Nintendo Wii U defekt, Teil 1

Es gibt viele Computerspiele, die technisch sehr gelungen sind. So ist es immer wieder beachtlich, was die Programmierer dieser Spiele leisten. Mit einer atemberaubenden Grafik wird man in den Bann ganz unterschiedlicher Fantasiewelten gezogen, in denen man sich mitunter recht frei bewegen kann. Wer mag, kann durch eine mittelalterliche Stadt spazieren oder in einem Raumschiff virtuell durch die Weiten des Alls düsen.
Ja, es macht durchaus viel Spaß, Computerspiele zu spielen und so ist es angemessen, die Programmierer durch den Neukauf der Produkte zu unterstützen, anstatt die Daten von einem Kumpel zu kopieren.
Wer sich aber heutzutage ein neues Computersiel kauft, der kauft nicht wirklich das Spiel, sondern bezahlt für eine Lizenz, die es ihm gestattet, das Programm unter gewissen Bedingungen in einem genau definierten Rahmen zu verwenden. Darüber hinaus ist es mittlerweile üblich, dass der Kunde beim Publisher (Verleger) des Spiels, die Software über eine Internetverbindung aktiviert werden muss, bevor er es verwenden kann. Teilweise ist sogar eine permanente Internetverbindung erforderlich, um das Produkt überhaupt verwenden zu können, wie ich bereits im Artikel „Digitale Gängelungen“ geschrieben habe.

Einige Nachteile für den Kunden:

  • Der Spieler muss darum betteln, ein Spiel, dessen Lizenz er legal erworben hat, auch verwenden zu dürfen. Andernfalls kann er es nicht spielen.
  • Ohne Internetanschluss kann das legal erworbene Spiel nicht aktiviert/geprüft und somit auch nicht verwendet werden.
  • Fällt der Registrierungs-Server aus, kann das Spiel nicht verwendet werden.
  • Schaltet der Hersteller den Registrierungs-Server ab, kann das Spiel nicht mehr verwendet werden.
  • Möchte der Hersteller einen Spieler ausschließen, kann er das jederzeit tun und das Spiel kann nicht mehr verwendet werden.
  • Der Hersteller kann erfahren, wann man wie lange spielt und wo man sich dabei aufhält.
  • Der Hersteller kann beliebige Daten von der Festplatte lesen.
  • Der Hersteller kann beliebige weitere Software auf dem Rechner installieren (Payload).

Karikatur: Onlineaktivierung

Ein Ausweg könnten derzeit Spiele-Konsolen darstellen, da bei den Spielen für Konsolen noch kein Aktivierungs-Zwang besteht. Allerdings sind Spiele für Konsolen oftmals deutlich teurer als die PC-Versionen, sofern es sie überhaupt gibt. Weicht man auf eine Konsole aus, bezahlt man dem Verleger noch mehr Geld dafür, dass er einem das Leben unnötig schwer macht. Keine schöne Vorstellung. Aber es gibt ja den Gebrauchtmarkt. Hier kann man sich mit etwas zeitlicher Verzögerung relativ günstig legal Spiele kaufen, ohne dass der Verleger dafür Geld erhält. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn einer der Gründe für die Gängelungen dürfte die Aushebelung des Marktes für gebrauchte Spiele sein, schließlich ist ein Spiel mit Onlineaktivierung an eine bestimmte Person gebunden, die das Spiel dann nicht mehr weiterverkaufen kann.
Ein weiterer Nachteil von Konsolen ist, dass man sich auf eine bestimmte Konsole von einem Hersteller entscheiden muss. Spiele, die man für diese Konsole gekauft hat, laufen üblicherweise nicht auf anderen Konsolen, schon garnicht, wenn diese von einem anderen Hersteller sind.
Ärgerlich ist es natürlich, wenn die Konsole frühzeitig kaputt geht. Dann muss man wieder das gleiche alte Modell kaufen, um die Spiele im Regal weiterhin spielen zu können. Man kann nicht einfach eine aktuellere Konsole von einem anderen Herstellers kaufen, der vielleicht gerade ein besseres Gerät auf den Markt gebracht hat, und die alten Spiele weiterhin nutzen. Bei Computerspielen ginge dies in gewissem Umfang. Hier ist man nicht so sehr an einen bestimmten Hardwarehersteller gebunden.
Und wenn von dem Hersteller nach fünf Jahren eine neue Konsolenversion auf den Markt kommt und die alte Konsole irgendwann nicht mehr erhältlich ist, werden die bezahlten Spiele spätestens dann wertlos, wenn die alte Hardware das Zeitliche segnet und die neue Konsolengeneration nicht abwärtskompatibel ist.

Wii U

Trotz aller Bedenken haben wir uns Ende letzten Jahres eine Konsole gekauft, und zwar eine Wii U von Nintendo, denn Konsolen haben auch ihre Vorteile. Sie sind abgeschlossene Systeme. Hard- und Software passen normalerweise weitgehend zusammen. Wobei dies mittlerweile nur noch eingeschränkt gilt, denn viele Spiele werden nicht mehr für eine bestimmte Konsole geschrieben und für diese Hardware optimiert. Der genannte Pluspunkt ist also ein eher theoretischer Punkt. Viel mehr war die Tatsache entscheidend, dass es für diese Konsole ganz unterschiedliche Spiele gibt, bei denen für die ganze Familie etwas dabei ist. Von einfachen Party-Spielen über Klassiker wie Super-Mario-Spielen in verschiedenen Varianten bis hin zu modernen Ego-Shootern in vorzüglicher Grafik, ist alles dabei. Außerdem sind die Eingabe-Geräte für die Steuerung bei Nintendo immer sehr innovativ, was bei Computerspielen nicht der Fall ist. Außerdem ist die neu erschienene Konsole sogar eine Generation abwärtskompatibel, was bedeutet, dass man zumindest die alten Wii-Spiele, die mitunter relativ günstig erhältlich sind, auch weiterhin spielen kann.

Nach dem die Konsole angeschlossen war, war dann doch eine Internetverbindung erforderlich. Über diese wurde ein Update geladen. Offensichtlich ist es mittlerweile auch im Konsolen-Geschäft üblich, unfertige Produkte zu verkaufen, die dann beim Kunden nachgebessert werden. Das kannte man sonst nur von Computerspielen. Wer keine schnelle Internetverbindung und zudem einen W-LAN-Router hat, der muss sehen, wo er bleibt. Nicht sehr schön.
Auch nicht sehr schön: Für das mitgelieferte Spiel sind Eingabegeräte nötig, die nicht zum Produktumfang gehören und für viel Geld nachgekauft werden müssen.
Noch unschöner wurde es dann genau nach einem Monat und einem Tag nach dem Kauf der Konsole. Sie hat sich nicht mehr einschalten lassen. Es blinkte lediglich die rote Kontroll-Leuchte. Im Handbuch steht, dass man in dem Fall die Konsole vom Stromnetz trennen und dann zwei Minuten warten soll, bevor man die Konsole wieder anschließt. Das brachte aber keinen Erfolg. Und wie kommt man jetzt an den Datenträger, der noch im Laufwerk ist? Einen Notauswurf gibt es nicht! Erst nachdem die Konsole über Nacht vom Netz genommen war, konnte sie am nächsten Tag wieder gestartet werden. Zwei Tage später das gleiche Spiel. Die Konsole startet nicht mehr. Zwei Minuten vom Netz. Kein Erfolg. 30 Minuten ohne Strom. Kein Erfolg.

Nachfolgend ein Video zum Systemfehler. Um das Video anschauen zu können, ist ein HTML5-fähiger Webbrowser nötig, der das (patent-)freie OGG-Format unterstützt.

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