KDE-Plasma-Crash nach „sudo dolphin“ unter Kubuntu 15.04

Nachdem nun die Version 15.04 der Linux-Distribution Kubuntu mit der Oberfläche KDE zum Download bereit steht, hatte ich ein Distributions-Upgrade angestoßen. Die Installation lief soweit gut, nach einem Neustart war jedoch anstelle der KDE-Oberfläche nur ein schwarzer Bildschirm mit einem Maus-Cursor zu sehen. Das ist ein bisschen wenig. Der Fehler ließ sich leider nicht auf Anhieb beheben, weshalb ich eine geraume Weile nach den Ursachen forschte. Nachfolgend eine Beschreibung, die anderen helfen könnten, welche ein ähnliches Problem haben.

Da es bei Distributions-Upgrades häufiger zu Problemen kommt, habe ich nicht lange versucht, den Fehler zu korrigieren, sondern gleich die 64-Bit-Version des Betriebssystems vom Download-Server geladen und als bootbare DVD gebrannt. Die Installation verlief reibungslos und das System war bald verwendbar. Es folgte die Installation diverser Programme … und dann der Versuch, verschiedene Partitionen über Einträge in der fstab-Datei beim Starten des Betriebssystems automatisch einzuhängen. Hierzu habe ich zunächst mittels dem Befehl „sudo dolphin“ in einer Konsole den Dateimanager mit Root-Rechten aufgerufen, um die Ordner im Verzeichnis /media anzulegen, in welche die Partitionen später eingehängt werden sollen. Anschließend habe ich die fstab angepasst und den Rechner neu gestartet. Und da war er wieder, der Mauscursor auf schwarzem Hintergrund. Sonst nichts.
Ich habe dann Kubuntu unzählige Male neu installiert und immer wieder tauchte das Problem auf. Mitunter hat sich die Oberfläche sogar bereits während der Arbeit teilweise verabschiedet. Besserung brachte auch nicht die 32-Bit-Version, die letzten Endes zu den gleichen Fehlern führte. Dann hatte ich statt Kubuntu mit der KDE-Oberfläche die Distribution Ubuntu mit der Unity-Oberfläche installiert. Anschließend installierte ich manuell einzelne Programme wie den Texteditor oder den Dateimanager aus der KDE-Sammlung unter Unity, da ich unter der nativen Oberfläche von Ubuntu mit den dazugehörigen Programmen nicht wirklich glücklich bin. Die Bedienung ist umständlich und manche liebgewonnene Funktion ist hier nicht verfügbar. Die zusätzlich installierten KDE-Programme ließen sich aufrufen, sahen aber nicht wirklich ansprechend aus. Also folgte die Installation von KDE, um beim Systemstart zwischen den beiden Oberflächen wählen zu können. Das funktionierte auch. Sowohl Unity, als auch KDE konnten genutzt werden.
Bis zu dem Zeitpunkt, als ich unter Unity mit den KDE-Programmen die Ordner für das Einhängen der Partitionen beim Systemstart eingerichtet und die Datei fstab entsprechend angepasst hatte. Unter Unity gab es nach wie vor keine Probleme und die eingehängten Partitionen waren problemlos verfügbar. Unter KDE war das Ergebnis nicht so schön. Die Oberfläche bestand wieder nur aus einem schwarzen Hintergrund mit einem Cursor. Irgendetwas musste also wieder geschehen sein, das Unity nicht stört, KDE aber völlig aus dem Konzept bringt.
Also installierte ich als Notlösung Kubuntu 14.04 mit Langzeitsupport bis 2019. Das ist dann zwar nicht mehr aktuell, aber immerhin habe ich somit die nächsten Jahre Ruhe. Blöd nur, dass ich vergessen hatte, dass bei dieser Version noch nicht der MySQL-Server in der Version 5.6 vorhanden ist, sondern nur in der Version 5.5. Erst bei Kubuntu 14.10, also der nachfolgenden Version, ist der MySQL-Server 5.6 mit in den offiziellen Paketquellen und diesen benötige ich zwingend für bestimmte Aufgaben. Versuche den Server aus externen Quellen zu installieren, sind bereits kläglich gescheitert und endeten mit einem zerschossenen System. Die manuelle Installation des neuen SQL-Servers unter dem alten Kubuntu fällt also als Lösung weg. Bleibt noch das Update von Kubuntu auf die Version 14.10 mit dem neuen Server. Bei dieser Version läuft der Support aber in ein paar Wochen aus und dann sieht es ganz düster aus. Ich musste also den Fehler finden, der dafür sorgt, das die Oberfläche nicht richtig funktioniert.
Beim Start des Kubuntu-Systems direkt über die Boot-DVD in der Live-Ansicht, lassen sich die Fehler ebenfalls reproduzieren. Das ist praktisch, denn nun war nicht mehr eine komplette Neuinstallation nach jedem Fehlversuch notwendig und so hat sich das Problem dann schneller einkreisen lassen. Um es kurz zu machen: Sobald eine Konsole gestartet wurde und mittels „sudo dolphin“ der Dateimanager aufgerufen wurde, gingen die Probleme los. Zunächst ist kein Fehler sichtbar. Dieser taucht aber spätestens bei einem Neustart auf. Man kann aber trotzdem noch weiterarbeiten. Es kann dann jedoch passieren, dass die Taskleiste plötzlich verschwindet. Außerdem kann das Programm „System Settings“, bzw. zu deutsch „Systemeinstellungen“ nicht mehr korrekt gestartet werden. Das Fenster lädt ohne den Inhalt und zeigt stattdessen eine Fehlermeldung an.
Das Verhalten war reproduzierbar. Sobald man in der Konsole „sudo dolphin“ aufgerufen hat, konnten die Systemeinstellungen nicht mehr geladen werden.

ksycoca5
Es hat sich gezeigt, dass nach einem Aufruf dieser verhängnisvollen Anweisung nicht mehr der normale Benutzer der Besitzer der Datei

~/.cache/ksycoca5

ist. Ab dann gehört die Datei dem Superuser „root“. Der eigentliche Benutzer darf die Datei dann nicht mehr anfassen. Dadurch lassen sich die Systemeinstellungen nicht mehr aufrufen und wenn man mit dem System weiterarbeitet, wird früher oder später auch anderweitig versucht, auf diese Datei zuzugreifen. Dies führt dann dazu, dass manchmal die Taskleiste verschwindet und sich keine Programme mehr starten lässt. Glücklicherweise können die offenen Programme weiterverwendet werden. Mit einem normalen Dolphin-Dateieditor, der bereits offen sein sollte, wenn es zum Fehler auftritt (weil er sich danach nicht mehr starten lässt), kann man dann die Datei ksycoca5, welche im Besitz des Superusers ist, einfach löschen (Direkt und ohne Umweg über den Papierkorb mit der Tastenkombination [Shift]+[Entf]. Das geht in diesem Fall seltsamerweise auch ohne Root-Rechte.) Nun lässt sich eine Sicherung der Datei, die man in weiser Voraussicht angelegt hat, vom normalen Benutzer mit dessen Rechte an die Stelle der gelöschten falsch verrechteten Datei kopieren. Und siehe da, die Systemsteuerung kann sofort wieder aufgerufen werden.


Ich wurde von dem aufmerksamen Leser Philipp Krtschil freundlicherweise darauf hingewiesen, dass das Problem auch einfacher gelöst werden kann. Vielen Dank dafür! Nachfolgend die Anleitung:

Noch eine Anmerkung zur Vereinfachung: Man kann mit dem eingebauten Terminal in Dolphin auch einfach den chown-Befehl benutzen (natürlich mit Root-Rechten), um den Eigentümer wieder zu ändern:

chown -cR eigentümer:gruppe-des-eigentümers ~/.cache/ksycoca5

So benötigt man auch keine Sicherungskopie mehr.


plasma-org.kde.plasma.desktop-appletsrc
Sollte man noch weiter mit dem System gearbeitet haben, bis die Taskleiste verschwunden ist, wurde noch eine zweite Datei zerschossen. Bei dieser sind die Rechte zwar nicht geändert, dafür ist der Inhalt unvollständig. Überspielt man die defekte Datei

~/.config/plasma-org.kde.plasma.desktop-appletsrc

mit einer Sicherung, wird nach dem Ausloggen mit Hilfe der Tastenkombination [Strg]+[Alt]+[Entf] und dem erneuten Einloggen wieder alles wie gewohnt angezeigt.

Die Probleme beginnen also immer, sobald man Dolphin mit „sudo dolphin“ aufruft. Andere Programme wie Kate oder Firefox waren unkritisch. Es empfiehlt sich, Dolphin nicht mit sudo aufzurufen, um das Programm mit Root-Rechten zu starten. „kdesu“ klappt scheinbar bei der aktuellen Version von Kubuntu auch nicht mehr, weshalb sich ein anderer Weg anbietet: Man startet zunächst eine Konsole als normaler Anwender. Hier wird nun ein Root-Konto benötigt, das unter Ubuntu/Kubuntu standardmäßig nicht aktiviert ist. Um dies nachzuholen, gibt man

sudo passwd root

ein. Dann muss man das Passwort des angemeldeten Benutzers eingeben und anschließend zwei Mal ein Passwort, das der Root-Benutzer erhalten soll. Nun kann man vom normalen Nutzer mittels

su root

Und der entsprechenden Passworteingabe zum Superuser aufsteigen. Anschließend muss man

export $(dbus-launch)

aufrufen und dann kann man endlich mittels

dolphin

den Dolphin mit Root-Rechten starten, ohne dass der Besitzer der Datei „ksycoca5“ geändert wird.


UPDATE (24.02.2016):

Nach den Problemen mit Linux und insbesondere KDE habe ich Linux vorübergehend von der Festplatte verbannt. Abgesehen von den ewigen Ärgernissen nach einem Update, ist Linux aber ein tolles Betriebssystem … wenn es irgendwann mal läuft. Nach einiger Zeit des Arbeitens mit Windows 10 fällt dann aber immer mehr auf, dass man bei Microsoft-Produkten auf viele Annehmlichkeiten verzichten muss. Eine normale Linux-Installation kommt aufgrund der derzeit noch zu erwartenden Problemen mit UEFI und Secure-Boot jedoch aktuell nicht in Frage. Ein guter Kompromiss stellt hier die Installation von Linux in einer virtuellen Umgebung dar.
Ich habe mir deshalb VirtualBox von Oracle eingerichtet und Ubuntu mit dem Unity-Desktp 15.10 installiert. Dies funktionierte auf Anhieb. Bei der nachträglichen Installation von KDE und den dazugehörigen Programmen ging dann aber einiges schief und das Betriebssystem war nicht mehr benutzbar. Im nächsten Versuch habe ich dann direkt Kubuntu 15.10 mit dem KDE-Desktop heruntergeladen und installiert. Auch hier gab es keine Probleme. Bis wieder die Eingabe einer Anweisung mit Root-Rechten zur Installation der Virtual-Guest-Addition notwendig war. Wie auch in der Version 15.04 wurde durch ein sudo-Befehl der Desktop zerschossen.
Sofort als einzelne Programme abzustürzen begannen, gab ich

sudo chown USER:GROUP ~/.cache/*

(mit USER = mein Benutzername und GROUP = Gruppenname) ein und schon war das Problem behoben. Mehr Details zu dieser Lösung habe ich zwischenzeitlich auch in folgendem Forum gefunden:

https://forum.kde.org/viewtopic.php?f=289&t=125034&start=15#p339204


Weitere Probleme mit Version 15.04 von Kubuntu

Leider war das zuvor umfangreich beschriebene Problem nicht das einzige Problem mit Kubuntu 15.04.

  • Besonders problematisch für mich sind die Fehler beim bislang wirklich tolle Texteditor Kate, der zur Oberfläche KDE gehört.
    Wenn man den Editor geöffnet hat und eine Textdatei anzeigt und man anschließend im Dateimanager Dolphin eine weitere Textdatei anklickt, damit sie ebenfalls im Texteditor angezeigt wird, dann erscheint die Fehlermeldung „kdeinit kann /usr/bin/kate nicht starten“. Mit einem Workaround lässt sich auch dieses Problem beheben: Man muss zunächst im Dateiemanager Dolphin mit rechts auf die Datei klicken, die nicht geöffnet werden kann und dann im Kontextmenü die Einstellungen aufrufen. Hier findet man unter dem Karteireiter „Allgemein“ den Button „Einstellungen zum Dateityp“. Auf dem Karteireiter sollte sich nun unter der Überschrift „Rangfolge der zugeordneten Anwendungsprogramme“ der Eintrag „Kate“ befinden. Diesen muss man selektieren und dann auf den Button „Bearbeiten“ klicken. Es öffnet sich ein weiteres Fenster mit mehreren Karteireitern. Hier wechselt man dann zum Karteireiter „Programm“ und gibt als Befehl „kate -b %U“ (ohne Anführungszeichen) ein. (Früher war auch noch der Parameter „-u“ notwendig, der Kate anweist, neue Dokumente in der gleichen Instanz zu öffnen, also genau das, was hier gewünscht ist. Dies ist mittlerweile jedoch das Standardverhalten und der entsprechende Parameter somit obsolet.) Anschließend muss man im gleichen Karteireiter auf den Button „Erweiterte Einstellungen“ klicken und im neuen Menüfenster die das Häkchen in der Checkbox „Startrückmeldung aktivieren“ entfernen (wenn eines vorhanden war) und beim Eintrag „D-Bus-Registrierung:“ den Wert „keine“ auswählen. Anschließend sind alle Schritte mit OK zu bestätigen.
    Dann ist es wieder möglich, aus dem Dateimanager heraus weitere Dokumente im Texteditor Kate zu öffnen.

    Damit sind die Probleme leider noch nicht vollständig aus dem Weg geräumt. Wenn man die Benutzeroberfläche KDE so konfiguriert, dass beim Systemstart die beim letzten ausschalten des Rechners geöffneten Programme automatisch gestartet werden, dann wurde bislang auch der Texteditor Kate beim nächsten Start des Rechners automatisch geöffnet und alle zuletzt angezeigten Dateien werden wieder geladen. Das war ein toller Luxus, den man aus der Windows-Welt nicht kennt und der maßgeblich dazu beiträgt, dass die Arbeit mit Linux so angenehm ist.
    Mittlerweile funktioniert auch dies nicht mehr. Wenn Kate beim herunterfahren des Rechners geöffnet war, dann wird Kate zwar beim nächsten hochfahren des Rechners wieder geladen, jedoch wird nicht eine Instanz geladen, in der alle zuletzt geöffneten Dokumente angezeigt werden, sondern es wird für jedes zuletzt geöffnete Dokument eine eigene Instanz gestartet. Und alle Instanzen haben gemeinsam, dass sie leer sind. Es werden also unzählige Editoren geöffnet, nur nicht die Dokumente.
    Auch hier half mir ein Workaround weiter, der zwar nicht schön ist, aber einigermaßen funktioniert. Ich habe zunächst eine Sitzung in Kate angelegt und diese lade ich nun vor der Arbeit mit dem Editor noch bevor ich irgend eine andere Datei öffne über das Menü „Sitzungen -> Sitzung schnell öffnen“. Nun werden alle Dateien, die im Editor geöffnet werden automatisch dieser Sitzung zugeordnet. Kate speichert automatisch, welche Dokumente gerade in dieser Sitzung geöffnet sind. Vor dem herunterfahren des Computers muss ich jetzt Kate manuell schließen, um zu verhindern, dass beim nächsten Start viele leere Instanzen geladen werden, aber ich kann später zumindest die letzte Sitzung wieder aufrufen und dort weiterarbeiten.

  • Nervig ist auch die Verschlechterung beim Bildbetrachter Gwenview. Hier wurde schon bei den letzten großen Updates einiges der Konfigurationsmöglichkeiten weggestrichen und der Editor dadurch zwar leichter bedienbar, aber dafür auch weniger mächtig. Außerdem wurden die Sprünge bei den Zoomstufen recht groß. Damit konnte man noch leben. Bei der aktuellen Version klappt bei mir die manuelle Belegung der Shortcuts nicht mehr richtig und wenn man den angezeigten Ausschnitt eines Bildes verschieben möchte ruckelt und Flimmert das Bild extrem und lässt sich nur sehr zäh bewegen.
    Die Notlösung hier: Die Installation des Bildbetrachters GPicView.

  • Suchfunktion in Dolphin
    Und auch die im Dateimanager Dolphin integrierte Suchfunktion kann nicht mehr ausgeführt werden. Bei der Suche erscheint nur die Fehlermeldung „Ungültiges Protokoll“. Das ist besonders ärgerlich, da das ursprüngliche Programm für die Suche, welches sich Kfind nennt und sehr gut ist, nicht mehr standardmäßig installiert wird. Vielleicht war man der Meinung, dass Kfind die Benutzer mit seinen vielen Möglichkeiten überfordert und hat es deshalb durch die integrierte Suchfunktion ersetzt, die aber sehr viel weniger Einstellmöglicheiten bietet und nun auch nicht mehr funktioniert.
    Glücklicherweise lässt sich Kfind leicht wieder im System integrieren. Über die Programverwaltung Muon Discover kann Kfind leicht installiert werden. Um die Suchfunktion auch im Kontextmenü im Dateimanager Dolphin einzubinden, muss im Ordner

    /.kde/share/kde4/services/

    eine versteckte Datei mit dem Namen „.desktop“ angelegt werden. Dort trägt man dann folgenden Text ein:

    [Desktop Entry]
    Type=Service
    ServiceTypes=KonqPopupMenu/Plugin
    MimeType=inode/directory;
    X-KDE-Priority=TopLevel
    Actions=FindHere;
    
    [Desktop Action FindHere]
    Icon=kfind
    Name=Hier suchen ...
    Exec=kfind %f
    

    Wenn man nun im Dateimanager Dolphin in einem Verzeichnis mit der rechten Maustaste das Kontextmenü aufruft, wird man dort einen Eintrag mit dem Titel „Hier suchen …“ finden. Darüber kann man das Kfind aufrufen und der Suchpfad wird automatisch auf den aktuellen Ordner gesetzt. Das ist sehr praktisch. Einen Screenshot hierzu gibt es nicht, da die (ansonsten sehr gelungene Screenshot-Funktion) leider nicht ausgeführt werden kann, wenn ein Kontextmenü in Dolphin geöffnet ist.

  • Die Probleme mit dem aktuellen Kubuntu nehmen scheinbar kein Ende. Nachdem das System nun seit einigen Tagen einigermaßen stabil lief, erwartete mich heute beim Start eine überaus unangenehme Überraschung. Der Ladebildschirm wurde noch korrekt dargestellt und ab dann war das Bild weitgehend schwarz mit bunten Fragmenten, welche die gestarteten Programme nur noch erahnen ließen. Nach dem ausschalten und erneuten Starten des Rechners waren die Muster andere, aber das Problem noch das gleiche. Dies könnte ein Fehler der Grafikhardware sein. Zur Überprüfung bootete ich anschließend Windows auf dem gleichen Rechner. Hier traten jedoch keine Probleme auf. Die Grafikkarte kann also ein fehlerfreies Bild auch bei hoher Auflösung und Farbtiefe liefern. Mit einer gewissen Hoffnung bootete ich noch einmal Kubuntu und diesmal wurde selbst der Ladebildschirm nicht mehr richtig angezeigt. Also schaltete ich den Rechner wieder aus und startete ihn erneut, um dann im Bootmenü den Recovery-Modus zu wählen. Hier gab es keinen Eintrag, der mir hilfreich erschien, also wählte ich den Punkt, der zu einem normalen Start führen sollte. An der Stelle erschien dann aber schon ein Hinweis, dass auf diesem Weg der Start doch nicht ganz normal ist und einige Grafiktreiber nicht geladen werden können. Und siehe da, sobald die Grafiktreiber nicht vollständig geladen sind, wird die Oberfläche wieder angezeigt. Allerdings mit einer falschen Auflösung. Der Bildschirminhalt ähnelte dem Umfang, wie man ihn vor 20 Jahren auf einem 15-Zoll-Röhrenmonitor hatte.

    Driver-Manager
    Zumindest ist der Fehler nun weitgehend auf den Grafiktreiber eingegrenzt. Bislang verwendete ich den „Nouveau“-Standardtreiber.
    Nouveau ist eine Sammlung an freien Treibern für Grafikkarten des Herstellers Nvidia. Für eine Nvidia-Grafikkarte hatte ich mich entschieden, nachdem ich mit einer Karte von ATI unter Linux große Probleme hatte, während Nvidia-Karten relativ leicht mit umfassender 3D-Unterstützung sogar auf einem Notebook genutzt werden konnten. Mittlerweile habe sich die Vorzeichen jedoch geändert, wie auch bei Wikipedia nachgelesen werden kann:

    Das Projekt [„nouveau“] startete 2006 mit dem Ziel, den bisherigen freien Treiber nv zu Ersetzen, da dieser nur rudimentäre Funktionen bot. 2010 stellte Nvidia die Entwicklung von nv ein, verweigerte jedoch eine Beteiligung am nouvea-Projekt. Alle nötigen Informationen mussten daher per Reverse Engineering des proprietären Treibers ermittelt werden. Das Projekt ist einzigartig und ist extrem aufwändig, da die komplette Architektur der Grafikprozessoren nachvollzogen werden muss. Am 24. September 2013 kündigte Nvidia zwar an, das nouveau-Projekt künftig mit Dokumentationen fördern zu wollen,[1] die Entwickler kritisierten im April 2015 jedoch, insbesondere in Hinblick auf neuere Chipsätze (GeForce 900), eine unzureichende Unterstützung- und sogar eine Behinderung ihrer Arbeit durch Maßnahmen wie der Einführung von signierter Firmware. Auch dem Versprechen, Mikrocode-Abbilder an die Nouveau-Entwickler zu übergeben sei Nvidia bislang nicht nachgekommen.

    Quelle: Wikipedia

    Während Nvidia sich bedeckt hält und in jüngerer Zeit eher dadurch auffällt, die Kunden mit falschen Informationen an der Nase herumzuführen, unterstützen die beiden großen Mitbewerber die Entwicklung freier Treiber durch die Offenlegung ihrer Spezifikationen. Intel seit jeher und ATI/AMD seit Ende 2008.

    Nun habe ich allerdings (noch) eine Karte von Nvidia im Rechner, weil ich damit ursprünglich besonders gute Erfahrungen mit der 3D-unterstützung unter Linux gemacht hatte. Allerdings funktionierte bei Kubuntu das Update auf eine neue Version nicht, wenn ein proprietärer Grafiktreiber installiert ist. Das heißt, es wurde bei jedem Systemupdate eine vollständige Neuinstallation notwendig. Also zwei mal im Jahr. Das ist deutlich schlimmer als die vielen Neuinstallationen alle ein bis zwei Jahre unter Windows 95 oder 98 und in der Anfangszeit von Windows XP, weil das System sich wieder zugemüllt hatte. Eigentlich hatte Linux immer den Ruf, äußerst robust zu sein und – wenn es einmal installiert ist – lange zu laufen. Gut, das tut es durchaus, sofern man nichts daran ändert oder Aktualisieren möchte. Aber dann unter diesen Bedingungen (nichts anfassen) ist auch Windows 98 „unkaputtbar“ gewesen.

    Mit den Proprietären Treiber war also zwar die 3D-Darstellung vorzüglich, die automatischen Versions-Updates jedoch nicht mehr möglich. Da ich die 3D-Grafik unter Linux irgendwann nicht mehr benötigte, habe ich von da an die bei Kubuntu mitgelieferten offenen Treiber genutzt. Dann funktionierten die System-Updates immerhin in etwa 50 Prozent der Fälle. Aus diesem Grund war auch hier der freie Treiber installiert, der sich jetzt ohne Vorwarnung verabschiedete.
    Testweise hatte ich dann einen proprietären Treiber von Nvidia installiert und siehe da, die Oberfläche wird wieder angezeigt. Allerdings sind Alle Schriften, die zu den Fenstern gehören, viel zu groß. Ein blick in die Nvidia-Settings zeigt, dass der Grafiktreiber mit einer Auflösung von 305×305 Punkte pro Inch rechnet. Das ist viel zu groß. Eigentlich sollten es 96×96 Punkte pro Inch sein. Einstellen konnte man das mal in der Konfigurationsdatei von XOrg. Eine solche ist aber offensichtlich mittlerweile nicht mehr vorhanden. Da ich den neuen Speicherort für diese Information nicht auf Anhieb finden konnte, habe ich in den Systemeinstellungen unter „Erscheinungsbild -> Schriftart“ den Punkt „DPI für Schriften erzwingen“ aktiviert und auf 96 DPI gesetzt. Die Fenster werden nun wieder korrekt angezeigt. Lediglich beim Anmeldebildschirm gibt es noch Probleme. Bei diesem werden alle Elemente noch zu groß angezeigt. Diese Probleme hatte ich bislang immer bei der Verwendung der proprietären Nvidia-Treiber. Das ist aber zu verschmerzen.


Diese großen Versions-Updates bereiten leider auch immer wieder große Probleme. Und da man bei diesen Updates sämtliche Komponenten mit einem Schlag austauscht, kann man die Ursache für Fehler später kaum eingrenzen.
Interessant könnte hier ein Ansatz sein, bei dem die Art und Weise geändert wird, mit der Programme installiert werden. Bislang ist es unter Linux üblich, alle Komponenten zu Programmen in bestimmte dafür vorgesehene Systemverzeichnisse zu verteilen. Dies ermöglicht auch, dass Programme ganz einfach Bibliotheken anderer Programme mitverwenden können und somit Bibliotheken, die von mehreren Programmen benötigt werden, nicht mehrfach vorhanden sein müssen. Das spart Speicherplatz, bringt aber sehr komplexe Abhängigkeiten mit sich. Eine Bibliothek darf schließlich erst entfernt werden, wenn auch kein Programm mehr vorhanden ist, dass auf diese Bibliothek angewiesen ist. Richtig kompliziert ist es, wenn die Programme unterschiedliche Versionen einer bestimmten Bibliothek benötigen.
Einfacher wäre es, wenn jedes Programm alle Bibliotheken selbst mitbringt, die es benötigt (abgesehen von grundlegenden Standardbibliotheken, die bei jedem Linux ohnehin vorhanden sind). Wenn dann jedes Programm in einem eigenen Ordner als Gesamtpaket gespeichert wird, kann man jedes Programm ganz einfach für sich und unabhängig von den anderen Programmen austauschen. Man könnte auch ganz leicht mehrere Versionen eines Programms gleichzeitig installieren und bei Problemen mit einer neueren Version einfach auf eine alte Version zurückwechseln. Die Deinstallation wäre dann ebenfalls sehr einfach, da nur der Ordner mit den Programminhalten gelöscht werden muss und kein anderes Programm davon betroffen wäre. Einen Schritt in diese Richtung geht Ubuntu nun wohl mit dem Ansatz der sogenannten „Snappy Apps“. Damit wären dann auch Rolling-Releases möglich, also eine kontinuierliche Aktualisierung der Software, ohne immer wieder eine komplette Neuinstallation vornehmen zu müssen (die automatischen Versions-Updates klappen ja nicht zuverlässig, wie beim Update auf Version 15.04 zu sehen war). Weitere Informationen hierzu:

Ubuntu: Snappy Apps sollen Debian-Pakete ersetzen
Ubuntu: Canonical erwägt Umstellung auf Rolling Release
Shuttleworth gegen Rolling Releases bei Ubuntu