Monopoly mit Zinsen

Kaufen, kaufen, kaufen

Sie planen in den nächsten Jahren mehrere Grundstücke zu kaufen, um darauf Häuser und Hotels zu bauen. Dafür leihen Sie sich bei der Bank etwas Geld – sagen wir 20.000 Euro zu günstigen 5 Prozent Zinsen. Auch andere Leute haben solche Pläne und leihen sich entsprechend Geld. Dann ziehen Sie los und kaufen Grundstücke. Die Tage gehen ins Land uns bald neigt sich nicht nur das Jahr, sondern auch Ihr Geld so langsam dem Ende zu. Aber da Sie noch hohe Ziele haben, leihen Sie sich erneut Geld. Diesmal 4.000 Euro. Wiederum zu einem Zinssatz von 5 Prozent. Die Bank gibt Ihnen das Geld gerne, schließlich ist ihr nicht verborgen geblieben, dass Sie mittlerweile Grundstücke haben, die der Bank als Sicherheit genügen.


Der Preis des Geldes

Für die 20.000 Euro, die Sie vor einem Jahr geliehen haben, werden jetzt unglücklicher Weise auch die Zinsen fällig. 20.000 Euro * 0,05 Prozent, das macht dann 1.000 Euro. Die Bank verrechnet die 1.000 Euro einfach mit Ihrem neuen Kredit. Anstatt 4.000 Euro erhalten sie noch 3.000 Euro. Ihre Schulden haben sich nun auf 24.000 Euro erhöht und Sie kaufen weiter Grundstücke. Wenn Sie am Ende des Jahres wieder 4.000 Euro leihen, wird Ihnen die Bank davon schon 24.000 Euro * 0,05 Prozent für ihre Zinsforderungen abziehen. Das sind 1.200 Euro und somit erhalten Sie nur diese Jahr noch 2.800 Euro. Nach 15 Jahren haben Sie insgesamt 80.000 Euro aufgenommen und müssen dafür alleine 4.000 Euro an Zinsen zahlen. Wenn sie dann wieder 4.000 Euro leihen, werden Sie nichts davon bekommen. Die Bank behält das Geld einfach zur Tilgung der Zinsen ein. Ein Jahr später genügt es nicht mehr, 4.000 Euro zu leihen. Sie müssen noch 200 Euro mitbringen und der Bank 4.200 Euro bezahlen. Das geht aber im großen und ganzen recht gut, schließlich wächst die Wirtschaft beständig. Es wird produziert und gebaut. Die Banken nehmen die geschaffenen Produkte und Werte dankend als Sicherheiten und verleihen reichlich Geld.


Einnahmen und Ausgaben

Glücklicherweise haben sie bereits Häuser und Hotels gebaut und nehmen einiges an Geld ein. Aber Ihre Konkurrenz hat nicht geschlafen und ebenfalls kräftig gebaut. Da bleibt es nicht aus, dass Sie auf ihren Geschäftsreisen auch schon mal bei der Konkurrenz ein Hotelzimmer beziehen oder der Bahn des Mitbewerbers fahren müssen. Und das ist nicht billig. gerade hat ein Mitbewerber eine neue Hotelklette in einer vornehmen Gegend errichtet und dabei gleich die Preise erhöht. Ganz zu schweigen von den Energiekosten. Das Wasserwerk und das Elektrizitätswerk gehört der Konkurrenz. Und dann will der Staat auch noch Steuern haben und aufgrund der neuen Energieverordnung sind sie gezwungen, ihre Häuser und Hotels zu renovieren. Immer wieder geschehen unvorhergesehene Ereignisse.
Da Sie aber ein sehr tüchtiger Geschäftsmann sind, gelingt es Ihnen mehr einzunehmen, als sie ausgeben. Die Konkurrenz gibt mehr Geld in Ihren Unterkünften aus, als Sie bei der Konkurrenz. Ihre Freizeit verbringen Sie nicht mehr wie früher auf den Malediven, sondern auf Balkonien und schon haben Sie wieder einiges gespart. Den Gewinn können Sie zur Bezahlung der Zinsen einsetzen und wenn dann noch etwas übrig bleibt, sogar langsam die Schulden tilgen.


Schulden über Schulden

Aber auch Ihre Mitbewerber mussten viel Geld aufnehmen und sind hoch verschuldet. Oder haben Sie schon einmal von jemandem gehört, der von der Bank Geld bekommen hat und dafür keine Zinsen bezahlen muss oder gar das Geld nicht einmal mehr zurückzahlen sollte? Nein? Ich auch nicht. Jeder, der von der Bank Geld leiht, muss es später mit Zins und Zinseszins zurückbezahlen. Und da Geld nicht einfach da ist, sondern nur durch Kredit entsteht, ist jeder vorhandene Euro nur deshalb vorhanden, weil er irgendwann von jemandem geliehen wurde. Also muss irgend jemand für jeden vorhandenen Euro Zinsen bezahlen. Folglich hat die Bank zu jedem Zeitpunkt höhere Geldforderungen, als tatsächlich Guthaben vorhanden ist: Sie hat Anspruch darauf, das vorhandene (also das geliehene) Geld zurück zu bekommen und sie hat Anspruch auf die Zinsen. Es können also nicht alle Menschen gleichzeitig ihre Schulden vollständig tilgen. Einzelne Personen können ihre persönlichen Schulden durchaus vollständig zurückbezahlen. Aber nur, wenn es gelingt, in den Besitz des Geldes zu kommen, das die anderen Menschen geliehen und erwirtschaftet haben. Und warum sollen nicht genau Sie zu den wenigen gehören, denen das gelingt? Sie sind auf den besten Weg dahin. Wie gesagt, Sie sind ein tüchtiger Geschäftsmann und sparen wo Sie können. Im Discounter gibt es auch alles, was man zu Leben braucht und teure Restaurants kann man von außen bewundern.
Ihre Einnahmen steigen und steigen … und der erste Konkurrent muss Insolvenz anmelden, nachdem er sein ganzes Geld bei Ihnen ausgeben musste und dann auch unerwartet hohe Steuerzahlungen fällig wurden. Er nimmt eine Hypothek auf und seine Immobilien werden versteigert. Von den Einnahmen kann er noch einmal seine Schulden begleichen. Leider hat er dann aber seine ganze Existenzgrundlage, die er über Jahre aufbaute verloren und lebt nun von der Sozialhilfe.


Immobilienkrise

Das wiederum ist nicht sonderlich förderlich für Ihre Einnahmen, da Sie jetzt einen potentiellen Kunden weniger haben. Weitere Konkurrenten gehen pleite. Immer mehr Häuser werden zur Versteigerung angeboten. Dadurch sinkt der Marktwert. Besonders die Banken sind mittlerweile im Besitz vieler Immobilien, die sie ihren Schuldnern als Sicherheiten abverlangten.
Zu allem Überfluss beginnt die Wirtschaft jetzt auch noch zu stagnieren. Schon lange werden eigentlich viel mehr Güter produziert als benötigt werden. Für die Umwelt ist das zwar überaus positiv, da weniger Ressourcen verbraucht und weniger Schadstoffe in die Atmosphäre geblasen werden, aber dem Geldsystem ist das äußerst abträglich. Wenn die Wirtschaft nicht mehr wächst, können keine Kredite mehr vergeben werden. Aber die Kreditvergabe muss zwangsläufig Jahr für Jahr exponentiell wachsen. Schließlich wachsen die Schulden durch die Zinsen exponentiell und damit auch die Verpflichtungen der Menschen bei den Banken. Stillstand ist Rückschritt. Der Kollaps des Systems droht.


Wirtschaftskrise

Nach einigen Jahren haben die meisten der anderen Menschen dann auch ihre Häuser verloren und nicht wenige haben dazu noch immer hohe Schulden. Sie erinnern sich? Die Geldforderungen der Banken ist zu jedem Zeitpunkt höher, als das tatsächlich vorhandene Guthaben. Selbst wenn alles Guthaben zurück bezahlt wäre, wären die Schulden nicht getilgt. Alles Geld steht aber ohnehin nicht zur Verfügung, da zumindest Sie einiges an Geld durch Ihre Geschäfte erwirtschaftet haben und es nun bei Ihnen im Tresor liegt. Oder auf dem Konto, wo es wieder nur gegen Zinsen weiter gereicht wird. Also müssen einige Menschen noch immer Schulden haben, aber kein Geld mehr, um sie weiter begleichen zu können. Es gibt zwar viel Geld, aber das ist bei Ihnen.


Deflation

Den anderen Menschen steht es nicht zur Verfügung. Die Menschen kaufen nur noch das nötigste. Die Preise von technischen Luxusgütern fallen immer weiter. Die Reisebüros schließen und die Modegeschäfte liefern sich Rabattschlachten. Wer soll sich das noch leisten? Teurer werden nur die Preise für lebensnotwendige Produkte: Essen, Trinken, Mieten. Deflationäre Zeiten brechen an.
Sie konnten durch das Geld der anderen zumindest alle Schulden begleichen und fortan wieder in den Urlaub auf die Malediven fliegen. Aber nein, das geht leider doch nicht. Schließlich haben sie viele Grundstücke und Immobilien. Die Verursachen nach wie vor Kosten. Steuern und Wartung geht ins Geld. Da die meisten Menschen sich eine Übernachtung in ihren Hotels nicht mehr leisten können, haben sie auch keine Einnahmen mehr. Sie müssen ihre Ersparnisse aufbrauchen. Irgendwann fangen Sie dann an, die unrentabelsten Immobilien weit unter Wert auf einem gesättigten Markt zu verkaufen. Zumindest versuchen Sie das. Wer kann sich denn ein ganzes Hotel leisten, wenn er nicht mal mehr eine Übernachtung in einem Haus bezahlen kann? Der Urlaub ist wieder gestrichen. Die Wirtschaftskrise spitzt sich zu. Viele Menschen haben ihr gesamtes hab und Gut verloren.


Zusammenfassung

Fassen wir zusammen: Es konnte nicht allen Menschen gelingen, ihre Schulden zu tilgen und glücklich zu leben. Aber ganz wenige – unter anderem Sie – haben hohe Gewinne gemacht und Immobilien und Geldvermögen können Sie nun Ihr Eigen nennen. Dafür haben all die anderen Menschen das verloren, was Sie nun haben. Es ist nur noch wenig Geld in Umlauf, da es in Ihrem Tresor liegt. Oder auf der Bank. Aber Kredite vergeben die Banken schon lange nicht mehr. An wen auch? Höchstens an Sie. Sich können noch die nötigen Sicherheiten bieten. Aber Sie brauchen bestimmt keine Kredite. Also ist das Geld vorerst gehortet. Die Deflation nimmt ihren Lauf. Unwichtige Luxusgüter werden immer billiger. Die meisten Menschen können sich aber auch dann keinen Fernseher mehr leisten, wenn er fast verschenkt wird. Das ist gut für Sie, denn Sie bekommen jetzt ganz besonders viel für das Geld, das Sie gehortet haben. Sie können nun vor sich hinbummeln und immer mal wieder etwas Geld für Wartungsarbeiten ausgeben. Die verschuldete Handwerksfirma, bei der Sie dir Arbeiten erledigen lassen, wird mit dem gerade erwirtschafteten Geld dann wieder einen Teil der Schulden bei der Bank zurückzahlen. Das Geld ist also gleich wieder dem Wirtschaftskreislauf entzogen. Die Deflation wird nicht gemindert.
Im Moment haben Sie zwar noch viel Geld, aber keine größeren Einnahmen. Ohne Einnahmen werden aber auch Sie dann irgendwann kein Geld mehr haben. Das hat ja mittlerweile über Umwege die Bank. Und die hat es eigentlich auch nicht, weil das bei der Kreditvergabe erzeugte Geld bei der Tilgung des Kredites wieder verschwindet. Irgendwann ist Ihr Geld „verlebt“ und Sie können ihre Häuser nicht mehr renovieren und müssen zuschauen, wie sie vergammeln.


Vermögenssicherung

Sich machen also etwas anderes. Sie warten nicht, bis alles das Geld auf Ihrem Konto und in Ihrem Tresor wirklich weg ist. Immobilien sind in diesen schweren Zeiten ja sehr billig. Sie sind zwar für alle anderen Menschen immer noch viel zu teuer, aber nicht für Sie. Es wurden schließlich in der Zeit des Aufschwungs viele Kredite vergeben und das Geld ist ja nun bei Ihnen. Sie haben also viel Geld – im Gegensatz zu den anderen armen Schluckern. Da aber nur Sie viel Geld haben und die anderen nicht, kann die Wirtschaft nicht funktionieren. Die Finanzkrise wird – wie bereits beschrieben – zu einer Wirtschaftskrise und ein Zusammenbruch des Geldsystems ist abzusehen. Aber jetzt warten Sie nicht einfach ab und schauen dabei zu, wie das Geld in Ihrem Tresor aufgebraucht wird und sich das Konto leert. Der oben beschriebene Weg würde Sie auch in die Armut führen. Zwar hätten Sie etwas länger Geld, als die anderen Menschen und auch einige Immobilien, aber eben nicht auf Dauer. Zumindest das Geld ist nicht mehr sicher. Wie gesagt, es droht ein Zusammenbruch des Geldsystems. Sie könnten in andere Währungen gehen. Aber da sieht es auch nicht besser aus. Schließlich setzen alle großen heutigen Geldsysteme auf den Zins als Umlaufsicherung und erzwingen damit eine unbegrenzt wachsende exponentielle Verschuldung. In jedem Land ist die Bevölkerung mittlerweile verarmt. Nur die großen Geldinstitute und einige Geschäftsleute schwimmen im Reichtum. Wie also könnten Sie ihren Wohlstand sichern? Sie kaufen Edelmetalle und noch weitere Immobilien, die ja gerade günstig zu haben sind. Sie kaufen Häuser, Bürogebäude, Eisenbahnanlagen und Wasserwerke. Die Gemeinden sind aufgrund der niedrigen Steuereinnahmen mittlerweile so pleite, dass sie Ihnen sogar die Kanalisationen ihrer Städte verkaufen (die Sie dann über Cross-Border-Leasing-Geschäfte wieder an die Gemeinden auf Jahrzehntezu völlig unverschämten Konditionen zurückvermieten) Sie werfen viel Geld auf den Markt. Das brauchen Sie jetzt erst mal nicht mehr. Sie besitzen stattdessen die Infrastruktur des Landes und alles andere, was käuflich ist auch – inklusive der Politiker.


Inflation und Zusammenbruch

Es gibt auf dem Markt nun wieder viel Geld, aber keine Waren mehr. Die Inflation schreitet in großen Schritten voran. Die Menschen müssen sich nun einen Schubkarren kaufen, um das Geld zu transportieren, dass sie für ein Brot bezahlen müssen. Schließlich bricht Geldsystem ganz zusammen. Das kann Ihnen egal sein. Sie haben weder Geld, das sie verlieren konnten, noch Schulden, die Sie nun nicht mehr zurückbezahlen können. Den anderen Menschen ist es weniger Egal. Die Menschen, die noch ein bisschen Geld hatten, mussten dafür hart arbeiten. Nun ist das Geld weg. Für die Lebenszeit, die diese Menschen mit arbeiten verbracht haben, bekommen sie jetzt keine Gegenleistung mehr. Diejenigen, die noch Schulden haben, kommen erst recht nicht mehr auf einen grünen Zweig. Aber das kann ihnen alles egal sein. Auf den Malediven strahlt die Sonne, die Strände sind weiß und das Meer ist türkisblau. Unter den Palmen können Ihnen Menschen, die in Zeltstädten hausen gestohlen bleiben.


Neubeginn

Bald werden Ihre Politiker ein neues Geldsystem etabliert haben. Das beruht natürlich wieder auf Zinsen zur Umlaufsicherung, aber Geld ist für Sie kein Problem Ihnen und den Banken gehört schließlich mittlerweile das Land. Das Geld ist nur noch dazu da, die anderen Menschen in ihren Einrichtungen als Sklaven zu beschäftigen.

Der Satz „Gehen Sie in das Gefängnis, gehen Sie direkt dorthin, gehen Sie nicht über LOS und ziehen Sie keine 4000 Euro ein!“ betrifft Sie nicht mehr. Egal, was Sie tun, in das Gefängnis werden sie dafür nicht müssen. Abgesehen davon gehört es ohnehin Ihnen und bringt sogar eine gute Rendite. Wichtig ist nur, dass die Betten immer ausreichend belegt sind. Darum kümmern sich aber andere für Sie.


Weiterführende Informationen:
Bernd Senf: Das Zinssystem ist für die Wirtschaftskrise verantwortlich