Neues Atomkraftwerk in der Türkei geplant

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan und sein japanischer Amtskollege Shinzo Abe haben am Dienstag eine offizielle Vereinbarung über den Bau eines Atomkernkraftwerks in der Schwarzmeer-Provinz Sinop unterzeichnet.
In Anbetracht der großen Probleme durch das in Folge eines Erdbebens und Tsunamis zerstörte Atomkraftwerk in japanischen Präfektur Fukushima (japanischen für „Glücksinsel“ – welch Ironie), ist es nicht leicht, ein solches Unterfangen zu rechtfertigen. Vor der versammelten Presse versuchte Erdoğan deshalb, die türkischen Bürger zu beschwichtigen und verwies auf die beim AKW zum Einsatz kommende, moderne Technologie. Er sei überzeugt, dass Japan die modernste Technologie im Kernkraftwerk in Sinop einsetzen werde.
Angereist war der japanische Premier Abe übrigens anlässlich der feierlichen Eröffnung des Marmaray-Tunnels, der unter dem Bosporus Europa und Asien verbindet. Finanziert wurde der moderne Tunnel mit Geldern der Japanischen Agentur für internationale Zusammenarbeit (JICA).[1]
Schon einen Tag nach der Eröffnung kam es neben weiteren Pannen zu einem … Stromausfall.[2] Soviel zum Thema „moderne Technologien und Sicherheit“.
Im Übrigen ist „moderne Technologie“ ohnehin absolut relativ. Wenn man sich bei Sicherheitsfragen darauf beruft, dass es sich um moderne Technologien handelt, sollte man bedenken, dass auch ein 30 Jahre altes Kraftwerk einmal nach modernsten Standards gebaut wurde. Heute würde ein Bau mit dieser Technik vermutlich nichteinmal mehr zugelassen werden. Und genau so werden die heutigen Technologien in 30 Jahren als ziemlich unsicher eingestuft werden. Auch die heutzutage modernsten Kraftwerke sind aus zukünftiger Sicht bereits hoffnungslos veraltet.


Literaturverzeichnis:
[1]
Atomkraft – Trotz Fukushima: Türkische Regierung unterzeichnet AKW-Deal mit Japan; Deutsch Türkische Nachrichten; http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2013/10/492975/trotz-fukushima-tuerkische-regierung-unterzeichnet-akw-deal-mit-japan/; 30.10.2013
[2]
Stromausfall – Passagiere müssen durch Bosporus-Tunnel laufen; dpa/AFP/nics; Die Welt; http://www.welt.de/reise/Fern/article121370091/Passagiere-muessen-durch-Bosporus-Tunnel-laufen.html; 30.10.2013