Programmqualität der öffentlich-rechtlichen Sender

„Hin und wieder zeigen auch die öffentlich-rechtlichen Sender ein höherwertiges Programm.“

So oder so ähnlich ist mein Kommentar, wenn die Öffentlich-Rechtlichen mal etwas anderes als „Brot und Spiele für das Volk“ oder plumpe Propaganda an die mehr oder weniger zum Empfang bereitgehaltenen Endgeräte liefern. Im Allgemeinen kommt das eher selten vor. Manch einer geht aber davon aus, dass die Programmqualität durchgehend hochwertig ist und kann meine (zugegebenermaßen sehr subjektive) Aussage nicht nachvollziehen, weshalb ich sie im Folgenden begründen möchte:

Für die öffentlich-rechtlichen Sender sind zwangsweise Gebühren zu entrichten, wenn man ein Gerät sein Eigene nennt, das dazu geeignet sein könnte das Programm dieser (mittlerweile beachtlich vielen) Fernseh- und Radiosender zu konsumieren. Unter anderem wird der Gebührenbedarf damit begründet, dass nur so ein informatives und unabhängiges Programm möglich ist, welches sich gegebenenfalls auch an einen kleinen Kreis von Interessierten richten kann. Kurzum: Durch Gebühren muss man kein Unterschichten-Programm für die breite Masse produzieren, sondern kann sich auf geistig anspruchsvolle Themen konzentrieren, die für den informierten Bürger von Bedeutung sind.

In der Realität sieht es dann aber ganz anders aus. Ich habe einmal exemplarisch das Programm der ARD vom heutigen Tage bewertet. Mit grüner Farbe sind Sendungen gekennzeichnet, die informativen Charakter haben und helfen, die Welt besser zu verstehen. Solche Sendungen sind zwar eigentlich für alle Menschen wichtig, die am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, sprechen eher eine kleinere Zielgruppe an. Solche Sendungen werden durch Zwangsgebühren ermöglicht. Mit gelber Farbe sind Sendungen markiert, die teilweise informative Inhalte haben, aber nur sehr oberflächlich sind und eventuell mit unterhaltenden Inhalten gemischt sind. Mit rot sind Sendungen kenntlich gemacht, die nur der Unterhaltung dienen und die Menschen davon abhalten, sich mit Dingen zu befassen, die für ihr Leben relevant sind. Das sind oftmals Sendungen, die an das Niveau heranreichen, das bei den privaten Sendern anzutreffen ist. Mit grauversehene Sendungen kann ich nicht einschätzen.

Morgenmagazin
Tagesschau
Rote Rosen (1231)
Wetterschau
Tagesschau
Brisant
Halbe Hundert
Tagesschau
ARD-Buffet
Mittagsmagazin
Tagesschau
Rote Rosen (1232)
Tagesschau
Sturm der Liebe (1501)
Tagesschau
Leopard, Seebär & Co. (99)
Tagesschau
Brisant
Verbotene Liebe (4045)
Heiter bis tödlich – Henker & Richter (16)
Gottschalk Live
Das Wetter im Ersten
Börse im Ersten
Tagesschau
Toni Costa – Kommissar auf Ibiza: Küchenkunst
Monitor
Tagesthemen
Das Wetter im Ersten
Beckmann
Nachtmagazin
Duell in Diablo
Tagesschau
Sturm der Liebe (1501)
Beckmann
Weltreisen – Gesichter Asiens
Deutschlandbilder
Tagesschau
Monitor

Es ist zu beachten, dass Sendungen, die mit grüner Farbe gekennzeichnet sind, nicht automatisch die hohe Qualität haben, die sie haben sollten. Es wird lediglich darauf hingewiesen, dass sie sich mit einem bedeutenden Thema befassen und nicht unbedingt der Unterhaltung oder der Ablenkung von Wesentlichem dienen.

Leider finanzieren sich die öffentlich-rechtlichen Sender nicht nur durch Gebühren, sondern auch durch Werbung. Dadurch sind sie zwangsweise an die Vorgaben der Werbekunden gebunden. Sie müssen ein Programmumfeld schaffen, in dem es sich für die Firmen lohnt, Werbung zu schalten. Eine Autofirma wird vermutlich kaum einen Werbeblock mieten, wenn davor eine Reportagen über die Werbelügen der Automobilindustrie gesendet wird und danach eine Reportage über die skrupellosen Machenschaften des Vorstandes dieser Firma. Werbung ist also automatisch mit Zensur verbunden.
Die ARD-Werbung Sales & Services GmbH schreibt ausdrücklich, dass Werbekunden mit einem positiven Imagetransfer ihrer Marken rechnen können, wenn sie beim öffentlich-rechtlichen Sender ARD werben:

Wer bei der AS&S bucht, sichert seiner Marke einen positiven Imagetransfer, der von Deutschlands führendem Qualitätssender – Das Erste – ausgeht.[1]

Quelle: ARD-Werbung Sales & Services GmbH

Sportveranstaltungen dienen leider nicht mehr dazu, seine Kräfte und Fähigkeiten mit anderen zu messen. Mittlerweile dienen sie in erster Linie dazu, die Menschen von wichtigen Dingen abzulenken und sie mit Werbung zu konfrontieren, wie ich bereits Die Aufgabe des Fußballfans erläuterte. Es wäre sicher nicht verkehrt, wenn die öffentlich-rechtlichen Sender auf diese Missstände hinweisen würden. Leider tun sie das nicht nur nicht, sondern nutzen die zweckentfremdeten Sportveranstaltungen genau so aus, wie auch die Privatsender, um finanziell davon zu profitieren:

Unsere Kompetenz als Sportsender Nr. 1 – jedes Jahr bescheinigen uns diverse Umfragen den Spitzenplatz als Sender mit der höchsten Sportkompetenz. Garanten dafür sind Dauerbrenner wie die Sportschau oder Spitzenevents à la WM, EM oder Olympische Spiele.[1]

Quelle: ARD-Werbung Sales & Services GmbH

Die Zwangsgebühren, die ich bezahlen muss, würde ich lieber in wissenschaftlichen Sendungen und KRITISCHEN Reportagen investiert wissen. Sportveranstaltungen haben keine Auswirkungen auf mein Leben. Ob die eine oder die andere Mannschaft öfter das Tor getroffen hat, ist letzten Endes gleichgültig. Wenn aber die Produkte immer teurer werden und die Löhne immer niedriger, dann hat das eine ganz reale Bedeutung für mein Leben, schließlich bin ich gezwungen, mich in dieses System einzufügen. Entsprechend möchte ich über die Ursachen dieser Missverhältnisse aufgeklärt werden. Ich möchte Erfahren, WARUM die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer. Ich möchte erfahren, welche Politiker von welchen Lobbyisten beeinflusst werden und wer welcher Politiker einen Rest Ehre im Leib trägt. Und ich möchte, dass auch alle anderen Menschen die Möglichkeit haben, etwas über die wahren Ursachen der Probleme der heutigen Zeit zu erfahren, so dass diese in Zukunft vielleicht behoben werden können. Aber die Sender verschwenden die wertvolle Sendezeit damit, über Sportveranstaltungen zu berichten, deren Ausgang schon am nächsten Tag in der Bedeutungslosigkeit versinkt. Für solche Informationen eignet das werbefinanzierte Privatfernsehen, da Sportveranstaltungen ohnehin als Werberahmen konzipiert werden und die Einnahmen durch Werbung entsprechend hoch sein dürfte. Optional wäre noch ein Bezahl-Fernseh-Konzept zu akzeptieren, für dessen Finanzierung sich der Zuschauer freiwillig entschieden kann, indem er ein Abonnement abschließt.

Auf der Werbeseite für Werbung http://ard-werbung.de/showroom kommt das Wort im Marketing-Bereich beliebte Wort „Mehrwert“ sieben Mal vor. Die ARD ist offensichtlich sehr darauf bedacht, den zahlungskräftigen Werbekunden einen Mehrwert zu bieten. Der Mehrwert für den Fernsehzuschauer dürfte sich folglich in engen grenzen halten.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum es den Öffentlich-Rechtlichen schwer fallen dürfte, unabhängige Sendungen zu publizieren: Der Fernsehrat ist hauptsächlich mit den Personen besetzt, über die die Sender besonders kritisch berichten sollten.[2]


Literaturverzeichnis:
[1]
Ein echter Mehrwert: Der Showroom der AS&S!; http://ard-werbung.de/showroom/
[2]
Fernsehrat - Kontrolle durch gesellschaftliche Kräfte; http://www.unternehmen.zdf.de/index.php?id=66&artid=258&backpid=10&cHash=3f07731978