Müssen wir zukünftig wieder mit schlimmen Seuchen rechnen?

Abgesehen von den „Zivilisationskrankheiten“, die beispielsweise auf lange sitzende Tätigkeiten in Büros und ungesunde Ernährung zurückzuführen sind, fühlen wir uns sicher. Gegen viele Krankheiten gibt es Therapien und Medikamente. Epidemie, die fast die gesamte Bevölkerung dahinraffen sind uns unbekannt. Wir haben es geschafft. Wir können sicher und wohlbehütet leben.

Doch ist das wirklich so? Sind wir tatsächlich gefeit gegen schwere Krankheiten, welche vielleicht sogar die Menschheit bedrohen? Eine Antwort kann nicht mit letzter Gewissheit gefunden werden. Aber wir sollten bedenken, dass wir nicht so robust sind, wie wir es vielleicht meinen. Zumindest in den Industrieländern gibt es zwar immer mehr Essen, so dass wir nicht hungern müssen, aber dabei handelt es sich eher um ungesunde Füllstoffe, als um gesunde „Lebens“-Mittel. Fett, Zucker, Salz, Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe sind aus den modernen essbaren Produkten nicht mehr wegzudenken. Vor allem auch aufgrund der Massentierhaltung, werden immense Mengen an pflanzlicher Nahrung benötigt. Gigantische Monokulturen und ausgelaugte Böden gehören zum System. Dies erzwingt dann natürlich den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Zukünftig werden immer mehr künstlich genetisch veränderte Produkte (zur wirtschaftlichen Optimierung der Produktion) hinzukommen. Eingepackt sind diese Speisen zumeist in Plastik.
In Anbetracht der nährstoffarmen aber chemiereichen Ernährung dürften unsere körpereigenen Abwehrkräfte nur bedingt ausgeprägt sein. Vermutlich sind wir hauptsächlich deshalb so gesund, weil wir in einer recht hygienischen Umgebung leben. Der Müll wird schnell abtransportiert und das Abwasser unterirdisch in Kläranlagen geleitet. Unter solchen Bedingungen können kaum Seuchen auftreten.
Was aber, wenn es dennoch einem Krankheitserreger gelingt, sich schnell auszubreiten? Möglicherweise, werden die hygienischen Bedingungen in der Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise schlechter, weil niemand mehr die Entsorgungsunternehmen bezahlen kann oder die Infrastruktur nicht mehr gewartet wird. Die Gefahr für Infektionen wird dann wieder Ansteigen. Hinzu kommt, dass vor allem in den Großstädten die Bevölkerungsdichte sehr hoch ist. Dies ist ideal für Erreger, um in kurzer Zeit viele Menschen in einer Region zu infizieren. Medikamente sind teuer und vielleicht können sich auch in den Industrieländern in Zukunft viele Menschen keine ärztliche Versorgung mehr leisten. Durch den globalen Reiseverkehr ist es für Krankheitserreger leicht, in wenigen Stunden um die ganze Welt zu reisen und sich auch in anderen Kulturen auszubreiten. Hinzu kommt, dass wichtige Medikamente zunehmend wertlos werden. Durch den hemmungslosen großflächigen und gleichzeitig ungezielten Einsatz von beispielsweise Antibiotika unter Anderem in der Fleischindustrie, bilden die Krankheitserreger Resistenzen. Es stehen immer weniger Antibiotika zur Verfügung, die im Ernstfall noch ausreichend wirksam sein werden. Die Neuentwicklung von Medikamenten ist langwierig und teuer, so dass entsprechende Forschungsarbeiten für die Konzerne unrentabel sind. Die konzentrieren sich lieber auf die Vermarktung erprobter Kassenschlager. Es könnte also passieren, dass wir irgendwann Opfer von Krankheitserregern werden, die für uns weitgehend unsichtbar sind, sich rasend schnell ausbreiten können und auf schlecht trainierte und von minderwertigen Füllstoffen (Essen) geschwächte Immunsysteme treffen. Wenn dann auch keine wirksamen Medikamente mehr zur Verfügung stehen, werden wir vielleicht wieder Zeiten erleben, in denen große Teile der Bevölkerung von schweren Seuchen dahingerafft werden.
Durch unser Handeln, das weitgehend auf grenzenloses Wachstum und die Befriedigung von völlig überzogenen Bedürfnissen ausgerichtet ist, schaffen wir einen Zustand des Ungleichgewichts. Solche Zustände sind instabil und können nicht von Dauer sein.