Nintendo Wii U – ein Flopp

Wegen der mauen Nachfrage nach der Spielekonsole Wii U rechnet der Konzern aus Japan [Nintendo] in dem noch bis März laufenden Geschäftsjahr nun nur noch mit einem operativen Verlust statt einem Gewinn. Den Absatzausblick für die Wii U strich der japanische Konzern auf ein Drittel der ursprünglichen Schätzung zusammen – das Weihnachtsgeschäft hatte nicht den erhofften Schub gebracht.[1]

Quelle: The Wall Street Journal


Eigene Erfahrungen mit der Konsole


Aufgrund meiner persönlichen Erfahrung mit der Konsole wundert mich der schlechte Absatz nicht. Nachdem ich bislang nur einmal eine Spielekonsole, den Nintendo DS, für eine Studienarbeit erworben habe, war dies die erste Konsole zum privaten Spielvergnügen. Das Vergnügen dauerte allerdings nur einen Monat an, dann war die Konsole defekt. Nach mehreren Reklamationen wurde das Gerät getauscht und immerhin gab es bislang keine weiteren unangenehmen technischen Überraschungen mehr, wenn man mal von den vielen durchzuführenden Updates und den Hürden bei der Sicherung der Spielstände und den Hürden beim Abspielen von YouTube-Videos absieht.

Und wie sieht es nun mit dem Spielevergnügen aus? Der Konsole lag die Spielesammlung „Nintendo Land“ mit vielen Mini-Spielen bei. Separat kostet das Spiel immer noch etwa 30 Euro. Die meisten Spielchen sind recht nett gemacht, aber letzten Endes treffen dann mitunter doch nur zwei oder drei Spielchen den eigenen Geschmack und werden entsprechend intensiv gespielt. Die Freude währt aber nicht lange, da die Spiele eben nur sehr kurz sind. Effektiv nutzt man so nur einen geringen Teil der Sammlung und der Rest ist unnötig.
Neue Spiele für die Wii U kosten mitunter etwa 50 bis 60 Euro und mehr, obwohl die Grafik teilweise sehr bescheiden ist. Sie wirken häufig schnell und lieblos zusammengebastelt und auf den Markt geworfen, um die Kunden abzuzocken. Exemplarisch seien hier „The Legend of Zelda – The Wind Waker“ und „New Super Mario Bros. U“ genannt. Im Vergleich zu dem Spiel „Rayman Legends„, das mit einer gelungenen Grafik aufwartet, wirkt „New Super Mario Bros. U“ altbacken. Der Preis von „Rayman Legends“ wurde mittlerweile von ursprünglich 60 Euro auf 30 Euro reduziert. Dieses Spiel ist wirklich toll gemacht und ein Paradebeispiel, was mit der Konsole möglich ist. Da es sich um ein typisches Jump ’n‘ Run Spiel handelt, ist das grundlegende Spielekonzept natürlich simpel. Man rennt von links nach rechts oder von rechts nach links durch verschiedene Welten und muss Aufgaben erledigen. Was das Spiel hervorhebt ist die hervorragende Grafik – eine wahre Augenfreude! Zudem sind die Charaktere und die Level witzig gestaltet und die Aufgaben interessant und teilweise auf das Steuerungskonzept der Wii U zugeschnitten. Zudem sind als Bonus einige Level der Vorgängerversion „Rayman Origins“ im Spiel enthalten, dier nach und nach freigeschaltet werden können.
Leider hat auch dieses Spiel seine großen Schattenseiten. Angenehm ist, dass viele Level in einem moderaten Schwierigkeitsgrad gehalten sind, so dass man sie als Gelegenheitsspieler gut durchspielen kann. Ein großer Teil der Level ist aber extrem schwierig. Der Zeitansatz ist knapp und die Hindernisse und Gegner stellen eine enorme Hürde dar. Mitunter wird nur selten gespeichert, bei einigen der Level überaupt nicht. Das artet dann irgendwann nur noch in Frust aus. Für Power-Gamer, deren Lebensinhalt sich auf das Zocken von Konsolenspielen beschränkt, mag das in Ordnung sein. Für Gelegenheitsspieler, die hin und wieder mal ein nett gemachtes innovatives Spiel erleben möchten, endet das Vergnügen vorzeitig, weil die nächsten Level einfach nicht mehr zu schaffen sind.
Ein weiteres ursprünglich sehr teures Spiel, das vielversprechend erschien, ist „Zombie U„, das mittlerweile auch für etwa 20 Euro auf dem Ramschtisch liegt. Und bei uns steht es weitgehend ungenutzt im Regal. Grafik und Atmosphäre des Spiels sind toll. Aber wenn man ständig ohne Munition dasteht, wenn man von Zombie-Horden angegriffen wird, hält sich das Spielvergnügen in engen Grenzen. Zumal die Steuerung sehr gewöhnungsbedürftig ist. Wenn man zuvor jahrelang Ego-Shooter mit Maus und Tastatur gespielt hat, gestaltet es sich doch unangenehm anstrengend, mit Hilfe eines Gamepads auf Gegner zu zielen, besonders wenn sie plötzlich von hinten auftauchen. Zombie U, ein weiteres Spiel, bei dem sich der Kauf nicht gelohnt hat.
So viele Patzer, wie bei der Auswahl von Konsolenspielen, hatte ich mit Spielen für den Computer nicht erlebt. Da überlegt man sich irgendwann geanuer, ob man noch mehr Geld in weitere Spiele für diese Konsole investieren möchte, zumal schnell auch die Notwendigkeit für zusätzliche und recht teure Eingabegeräte entsteht.
Immerhin kann man auf der Wii U auch die Spiele der Vorgängerkonsole spielen. Das beschränkt sich bei uns im Endeffekt aber lediglich auf Bowling und Golf aus der Spielesammlung „Wii Sports„, die in Anbetracht der überaus bescheidenen Grafik mit etwa 30 Euro immer noch beachtlich teuer ist.


Fazit


Das Konzept der Konsole ist zweifelsohne toll. Für Gelegenheitsspieler sind aber die hohen Kosten und das geringe Angebot an innovativen Spielen, die dann auch noch aus unterschiedlichen Gründen mitunter nichteinmal durchgespielt werden können, eine große Hemmschwelle.
Die Wii U ist für uns eine Familienkonsole, um hin und wieder gemeinsam in fantasievolle Welten abzutauchen und zu entspannen. Spiele, die schnell in Stress ausarten, sind da nicht unbedingt gefragt. Hinzu kamen die anfänglichen technischen Probleme und die unzähligen nervigen Updates, die sogar schon fällig wurden, als die Konsole gerade auf dem Markt kam. Offenbar hat Nintendo hier ein unfertiges Produkt in die Regale gestellt und dann beim Kunden nachgebessert.
Bedenkt man, dass die gekauften Spiele schon auf der nächsten Konsolengeneration vielleicht nicht mehr abgespielt werden können und damit wertlos werden, hält sich die Motivation 60 oder 70 Euro für ein neu erschienenes Spiel auszugeben, zusätzlich in engen Grenzen.
Wir werden die wenigen Spiele, die wir für die Konsole mittlerweile gekauft haben, hin und wieder (soweit es uns möglich ist) spielen. Neue Investitionen für weitere Spiele wird es aber – wenn überhaupt – nur in sehr geringem Umfang geben und ob wir jemals wieder eine Konsole von Nintendo kaufen, ist nach dieser Erfahrung mehr als fragwürdig.


Literaturverzeichnis:
[1]
Nintendo rechnet wegen schwachem Wii-U-Absatz mit Verlust ; The Wall Street Journal; Hiroyuki Kachi, Phred Dvorak; http://www.wsj.de/article/SB10001424052702304603704579326121992521090.html?mod=rss_newsreel_WSJGermanyUnternehmen; 17.01.2014