Muss das Jagen Spaß machen?

Ein Lebewesen zu töten, um sich einen Teil seines Körpers als präparierte Trophäe an die Wand zu hängen, gehört wohl zu den perversesten Freizeitbeschäftigungen, denen ein Mensch nachgehen kann. Immerhin ist auch ein Teil der Jägerschaft dieser Meinung. So schreibt beispielsweise der Jäger Dr. Georg Fuchs, dass nicht die Trophäe der Grund für eine Jagd sein soll. Die Jagd nach immer prächtigeren Trophähen ist auch keineswegs so alt, wie die Jagd auf Tiere selbst. Dieser irrsinnige Trophäenkult wurde erst im Jahr 1930 begründet, als bei der Internationalen Jagdausstellung in Leipzig versucht wurde, die Trophäen mithilfe von errechneten Punktzahlen einzuordnen und vergleichbar zu machen. Um immer höhere Punktzahlen zu erreichen, begannen viele Jäger nun, gezielt Tiere zu töten, die vielversprechende Geweihe oder Gehörne trugen. Sie degradierten die Tiere damit zu bloßen „Trophäenträgern“.[1] (S. 34-37)
Glücklicherweise gibt es Jäger wie Georg Fuchs, die sich von diesen Praktiken distanzieren. Allerdings ist auch seine Einstellung duchaus fragwürdig. Das Töten wegen der Freude an einer Trophäe kritisiert er zurecht, schreibt aber, dass das Jagen selbst Spaß machen soll und Trophäen schöne Erinnerungen an die Jagderlebnisse sind. Während er das Töten aus Freude an der Trophäe ablehnt, befürwortet er aber das Töten mit Freude am Töten.
Das Töten eines fühlenden Lebewesens sollte eigentlich nur erlaubt sein, um das eigene Leben zu schützen. Und dann sollte es auch nur der letzte Schritt sein, wenn ein anderer Ausweg nicht ersichtlich ist.
Damit könnte sich nun eine Jagd eventuell begründen lassen. Aber falls man das tut, dann handelt es sich um eine absoltue Notösung mit brutalen und für die betroffenen Lebewesen endgültigen Konsequenzen. Die Entscheidung fällen zu müssen, ein anderes Lebewesen zu töten und dies dann auch noch durchzuführen, darf keinen Spaß machen. Wenn ein Mensch erfreut darüber ist, ein anderes Lebewesen töten zu können, dann tut er es zumindest zu einem Teil auch, weil er sich damit selbst eine Freude bereitet und nicht, weil es aus Gründen des eigenen Überlebens notwendig ist. Doch was unterscheidet einen Menschen, der wegen der Freude am Töten von Tieren töten von einem Menschen, der wegen der Freude an toten Tieren tötet?


Literaturverzeichnis:
[1]
Das Jagen soll Spaß machen; Jägermagazin 09/2013; Dr. Georg Fuchs; JAHR TOP SPECIAL VERLAG GMBH & Co. KG; Jägermagazin 09/2013; 08.2013