Zeit Online


Update 04.04.2010:

In den Kommentaren wird kritisiert, dass mein Modell zu stark vereinfacht und fehlerhaft ist und damit keine Rückschlüsse auf die Realität zulässt. Aus diesem Grund möchte ich ein ganz reales Beispiel anführen, das vermutlich jede einzelne Person in diesem Land betrifft. Tag für Tag, jeden Augenblick.

Von diesem fehlerhaften Modell dann Rückschlüsse auf die Wirklichkeit zu ziehen ist dann falsch.

Du fragst, wie lange das wohl gut gehen mag. Ich schätze, in dem Modell nur wenige Jahre, im besten Falle ein, zwei Jahrzehnte. Doch gibt es Geld, Geldverleih und Zinsen schon Jahrtausende. Allein das ist ein sehr guter Hinweis darauf, dass das Modell fehlerhaft bzw. unvollständig ist.

Dein im Blogposting genanntes Modell ist zu verzerrt um Rückschlüsse auf die Realität zu ziehen. Deine Zinskritik daher unbegründet.

Betrachten wir die Staatsverschuldung in Deutschland. In den meisten anderen Ländern sieht es sehr ähnlich aus.

Balkendiagramm des Verlaufs der Staatsverschuldung in Deutschland für den Zeitraum 1960 bis 2007
Balkendiagramm des Verlaufs der Staatsverschuldung in Deutschland für den Zeitraum 1960 bis 2007[2]

Es gibt kein Jahr, in dem die Höhe der Schulden unter denen eines Vorjahres war. Jahr für Jahr stieg die Verschuldung in präziser Regelmäßigkeit an. Ebenso regelmäßig verkünden Politiker, Wissenschaftler und Wirtschaftler, dass es zwingend notwendig ist, die Verschuldung zu reduzieren, um einen Kollaps zu vermeiden. Einige Beispiele:

  • Der „Pakt für Stabilität und Wachstum“ wurde Ende 1996 auf Drängen der Regierung Kohl zwischen den Ländern der künftigen Euro-Zone abgeschlossen um die Neuverschuldung der Mitgliedstaaten zu begrenzen. Er soll die im Maastricht-Vertrag von 1992 festgelegten Teilnahmebedingungen am Euro, wie niedrige Inflation und ausgeglichene Staatsfinanzen dauerhaft absichern und so einen einen stabilen Euro gewährleisten.[3][4][5]

  • Die Deutsche Handwerkszeitung titelt EU-Finanzminister wollen Staatsverschuldung eindämmen und weist darauf hin, dass die Verschuldung weit über dem Maastrichter Referenzwert von 3% des Brutto-Inlands-Produkts (BIP) liegt.[6]

  • Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg erläutert, dass die Bundesrepublik Deutschland stark verschuldet ist. Mit der Wirtschaftskrise verschärfte sich die Situation weiter. Ein Kollaps des Finanz- und Wirtschaftswesens (!) konnte die Bundesregierung 2008/2009 nur noch mit zwei Konjunkturpakte in Milliardenhöhe abwenden. Die Staatsschulden sind in Folge der Rettungsmaßnahmen noch einmal stark gestiegen. Bund und Länder haben nun die Notwendigkeit einer Schuldenbremse erkannt, die in das Grundgesetz aufzunehmen ist.[7]

  • Das Bundesfinanzministerium bezeichnete im Februar 2009 die Einführung der sogenannten Schuldenbremse als eine historische Entscheidung. Nach dem Glossar des Webauftritts des Bundesfinanzministeriums sieht die Schuldenbremse vor, dass die Haushalte von Bund und Ländern in Zukunft grundsätzlich ohne Einnahmen aus Krediten auskommen. Diese Regelung wurde im Grundgesetz verankert.[8]

  • Die Junge Union sprach bereits 2006 in einer Pressemitteilung von einem Entschuldungspakt. Das bloßen Erfüllen der Verschuldungskriterien des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspaktes oder der Gewähr verfassungsgemäßer Haushalte reiche nach Meinung der Partei nicht aus.[9]

  • Auch von Seite der Wirtschaft gibt es Forderungen zum Abbau der Staatsverschuldung: IHK Hannover fordert klare Signale zum Abbau der Staatsverschuldung. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover vermisst laut einem Bericht der Schaumburger Nachrichten eine klare Aussagen der Politiker, wie die Verschuldung des Staates wieder verringert werden soll. Dem schlossen sich der Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Otmar Issing an und wiesen auf die Notwendigkeit einer soliden Haushaltspolitik hin. Laut Issing ist eine zentrale Aufgabe, einen „glaubwürdigen Ausstieg“ aus den hohen Staatsdefiziten zu finden. [Anm.: Auch eine Lüge kann glaubwürdig sein.] Wulff ist der Ansicht dass man „weg von der Krisenbekämpfung mittels Verschuldung und wieder zu einer soliden Haushaltspolitik kommen“ muss.[10]

  • In einem Chat (vor über 10 Jahren) wird Angela Merkel gefragt, ob die Schulden des Bundeshaushaltes jemals zurückgezahlt werden sollen:[11]
    uschi: Frau Merkel, sollen die Schulden des Bundeshaushaltes eigentlich jemals zurückgezahlt werden?
    [..]
    AngelaMerkel: Ja, aber das wird ein langer Prozess. Erst einmal geht es darum, nicht jedes Jahr noch weitere Schulden dazu zu machen. So ist es leider heute noch. Deshalb unterstützen wir im Prinzip den Sparkurs von Eichel. Aber: sparen muß man richtig machen.

Es herrscht also tatsächlich Einigkeit, dass die Schulden zu Problemen führen und dringend abgebaut werden müssen. Und hier sind wir wieder bei dem Problem, welches durch mein Gedankenexperiment verdeutlicht werden sollte. Die Reduzierung der Schulden ist bislang nicht gelungen. Ganz im Gegenteil, es gab immer wieder neue Gründe, warum die Verschuldung erst noch einmal erhöht werden muss, bevor sie irgendwann in der Zukunft reduziert werden kann. Ein kleinerer Schritt wäre es, die Schulden nicht zu reduzieren, sondern erst einmal dafür zu sorgen, dass die Staatsverschuldung im nächsten Jahr identisch mit der Verschuldung in diesem Jahr ist. Dazu dürfen zum einen keine neuen Kredite aufgenommen werden und zum anderen müssen die anfallenden Zinsen gezahlt werden, da die Verschuldung durch Zins und Zinseszins automatisch wachsen würde.
Jede Sekunde sind derzeit laut Bund der Steuerzahler Deutschland e.V. etwa 2000 Euro nur für Zinszahlungen aufzubringen.[12] Nimmt der Staat keine weiteren Schulden auf, entfällt die Möglichkeit der Umschuldung. Das heißt, die Zinsen müssen vom vorhandenen Geldvermögen gezahlt werden, welches sich entsprechend reduziert.

2000,00 Euro*60 Sekunden*60 Minuten*24 Stunden*365 Tage
= 6,3072e10 Euro/Jahr
= 63.072.000.000,00 Euro/Jahr

Jedes Jahr sind also 63 Milliarden Euro für Zinsen zu entrichten, folglich schrumpft das vorhandene Geldvermögen um diesen Betrag. Da nur die Zinsen bezahlt wurden und somit noch keine Schulden getilgt wurden, bleibt die Staatsverschuldung gleich hoch. Derzeit liegen sie bei rund 1.700 Milliarden Euro. Also sind auch im nächsten Jahr wieder 63 Milliarden Euro Zinsen zu bezahlen und im Jahr darauf und so weiter …
Naheliegenderweise ist irgendwann das gesamte vorhandene Geldvermögen aufgebraucht. Die Schulden bestehen aber dennoch. Würde der Staat nicht nur die Zinsen bezahlen, sondern auch noch einen Teil der Schulden wäre wenig gewonnen. Am Schluss bestünde immer noch eine Verschuldung größer Null (wenn auch nicht mehr 1.700 Milliarden Euro) und es wäre kein Geldvermögen mehr vorhanden, um die restlichen Schulden zu tilgen. Werden neben der Zinszahlung noch Schuldentilgungen vorgenommen, reduziert sich die vorhandene Geldmenge noch schneller.
Wenn einem gleichbleibenden Warenangebot eine reduzierte Geldmenge gegenübersteht, kommt es zu einer Deflation. Die Preise (und natürlich die Einkommen) sinken immer weiter. Eine Deflation ist für die Wirtschaft eine Katastrophe. Wenn der Kunde weiß, dass er ein Produkt in kurzer Zeit wesentlich billiger bekommt, wird er den Kauf aufschieben. Die Wirtschaft kommt mehr oder weniger zum Erliegen.

Der Staat muss sich also ständig weiter verschulden. Selbst ein ausgeglichener Haushalt, also lediglich keine Neuverschuldung, hätte eine Deflation und auf längere Sicht einen Zusammenbruch der Wirtschaft zur Folge. Strebt der Staat – wie immer wieder gefordert – nicht nur einen ausgeglichenen Haushalt an, sondern möchte die Verschuldung sogar reduzieren, verschärft die Situation. Die Verfügbare Geldmenge sinkt noch schneller.

Die Menschen im Land müssen ganz real arbeiten, um die Zinsen bezahlen zu können, die fällig werden, damit ihnen Geld zum einfachen Warenaustausch zur Verfügung gestellt wird. Gleichzeitig muss die Verschuldung immer weiter wachsen. Entsprechend wächst auch die Belastung durch Zinsen für die arbeitende Bevölkerung. Immer mehr Arbeitszeit dient nicht dem eigenen Wohl oder dem Wohl der Gesellschaft, sondern der Tilgung der Zinsverpflichtungen. Wie lange mag das noch gut gehen? Wie viele Rettungspakete sind noch möglich? Schließlich schaffen auch Rettungspakete nur kurzfristig Abhilfe. Auf lange Sicht verschärfen sie die Situation sogar und erzwingen noch größere Rettungsmaßnahmen!


Weiterführende Informationen:
Der Löschschaden ist größer als der Brandschaden
Es droht ein Schulden-Tsunami


Literaturverzeichnis:
[1]
Kapitalismus per Kettenbrief; Robert von Heusinger; http://www.zeit.de/2003/45/GS-Heusinger; 30.10.2003
[2]
Balkendiagramm des Verlaufs der Staatsverschuldung in Deutschland für den Zeitraum 1960 bis 2007; http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Staatsverschuldung4.png&filetimestamp=20090501005016; 01.05.2009
[4]
Der neue Stabilitäts– und Wachstumspakt und die deutsche Staatsverschuldung; Karl Heinz Hausner; http://www.springerlink.com/content/l6248t67323533uw/; 09.06.2005
[6]
EU-Finanzminister wollen Staatsverschuldung eindämmen; Hajo Friedrich ; http://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/beitrag/Artikel-EU-Finanzminister-wollen-Staatsverschuldung-eindaemmen_3980014.html; 07.08.2009
[9]
Staatsverschuldung abbauen - Entschuldungspakt begründen!; http://www.junge-union.de/content/presse/mitteilungen/620; 29.03.2006
[10]
IHK Hannover fordert klare Signale zum Abbau der Staatsverschuldung; Dirk Stelzl; http://www.sn-online.de/Nachrichten/Wirtschaft/Deutschland-Weltweit/IHK-Hannover-fordert-klare-Signale-zum-Abbau-der-Staatsverschuldung; 11.01.2010

9 Antworten auf „Schulden über Schulden“

  1. Zu deiner Zinskritik werde ich nichts mehr schreiben, weitere Ausführungen würden auch nicht dazu führen, dass du meine Kritik akzeptierst. Ich habe dazu schon genug aufgeführt.

    Randbemerkung zum exponentiellen Wachstum: Wenn dich dazu ein anderer Standpunkt interessiert, dann suche mal nach Ray Kurzweil „The Singularity is near“.

    Was an der bisherigen Diskussion für mich noch wichtig war, war der Hinweis auf die Methoden alles mögliche anscheinend beweisen zu können im Rahmen von Verschwörungstheorien. Und ins besondere eine Sensibilisierung ob so was vielleicht auch von deinen Quellen genutzt wird um zu manipulieren. Darauf bist du bisher kaum eingegangen.

    Ich will mir mal eine Quelle anschauen die auch schon genannt wurde: Du hast ein Video von Jo Conrad in deinem Blog eingebunden „Fürchte Dich nicht“.

    Hier ein paar Fakten die du vielleicht noch nicht kennst (Getreu dem „Wer einmal lügt“-Ansatz, der übrigens auf Personen besser passt als auf Staaten):

    * In seinem Freigeist Forum darf man gerne über alle Verschwörungen diskutieren, aber wenn man zB zu viel gegen Verschwörungen argumentiert und Beweise vorlegt fliegt man. Auch Hinweise auf das Kritische Wiki EsoWatch sind verboten. Zensur bei denen, die kritisch denken und nur die Wahrheit finden wollen, passt das?

    * „In seinem Werk Entwirrungen sieht Conrad eine geheime Weltregierung an der Macht, bei der so genannte Dracos (reptiloide Außerirdische) und Reptos (reptiloide Unterirdische) am Werke seien.“ -EsoWatch

    * In seinen Büchern findet sich Antisemitismus (passt auch gut zu Zinskritik) „negativer Einfluss von Juden auf ihre Wirtsländer“, Entwirrungen, Seite 60

    * Wie fast jeder Antisemit bezieht auch er sich auf die „Protokolle der Weisen von Zion“.

    * Auch bezieht er sich positiv auf Texte in denen der Holocaust geleugnet wird.

    * Als Inspiration für sich lobte (und legt jedem ans Herz) die Werke von „Jan van Helsing“ – nachzulesen in einem Interview einer Nazi Zeitschrift. Falls dir der Name „Jan van Helsing“ nichts sagt: übelste Neonazi Literatur in der den Juden u.a. vorgeworfen wird den 2. Weltkrieg begonnen zu haben.

    * Jo war auch beim „Fürstentum Germania“ mit dabei, schlag das mal nach.

    * Er finanziert sich über seine Bücher (in rechten Kreisen sehr beliebt) und kommerzielle Videoplattformen. Kurz: Er lebt davon, dass ihm viele seine Geschichten glauben (vielleicht ein Grund für die Zensur in seinem Forum).

    Ist so jemand eine seriöse Quelle für dich? Jemand der seine rechte Ideologie verbreiten und damit Geld machen will?

    Lesenswert:
    http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Jo_Conrad
    http://www.hamburg.de/contentblob/102176/data/brennpunkt-esoterik.pdf
    http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=F%C3%BCrstentum_Germania

  2. @Jan

    Ohne jeden zweiten Satz einzeln zu kommentieren will ich meine Antwort mal so zusammenfassen:

    1.
    Du hast anscheinend noch nicht ganz verstanden, was ich an deinem Ausgangs-Zins-Modell kritisiert habe. Ich habe versucht dir klar zu machen (und zwischenzeitlich sah es so aus, als hättest du es verstanden), dass dieses Modell keinerlei Bezug zur Realität hat und daher auch keinerlei Rückschlüsse zulässt.

    Nochmal: Es handelt sich bei deinem Text nicht um einen Beweis der Bösartigkeit von Zinsen.

    2.
    Ich habe kurz einige der typischen Muster in Verschwörungstheorien und in fehlerhaften Untermauerungen (zT politisch motivierter) Weltbilder skizziert. Alles Muster und Argumentationsansätze mit denen zT Haarsträubende Dinge „bewiesen“ werden sollen – was, insofern man die Fehler in den Argumentationsketten nicht erkennt, auch klappt. Nochmal: bewiesen wird _nichts_ aber es wirkt auf den ersten Blick plausibel.

    Nun aber argumentierst schon du nach genau dem gleichen Muster, selbst einer der Standartsprüche von Verschwörungstheoretikern („Wer einmal lügt…“) fällt… Wenn du noch weiter auf diesem Pfad wandeln willst, willst du dir bestimmt auch „Cui bono?“ aneignen. Zu deutsch „Wem nützt das?“. Bei Verschwörungstheorien ist nach dem Prinzip immer der größte Nutznießer eines Ereignisses der Verursacher. Somit war das Aussterben der Dinosaurier eine Verschwörung der Säugetiere. Alternative Erklärungen werden regelmäßig erfunden, sind aber alle letztendlich nicht haltbar. Erfunden werden die von: Menschlichen Wissenschaftlern – Säugetieren. Na das passt ja! Und auch die hat man schon lügen sehen…

    3.
    Nein, auch wenn es mich zumindest bei einer Frage reizt zu antworten, ich werde es nicht tun. Warum auch? Verschwörungstheoretiker versuchen es gerne mit der Beweisumkehr („Beweis DU mir, dass die Mondlandung nicht in Area51 gefälscht wurde“). Mit den Gegenfragen ist es das gleiche. DU willst doch zeigen, dass durch Zinsen die Wirtschaft unweigerlich binnen kurzer Zeit zusammenbricht. Warum soll ICH Fragen beantworten? Und wenn ich es täte: Irgendeine Aussage verleitet zu weiteren Diskussionen und Rückfragen. Die Diskussion würde immer weiter abdriften ohne Ergebnis, bis einer keine Lust mehr hat. Oder bis einer anfängt die Beiträge des anderen zu zensieren oder den Gesprächsteilnehmer raus wirft aus dem Forum – Verschörungstheoretiker zensieren gerne, das habe ich schon in diversen Foren gesehen.

    [ Randbemerkung: Eins dieser Foren betreibt eine Person, die du in deinem Blog mit einem Video zitiert hast… ]

    Ich glaube nicht, das du schon so weit bist wie diese Leute, aber mal bei deinen Quellen auf diese Muster – angenommen hast du ja schon ein paar.

    1. > Ich habe versucht dir klar zu machen [..], dass dieses Modell keinerlei Bezug zur Realität hat

      In der Realität muss ich, wenn ich einen Kredit aufnehme, einen höheren Betrag zurückzahlen. Dieses zusätzliche Geld muss irgendwoher kommen. In dem Artikel sage ich, dass ein größerer Betrag zurück gezahlt werden muss, als bei der Kreditvergabe geschaffen wurde. Ich sehe da schon einen Bezug zwischen Modell und Realität.

      > Nochmal: Es handelt sich bei deinem Text nicht um einen Beweis der Bösartigkeit von Zinsen.

      Von einem Beweis ist auch nicht die Rede. Ansonsten würde es sich anbieten, den Text mit „q.e.d.“ abzuschließen. Meine Modelle müssen in vielen Bereichen gewiss noch weiterentwickelt, verbessert und angepasst werden. Das sind Gedanken, die versuchen, die Wirklichkeit so gut wie möglich zu beschreiben. Den Prozess des Erkennens der Wirklichkeit könnte man als unbegrenzten, rekursiven Errechnungsprozess auffassen. Dabei werden aktuelle Erfahrungen an früheren Erfahrungen gemessen. Erkenntnis wird mittels Erkenntnis korrigiert; wobei bereits die Wahrnehmung subjektiv ist und von Erfahrungen, dem Wissensstand und Gefühlen abhängt und somit fehlerbehaftet ist. (Siehe auch Lenke/Lutz/Sprenger; Grundlagen sprachlicher Kommunikation)

      > Nun aber argumentierst schon du nach genau dem gleichen Muster, selbst einer der Standartsprüche von Verschwörungstheoretikern („Wer einmal lügt…“) fällt…

      Nun ja, dass einem Lügner irgendwann nicht mehr geglaubt wird, bekommt man schon als kleines Kind gesagt. Das hat mit Verschwörungstheorien wenig zu tun. Jemand, der ohne Not im Meer immer wieder in die Rettungspfeife bläst wird irgendwann nicht mehr beachtet, auch wenn er dann einmal in Not sein sollte. In gewisser weise ist dies auch ein Lügen, da er eine Gefahr suggeriert, die nicht besteht. Ist es wirklich so abwegig, dass man jemandem, der einen angelogen hat, vorsichtiger gegenüber wird und seine Aussagen noch kritischer hinterfragt?

      > Bei Verschwörungstheorien ist nach dem Prinzip immer der größte Nutznießer eines Ereignisses der Verursacher.

      Derjenige mit dem größten Nutzen hat ein Motiv. Er ist nicht zwangsläufig der Verursacher. Für ein Motiv wird man noch nicht eingesperrt. Hat man jedoch ein Motiv, kommt man naheliegenderweise in den Kreis der Verdächtigen.

      > DU willst doch zeigen, dass durch Zinsen die Wirtschaft unweigerlich binnen kurzer Zeit zusammenbricht.

      Ein paar Jahrzehnte dauert der Prozess schon und er kann mittels verschiedener Aktionen noch weiter verlängert werden. Das ist auch einer der Punkte, bei denen ich mich verschätzt hatte: Ich habe nicht damit gerechnet, dass es möglich ist, milliardenschwere Rettungspakete in einem Umfang aus dem Ärmel zu schütteln, wie es dann der Fall war. Diese Eingriffe geben dem System eine weitere Schonfrist, der Absturz wird dann vermutlich aber um so schlimmer.
      Schau dir einfach einmal die Staatsverschuldung an. Auch in Deutschland sind die Schulden Jahr für Jahr höher als im Vorjahr (http://hiceshice.de/?p=43). Und Jahr für Jahr wird vom Abbau der Schulden geredet. Geschehen ist bislang nichts. Wie viel Geld, das die Menschen im Land erarbeiten, soll noch für Zinsen abgegeben werden müssen? Wenn der Zinsanteil mit wachsenden Schulden immer weiter steigt, bleibt bei gleicher Arbeitsleistung zum Leben immer weniger übrig. Und die Schulden steigen – den Statistiken nach – exponentiell. Um den Lebensstand zu halten, müssen die wachsenden Zinslasten durch Mehrarbeit ausgeglichen werden. Dies geht zu Lasten der Umwelt und der Gesundheit der Menschen. Das ist doch irrsinnig und früher oder später nicht mehr zu bewerkstelligen. Spätestens dann bricht das System zusammen.
      Es gibt Wirtschaftsmodelle, die ein grenzenloses Wachstum als gegeben hinnehmen. Die Bundeskanzlerin scheint sich auf solche Modelle zu berufen. Diese Modelle sind gewiss in sich schlüssig und die Probleme, die ich erwarte, tauchen darin nicht auf. Denn so lange der Faktor Wachstum gegeben ist – was eine Grundannahme dieser Modelle ist – gibt es keine Probleme. Da ich selbst jedoch den begründeten Verdacht habe, dass Menschen nicht in nahezu unendlich kurzer Zeit nahezu unendlich viel leisten können (wie es die exponentiell wachsende Verschuldung in Zukunft rechnerisch erzwingen würde), gehe ich davon aus, dass es eine Umstellung geben werden muss. Vermutlich in Form eines Zusammenbruchs.
      Jemand, der ein Wirtschaftsmodell als gute Beschreibung der Realität annimmt, das grenzenloses Wachstum voraussetzt, sollte auch erklären, wie dieses Wachstum auf unbestimmte Zeit gewährleistet werden kann! Ich kann einem solchen Modell nicht zustimmen, also suche ich nach besseren Modellen, auch wenn es dem gegenwärtig anerkannten Wissensstand widerspricht. Geld soll wieder dazu da sein, den Warenaustausch zu vereinfachen, nicht dazu, sich selbst zu vermehren und Wirtschaftswachstum zu erzwingen. Hierfür gilt es, ein Modell zu entwickeln.

  3. Noch ein paar Anmerkungen zu den Kommentaren von Skeptiker:

    >Irgendjemand muss doch die ganzen Kreditverträge abschließen. Nimm doch den Job an, zB für 10 € im Jahr. Dann haben wir einen Wirtschaftskreislauf, etwas, dass dein Modell ignoriert.

    Ich gehe einmal davon aus, du meinst, wenn ich nun im Bankbereich tätig werde und das heutige Geld einfach Zinslos herausgebe, wäre meinem Modell genüge getan und die Welt wäre nun in Ordnung? Sollte ich mit dieser Annahme richtig liegen, hast du die Grundlagen meiner Kritik nicht verstanden. Angenommen, die einzige Änderung wäre es, das Geld ohne Zinsen zu verleihen, dann käme der Geldkreislauf endgültig ins Stocken, da es keinen Mechanismus mehr gäbe, der das Horten unrentabel machen würde. Ein Anreiz, Geld weiter zu geben, muss nach wie vor bestehen. Allerdings sind Zinsen aufgrund der großen Nachteile für weite Teile der Bevölkerung nicht das Mittel der Wahl.

    > Du fragst, wie lange das wohl gut gehen mag. Ich schätze, in dem Modell nur wenige Jahre, im besten Falle ein, zwei Jahrzehnte. Doch gibt es Geld, Geldverleih und Zinsen schon Jahrtausende. Allein das ist ein sehr guter Hinweis darauf, dass das Modell fehlerhaft bzw. unvollständig ist.

    Dass es Geld, dessen Umlaufsicherung auf dem Zins beruht, schon seit Jahrtausenden gibt, ist für dich ein Zeichen, dass diese Modell gut ist? Bedenke, in der Zeit gab es sehr viele Geldreformen, Wirtschaftskrisen und Kriege. Immer wieder wurden die Menschen enteignet und mussten von Vorne anfangen. Das ist für mich kein gutes System. Ein gutes System wäre eines, dass nach Jahrhunderten und auch nach Jahrtausenden noch funktioniert – ohne Inflation oder Deflation. Und dies kann das aktuelle Geldsystem nicht leisten. Grund genug also, an neuen Möglichkeiten zu forschen.

    > Du gibst einen kurzen Einblick in die Komplexität der Materie und stimmst mir dann zu, dass man die Wirtschaft nicht in über-vereinfachte Modelle packen kann, da man aus denen keine geeigneten Rückschlüsse ziehen kann. Du gehst soweit zu behaupten, dass selbst die komplexen Modelle die ein Wirtschaftswissenschaftler an der Uni lernt nicht ausreichen.

    Die komplexen Modelle würden möglicherweise reichen, sie sind allerdings offensichtlich so fehlerhaft, dass es nicht einmal möglich war, die aktuelle Wirtschaftskrise vorherzusehen. Zumindest waren aus den Kreisen der anerkannten Wissenschaftler keine nachhaltige Warnungen zu hören. Ganz im Gegenteil: es herrschte Zuversicht, dass Wirtschaft und Wohlstand beständig wachsen. Zumindest für die Industrieländer. Dass die Entwicklungsländer gleichzeitig in immer größerem Chaos versinken wird dabei als selbstverständlich angesehen. Muss das wirklich sein?

    > Dein im Blogposting genanntes Modell ist zu verzerrt um Rückschlüsse auf die Realität zu ziehen. Deine Zinskritik daher unbegründet.

    Dieses Posting war in der Tat sehr vereinfacht und sollte in erster Linie ins Bewusstsein rufen, dass durch Zinsen Jahr für Jahr mehr Geld aufgebracht werden muss, als tatsächlich vorhanden ist. Überlegt man weiter, wird man feststellen, dass dieses fehlende Geld wiederum geliehen werden muss. Mit der Folge, dass die Verschuldung letztendlich immer weiter anwächst.
    Veröffentlicht man solche Denkanstöße nur in seitenlangen, wissenschaftlichen hochkomplexen Ausarbeitungen, könnten weite Teile der Bevölkerung niemals erreicht werden. Nur wenige hätten Zeit und Lust sich so tief in die Thematik einzuarbeiten. Nun ist es aber so, dass Geld Tag für Tag von nahezu allen Menschen auf der Welt verwendet wird (werden muss). Da ist ein gewisses Grundverständnis durchaus angebracht und sie zumindest ein Grundverständnis haben sollten. Folglich haben vereinfachte Erklärungen auch ihre Berechtigung.

    > Will man Unsinn aus zB politischen Gründen verbreiten, geht man am besten so vor:
    [..]
    Allgemein anerkannt ist natürlich eine andere Position, also muss man das Vertrauen in diese untergraben. Dafür sucht man Beispiele, wo Politiker, Wissenschaftler, Konzerne, Staaten (je nach Feindbild) tatsächlich mal versagen, Lügen oder sich zu bereichern suchen. Dies soll das allgemeine Vertrauen in ganze Gesellschaftsschichten untergraben. Dann unterstellt man ihnen, sie seien gekauft, hätten sich verschworen etc. Schon kann man jeden Gegenbeweis und jedes Gegenargument als Lüge bezichtigen.

    Hier stellt sich mir zunächst einmal die Frage, warum eine andere Position allgemein anerkannt ist, als die Kritik, die ich hier schreibe. Möglicherweise, weil es die einzige Position ist, die (öffentlich) diskutiert wird? Und das, obwohl diese Position offensichtlich sehr fehlerhaft ist? Bedenke, die Wirtschaftskrise rückte erst ins öffentliche Bewusstsein, als sie schon nicht mehr zu übersehen war. Dabei hätten die Wirtschaftsmodelle ein solches Szenario vorhersagen sollen.
    Nicht alles, was allgemein anerkannt ist, ist auch richtig. Es war auch einmal allgemein anerkannt, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen im Land versteckt hält. Dies diente der US-Regierung sogar als Kriegsgrund. Nun weilt der Mann nicht mehr unter den Lebenden und es ist allgemein bekannt, dass keine solchen Waffen gefunden werden konnten. Der Krieg dauert noch an … (http://www.zeit.de/2003/24/01______leit_1)
    Ja, hier hätten wir wieder einen solchen Fall, dass eine Regierung offensichtlich gelogen hat. Solche Aktionen stärken nicht gerade das Vertrauen in eine Regierung. Wie heißt es doch: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht. Wer ein ganzes Land auf der Basis eine Lüge mit Krieg überzieht, macht einfach nicht den Eindruck, als könne man ihm bedenkenlos vertrauen. Hier sollte man besser genauer hinschauen.

    Aber gut, da meine Erklärungen der Realität angeblich nicht sehr nahe kommen, wie würdest du, bzw. die aktuell anerkannte Wissenschaft, folgende Punkte schlüssig darlegen:

    a) Warum benötigen wir ein ständiges Wirtschaftswachstum. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel wird nicht müde, bei jeder Gelegenheit auf die Wichtigkeit dieses Wachstums hinzuweisen.)

    b) Warum sind nahezu alle Staaten verschuldet (http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsverschuldung#Internationaler_Vergleich) und warum steigt die Verschuldung immer weiter an? An wen ist das Geld für Kredite und Zinsen zu bezahlen? Wer bezahlt?

    c) Was sind die tatsächlichen Ursachen der Krise, die (allgemein anerkannt) als Subprime-Krise in den USA begann, dann „unerwartet“ zu einer Finanzkrise wurde und nun „plötzlich und ganz unerwartet“ sogar die Realwirtschaft betrifft und als Wirtschaftskrise bezeichnet wird? Wie lange wird die Krise noch andauern? Welche Möglichkeiten gibt es die Krise zu beenden?

    Antworten zu diesen Fragen kann ich gegebenenfalls auch als Gastbeitrag veröffentlichen. Eine umfangreiche Ausführung ist in den Kommentaren nicht gut aufgehoben.

  4. Da du zu meiner Kritik nichts gesagt hast sondern statt dessen deine allgemeine Position zur Wirtschaft und Zinsen Vater-Unser-ähnlich wie ein Glaubensbekenntnis erneut herunter gebetet hast, will ich sie noch einmal konzentriert wiederholen:

    Dein im Blogposting genanntes Modell ist zu verzerrt um Rückschlüsse auf die Realität zu ziehen. Deine Zinskritik daher unbegründet.

    Ähnliche Kritik und ähnliche Arten der Argumentation findet sich auch bei so manchen deiner Quellen (auch von anderen Themen). Bei denen darf man sich sicher sein, dass sie im wesentlichen politisch motiviert sind. Ich hoffe bei dir handelt es sich nur um unreflektiertes abschreiben.

    Hierzu eine kleine Anmerkung (jetzt schweife ich etwas ab):

    Will man Unsinn aus zB politischen Gründen verbreiten, geht man am besten so vor:
    Eine Behauptung wirkt glaubwürdiger, wenn man mehrere Quellen dazu findet, besonders, wenn auch diese Quellen angeben können. Da fällt es ggf. gar nicht auf, dass sie sich gegenseitig im Kreis zitieren.

    Allgemein anerkannt ist natürlich eine andere Position, also muss man das Vertrauen in diese untergraben. Dafür sucht man Beispiele, wo Politiker, Wissenschaftler, Konzerne, Staaten (je nach Feindbild) tatsächlich mal versagen, Lügen oder sich zu bereichern suchen. Dies soll das allgemeine Vertrauen in ganze Gesellschaftsschichten untergraben. Dann unterstellt man ihnen, sie seien gekauft, hätten sich verschworen etc. Schon kann man jeden Gegenbeweis und jedes Gegenargument als Lüge bezichtigen.

    Zu guter Letzt helfen noch falsch zitierte Quellen und Übervereinfachungen von sehr komplizierter Materie.

    Und was natürlich gar nicht fehlen darf sind fehlerhafte Argumentationsketten und absurde Logik (die dem Laien aber nicht sofort auffallen). Sehr schön zB dass ein mögliches Motiv bereits als Beweis gilt.

    Ganz wichtig auch folgende Beobachtung: Nicht die einfachste Erklärung ist vermutlich die richtige (Occhams Rasiermesser). Vielmehr ist die Erklärung die richtige, die ins eigene (ggf. schon verdrehte) Weltbild passt.

    Beispiele:
    Wenn man schon glaubt, die Amerikaner hätten die Mondlandung gefälscht (weil sie ein Motiv hatten (sic!)), dann glaubt man auch gerne, dass 9/11 von der CIA inszeniert wurde (Passt ins Weltbild, denen traut man es zu, es lässt sich ein passendes Motiv erfinden). Daraus muss folgen, dass alle gegensätzlichen Meinungen gefälscht/gekauft sein müssen. Dann glaubt man auch weiterhin, dass das Erdbeben in Haiti von den USA ausgelöst wurde (Weltbild, ein Motiv lässt sich erfinden etc.).

    Das ganze funktioniert nur, wenn man Fakten nach belieben als Wahr oder Teil einer Verschwörung einordnen kann. Das geschieht dann aufgrund der Beurteilung, ob die zu ziehenden Schlüsse in das Weltbild passen.

    Bei manchen geht es so weit, dass sie niemandem mehr trauen (insbesondere Politiker und Wissenschaftler), weite Teile der Naturwissenschaften ablehnen (prominentes Beispiel: Relativitätstheorie).

    Manche Menschen, die nicht an die Mondlandung glauben streiten auch die Existenz von Spaceshuttle, ISS und der gesamten bemannten Raumfahrt ab. Zudem gehören alle Observatorien der Welt und die meisten Amateurastronomen der Verschwörung an. Der Grund ist folgender: geht man von dem Moonhoax aus, muss man alles Widersprüchliche zum Weltbild als Lüge abtun. Das führt dazu, dass immer mehr zur Verschwörung gehören muss. Das Beispiel ist nicht erfunden, so jemand ist mir bekannt.

    Manchmal befürchte ich, du bist auf einem ähnlichen Weg.

  5. Ich darf mal zusammenfassen: Du gibst einen kurzen Einblick in die Komplexität der Materie und stimmst mir dann zu, dass man die Wirtschaft nicht in über-vereinfachte Modelle packen kann, da man aus denen keine geeigneten Rückschlüsse ziehen kann. Du gehst soweit zu behaupten, dass selbst die komplexen Modelle die ein Wirtschaftswissenschaftler an der Uni lernt nicht ausreichen. Da will ich nicht drüber urteilen, ich habe das Fach selbst nicht studiert.
    Folglich gibst du mir damit aber in meiner Kernkritik recht, dass dein vereinfachtes Zinsmodell nicht ausreicht um daraus geeignete Rückschlüsse zu ziehen.
    Es bleibt somit in deinem Ursprungsposting eine in dieser Form haltlose Kritik, man könnte meinen Verteufelung, des Zinsennehmens.

    1. Die heutigen Wirtschaftstheorien sind „fehlerhaft“ und ich versuche lediglich die Fehler zu finden und ggf. anzudenken, wie man diese beheben könnte. Allerdings ist „fehlerhaft“ in diesem Kontext relativ. Für die kleine Gruppe von Menschen, die von diesem System und vor allem seinen „Fehlern“ profitieren, sind es keine Fehler, sondern Möglichkeiten, sich ohne Gegenleistung zu bereichern. Die große Masse jedoch leidet unter dem Geldsystem und und aus derer Sicht ist etwas, dass ihnen Schaden zufügt ein Fehler, der behoben werden sollte. Das Ziel sollte ein Geldsystem sein, das nicht dazu dient, sie Geldmenge und die Schulden immer weiter zu erhöhen und die Vermögen umzuverteilen, sondern ein Geldsystem, das dazu dient, den Handel zu vereinfachen.

      Viele meiner Erkenntnisse stammen von Menschen, die sich weit intensiver mit dem System auseinandergesetzt haben, wie z.B. Bernd Senf, der als Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin seit 1973 lehrte. Solche Leute, wie Bernd Senf, zeigen seit langem auf, welche Entwicklungen zu erwarten sind und bislang decken sich ihre Vorhersagen sehr gut mit dem, was ich aktuell beobachte. Andere Experten hingegen, diejenigen, die Du eher als die Wirtschaftswissenschaftler bezeichnest, die mit ihren Modellen recht haben müssen, weil die Modelle ausgetüftelt sind, haben noch vor ein oder zwei Jahren nicht auch nur den Ansatz einer Krise gesehen, später als die Probleme nicht mehr übersehen werden konnten, haben sie den Ernst der Lage nicht erkannt:

      Am Anfang waren sich die Experten einig: Die Finanzmarktkrise bleibt vor allem eine Finanzmarktkrise und wird kaum Folgen für die reale Wirtschaft haben. Doch im Frühjahr 2009 sieht die Welt anders aus: Je länger die Krise dauert, umso größer werden die Auswirkungen auf Konjunktur, Beschäftigung und den Staatshaushalt. Die Finanzmarktkrise hat der Welt eine der schwersten Rezessionen seit Jahrzehnten beschert und stellt Unternehmen vor radikal veränderte Herausforderungen.
      http://www.volksbank-phd.de/wir_fuer_sie/presse_2009/neue_chancen_in_schwierigen.html

      Was also sind die Aussagen solcher Experten wert? Das, was diese Experten voraussagten, deckt sich nicht mit dem, was ich selbst Tag für Tag beobachten kann. Die Aussagen decken sich auch nicht mit den Erfahrungen der Menschen, mit denen ich spreche. Diese Experten liegen meist zielsicher … daneben.

      Und ja, die Zinsen sind eines der größten Übel der heutigen Zeit. Zinsen dienen zwar eigentlich dazu, das Horten des Geldes zu unterbinden und das Geld in Umlauf zu halten, aber die Nebenwirkungen sind beachtlich und gefährlich. Hier sollten andere Möglichkeiten gefunden werden, eine Umlaufsicherung zu installieren: Eine Umlaufsicherung, die kein grenzenloses, exponentielles Wachstum erzwingt. Die damit einhergehende Ausbeutung der Ressourcen und die Zerstörung der Umwelt könnte dann nachhaltiger Reduziert werden, als fragwürdige Aktionen wie scheinheilige Steuern auf ein wichtiges Gas zu erheben, das Pflanzen als Lebensgrundlage dient und nur einen geringen Anteil an der Atmosphäre hat: CO2.

  6. Irgendjemand muss doch die ganzen Kreditverträge abschließen. Nimm doch den Job an, zB für 10 € im Jahr. Dann haben wir einen Wirtschaftskreislauf, etwas, dass dein Modell ignoriert.
    Weiterhin wird davon ausgegangen, dass alles Geld ursprünglich geliehen wurde, was nicht stimmt. Auch wird implizit davon ausgegangen, dass kein Wert geschaffen oder vernichtet werden kann: Bei dem Modell existiert Wert bei den Banken, dieser wird verliehen so dass mehr Wert zurück fließen muss, der ja nicht existiert. Das kann nicht funktionieren wie du auch richtig feststellst.
    In der Realität ist es aber so, dass Wert geschaffen werden kann (aus billigem Ton wird ein teuer Krug, aus billigen Samen wird Weizen und zusammen mit Wasser teures Brot) und auch vernichtet werden kann (Brot wird gegessen, der Krug fällt hin).
    Das geht in der Realität auch etwas verzwackter: mit Dienstleistungen. Wer eine Dienstleistung anbietet möchte natürlich dafür entlohnt werden. Wer Haare schneidet zB. oder ein Theaterstück aufführt. Oder eben Geld verleiht.

    Wirtschaft und Wirtschaftskreisläufe sind kompliziert, man kann das studieren und sich sein Leben lang damit beschäftigen und trotzdem nicht völlig verstehen. Aber wenn man sie zu stark vereinfacht geht man Gefahr, dass man wichtige Elemente komplett ausblendet und zu ein Modell erhält, das nicht funktioniert. Von diesem fehlerhaften Modell dann Rückschlüsse auf die Wirklichkeit zu ziehen ist dann falsch.

    Du fragst, wie lange das wohl gut gehen mag. Ich schätze, in dem Modell nur wenige Jahre, im besten Falle ein, zwei Jahrzehnte. Doch gibt es Geld, Geldverleih und Zinsen schon Jahrtausende. Allein das ist ein sehr guter Hinweis darauf, dass das Modell fehlerhaft bzw. unvollständig ist.

    1. Genau, in der Realität werden Werte geschaffen, die auch wieder vernichtet werden. Geld jedoch behält seinen Wert weitgehend, abgesehen von der Inflation. Damit hat Geld einen entscheidenden Vorteil – es kann gehortet werden und der Geldbesitzer hat ein Druckmittel, das es ihm gestattet, weiteres Vermögen anzusammeln, ohne eine tatsächliche Leistung für die Gesellschaft zu erbringen.

      Du deutest an, dass die Quelle des gesellschaftlichen Reichtums in der Arbeit liegt (aus billigem Ton wird ein teuer Krug, aus billigen Samen wird Weizen und zusammen mit Wasser teures Brot). Das entspricht der Arbeitswertlehre von Adam Smith. Der Tauschwert hängt zunächst vom Arbeitsaufwand ab, der der Produktion zugrunde liegt. Nun kommen weitere Faktoren hinzu, welche die Produktion beeinflussen: Kapital und Boden. Kapital kann eingesetzt werden, um Güter zu erschaffen, deren Erlös über den Materialkosten und Arbeitslöhnen liegen und einen Unternehmensgewinn abwerfen. Dazu gibt es noch die Möglichkeit, Kapital nicht direkt einzusetzen, sondern gegen Zins zu verleihen. Ein Bodeneigentümer kann zusätzlich aus dem Boden einen Gewinn ziehen und beispielsweise dort ernten, wo er niemals gesät hat. Bodeneigentümer fordern selbst für den natürlichen Ertrag des Bodens eine Rente.
      Von den durch Arbeitskraft geschaffenen Werte wird also ein Teil an Kapital-Eigentümer (Unternehmensgewinn), an Geldkapital-Eigentümer (Zins) und an Boden-Eigentümer (Bodenrente) abgeführt.
      Adam Smith ist es mit seiner Theorie gelungen, einerseits die Arbeitskraft als Quelle von Wertschöpfung zu entdecken und andererseits die durch sie hervorgebrachte Produktivität weitgehend für das Kapital zu vereinnahmen. Damit verleiht er den Faktoren Produktionsmittel und Geld den Anschein einer eigenständigen Produktivität. Die Banken können sich so beispielsweise die Produkte der arbeitenden Bevölkerung aneignen, ohne tatsächlich eine Leistung erbracht zu haben, bedenkt man, dass sie selbst das Geld, das sie verleihen (unter Beachtung einer Mindestreserve von derzeit 2 Prozent hierzulande) in Form von Krediten erschaffen können.

      Auch nach Karl Marx ist die Arbeitskraft Quelle des gesellschaftlichen Reichtums. Nach seiner Theorie fließt ebenfalls von den entstandenen Werten nur ein Teil den Arbeitern zu. Der Rest geht an die Kapital- und Bodeneigentümer – als Unternehmensgewinn, Zins und Bodenrente. Den abgezweigten Teil bezeichnet Marx als Mehrwert, der zum Teil wieder in die Produktion gesteckt wird, um den Gewinn weiter zu steigern: Aus Geld wird noch mehr Geld. Dadurch richtet sich das Kapital zum Zwecke der eigenen Verwertung gegen die Lohnarbeit, das heißt, es richtet sich gegen die Quelle, aus der heraus es entstanden ist.
      Marx erkannte, dass der Konflikt zwischen Lohnarbeit und Kapital die tiefere Ursache ökonomischer und sozialer Krisen des Kapitalismus darstellt. Krisen sind daher seiner Ansicht nach systemimmanente notwendige Bestandteile, sie sind eine Folge der kapitalistischen Produktionsweise. Nicht allgemeiner Wohlstand, sondern eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sind die zu erwarten. (Zumindest die soziale Problematik dieses Systems sah Marx sehr deutlich, wenn er auch einige wichtige andere Punkte in seinen Theorien außer Acht ließ.)

      Es stellen sich die Fragen:
      – Müssen die Produktionsmittel Privateigentum sein?
      – Kann der Boden nicht auch anders als in Form von bürgerlichem Eigentum oder feudalem Großgrundbesitz genutzt werden?
      – Muss das Geld unbedingt über Zinsen bereitgestellt werden?

      Quelle: Bernd Senf; Die Blinden Flecken der Ökonomie

      Ja, Wirtschaftskreisläufe sind kompliziert. So kompliziert sogar, dass die Experten, die in den Medien zu Wort kamen die Krise nicht einmal erkannten, als sie schon sehr akut war. Erst sehr viel später wurde dann öffentlich von einer Krise gesprochen, die jedoch schnell überstanden sein würde. Nun stehen ganze Staaten vor dem Bankrott. Ein Ende ist nicht in Sicht. Für solche Krisen ist in den Modellen, die an den Universitäten gelehrt werden scheinbar kein Platz. Vielleicht sollte der Lehrinhalt noch einmal überdacht werden. Offensichtlich werden dort wichtige Bestandteile der Wirtschaft außer Acht gelassen. Zumindest sollten die Wirtschaftswissenschaftler von ihren unzureichenden Modellen keine Rückschlüsse auf die Wirtschaft ziehen ;)

      Die Krise war ein Weckruf für viele Menschen, die einfach die Regeln des alten Systems akzeptiert haben. Politiker, Akademiker, Ökonomen, aber auch der Mann auf der Straße fragen sich jetzt, ob die alten Regeln eigentlich gerecht und richtig waren.
      Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,681908,00.html

      Ja, du hast recht, Geld und Geldverleih gibt es schon seit sehr langer Zeit. Aber immer wieder kam es zu Krisen und Zusammenbrüchen der Währungen, zu Geldreformen und zu Kriegen. Der Wohlstand ist sehr ungleich verteilt und die Wirtschaft muss beständig wachsen, egal wie sehr die Umwelt darunter leidet – bis zum nächsten Zusammenbruch.
      Es wird also Zeit, das Geldsystem zu überdenken und ein System zu schaffen, in dem Geld einfach ein Mittel zum Zweck des Handels ist und nicht den Zweck hat, sich unabhängig von der Wirtschaft selbst zu vermehren. Diese Vermehrung hat zu allem Überfluss auch noch eine schleichende Inflation zur Folge. Damit wird auch das Geld derer immer weniger Wert, die ohnehin schon wenig Geld haben.

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