Saubere, pünktliche Züge und freundliches Personal

Die Bahnhöfe sind in einem gepflegten und sauberen Zustand. Die Böden sind nicht versifft und zugemüllt. Es liegen keine Zigarettenstummel auf den Wegen oder im Gleisbett. Es gibt an den Bahnhöfen sehr viele und vor allem saubere und gepflegte Toiletten, welche von den Reisenden ohne zusätzliche Kosten genutzt werden können. Essen und Trinken für die Reise gibt es in unzähligen kleinen Geschäften und an Automaten. Die Bahnsteige sind komplett überdacht und die Überdachungen reichen bis über die Schienen, so dass man als Bahnreisender nicht durch Schnee und Regen laufen muss, um zum Zug zu kommen. An den Bahnsteigen gibt es häufig geschlossene Warteräume, die im Winter vor der Kälte schützen. Für Raucher stehen spezielle Raucherräume zur Verfügung, die einen Abzug über das Dach haben, so dass Nichtraucher nicht belästigt werden. Die Raucher haben auch so viel Anstand, nicht außerhalb dieser Räume ihrer Sucht in der Menschenmenge nachzugehen. An den Bahnsteigen verhindern Absperrungen, dass Menschen absichtlich oder unabsichtlich auf die Gleise gestoßen werden.
Beim Einsteigen wird nicht gedrängelt und selbst an den Rolltreppen stellen sich die Reisenden höflich auf einer Seite in einer langen Reihe anstatt im Pulk auf die Treppe zuzustürmen. Eine Seite wird für diejenigen freigelassen, die es eilig haben, so dass sie vorbeilaufen können. Bei der Abfahrt eines Zuges wird kurz vor dem Schließen der Türen eine heitere Melodie abgespielt. Für die verschiedenen Zuglinien und unterschiedlichen Bahnhof gibt es jeweils eigens komponierte Stücke.
Die Züge sind pünktlich, so dass auch tausenden Kilometern Bahnfahrt ohne eine Minute Verspätungen möglich sind. Verspätungen werden als Belästigung der Kunden angesehen. Umsteigezeiten von einer Minuten sind kein Problem und falls man doch mal einen Zug verpasst, kommt der nächste Zug in wenigen Minuten. Selbst Schnellzüge fahren zumindest während des Tages oft im zehn-Minuten-Takt. Die Züge sind außen glänzend sauber und natürlich innen ebenso. Die Wagen sind nicht mit Graffitis beschmiert und die Fußböden sind nicht mit Cola und Kaffee verklebt. Die Scheiben sind nicht verkratzt und auf den Sitzpolstern kleben keine Kaugummis. Die Sitzabstände in den Schnellzügen sind groß, so dass auch Gepäck problemlos transportiert werden kann.
Für reservierte Plätze gibt es in den Schnellzügen eigene Wagen, so dass Gäste ohne Reservierung nicht mühselig einen freien Platz suchen müssen. Die Sitze sind in den Schnellzügen sind immer in Fahrtrichtung ausgerichtet. An der Endstation werden die Sitze gedreht und der Zug gereinigt, bevor die Rückfahrt angetreten wird. Fahrkartenkontrollen und die Abrechnung finden normalerweise an den Bahnhöfen statt, so dass man als Reisender im Zug nicht dauernd für eine Fahrkartenkontrolle belästigt wird. Das Banhofs- und Zugpersonal ist zahlreich und überdies außerordentlich aufmerksam, freundlich, höflich und hilfsbereit. Wenn ein Bediensteter einen Wagen betritt oder verlässt, verbeugt er sich. Nicht aus Demut, dazu gibt es keinen Anlass bei einem solch vorbildlichen Unternehmen, auf das die Mitarbeiter überaus stolz sein können, sondern aus Respekt vor den Fahrästen!
Es gibt im Prinzip keine Weichenstörungen, Signalstörungen, Oberleitungsschäden, technische Störungen am Zug, Verspätungen aus vorheriger Fahrt oder Verspätungen aufgrund der Verspätung eines vorausfahrenden Zuges. Nah- und Fernverkehr haben ein eigenes, voneinander getrenntes Schienensystem, so dass sich langsame und schnelle Züge nicht in die Quere kommen.

Wer zumindest hin und wieder in Deutschland mit dem Zug fährt, dem wird schnell klar geworden sein, dass diese Beschreibung nicht auf die Deutsche Bahn zutrifft, sonder eher wie das Wunschdenken eines Bahnreisenden klingt, der sich vorstellt, wie ein gutes Eisenbahnunternehmen aussehen könnte.
Nun, die obigen Zeilen sind keine Fiktion, sondern beschreiben einfach die Erfahrungen von Bahnfahrten in Japan mit Japan Railways!

Shinkansen


In Deutschland sieht die Realität anders aus. Da muss man als Reisender durch versiffte, zugemüllte und heruntergekomme Bahnhöfe um dann am Bahnsteig froh zu sein, wenn er einigermaßen überdacht ist und man nicht durch den Regen zum Zug laufen muss. Wenn es Toiletten gibt, dann werden diese von externen Unternehmen betrieben, die für die Nutzung ein entsprechendes Entgelt verlangen. Zigarettenrauch ist allgegenwärtig und die Zigarettenstummel sind auf dem gesamten Gelände verteilt. Die Menschen in Deutschland haben einfach keinen Anstand.
Sicherungsmaßnahmen an den Bahnsteigen gibt es keine und so fallen immer wieder Menschen vor einen einfahrenden Zug. Sicherheitspersonal ist üblicherweise auch nicht anzutreffen. Die Bahnhöfe in Deutschland sind ein Paradies für Taschendiebe.
Pünktlichkeit ist keine Selbstverständlichkeit. Verspätungen aus den unterschiedlichsten Gründen sind an der Tagesordnung. Teilweise werden sogar ohne funktionierende Durchsage und Kontrolle durch Bahnbedienstete Wagenteile (außerplanmäßig) abgekoppelt und der restliche Zug fährt weiter. Wer im entsprechenden Wagenteil sitzt, hat Pech gehabt und wird irgendwann von einem unfreundlichen Bahnmitarbeiter ohne viele Worte und Hinweise auf weitere Reisemöglichkeiten aus den mittlerweile verschlossenen Wagen geworfen und im Regen stehen gelassen, während der restliche Zug sich bereits auf der Weiterfahrt befindet.
Eine Fahrkarte zu kaufen ist im Tarifschungel und in Anbetracht der vielen unterschiedlichen Verkehrsverbünde eine Herausforderung vor der selbst Mitarbeiter am Schalter kapitulieren. Fahrgäste, denen es schließlich zwar gelungen ist, eine geeignete Fahrkarte gekauft aber diese nicht unterschrieben haben, wenn es vorgesehen ist, werden auch schon mal wie Schwerverbrecher behandelt und vor allen anderen Reisenden als Schwarzfahrer gedemütigt. Die Überheblichkeit eines Unternehmens, das selbst so viele Fehler macht, im Umgang mit zahlenden Kunden, denen ein Missgeschick passiert ist, ist zum Schreien!
Der reservierte Sitzplatz ist in einem überfüllten Zug schwer zu erreichen, wenn die Wagenreihung mal wieder geändert wurde und man an der falschen Stelle am Bahnsteig wartet. Und die frei verfügbare Sitzplätze sind in Schnellzügen gut zwischen den reservierten Sitzplätzen versteckt. Und damit es noch komplizierter wird, gibt es in einigen Zügen sogenannte Comfort-Bereiche, in denen sich theoretisch alle Reisenden hinsetzen dürfen (auch wenn manche Veröffentlichungen der Bahn hierzu missverständlich formuliert sind), aber Kunden ohne Comfort-Status den Platz sofort verlassen müssen, wenn ein Reisender mit Comfort-Status den Platz beansprucht. Sollen sich doch die Gäste um den Platz streiten und selbst mittels Fahrkartenkontrolle überprüfen, ob der andere Fahrgast auch wirklich berechtigt ist, auf diesem Platz zu sitzen.

S-Bahn, nicht einsteigen!