Mit welchem Recht beuten wir Menschen Tiere aus?

Für uns erscheint es völlig selbstverständlich, dass unzählige Tiere ihr Dasein in überfüllten Ställen, engen Boxen oder winzigen Käfigen fristen, um uns Milch, Fleisch, Eier und andere Produkte zu liefern. Was aber berechtigt uns eigentlich dazu, andere Lebewesen, die einen eigenen Willen, Sorgen, Freuden und Hoffnungen haben, so zu behandeln? Haben wir das Recht dazu, weil diese Tiere schwächer sind und wir es deshalb können? Wohl kaum. Die Versklavung schwächerer Menschen ist glücklicherweise ja mittlerweile (zumindest in weiten Teilen der Welt) verpönt und wird nicht mehr akzeptiert. Hier hat man erkannt, dass niemand einfach anderen Individuen schaden darf, nur weil er es kann.
Zumindest in der Theorie moralisch ethischer Überlegungen. Durch das Zinssystem sind letzten Endes nahezu alle Menschen in der unglücklichen Situation, dass sie ihre Lebenszeit dafür aufwenden müssen, die Gewinne anderer Menschen zu erarbeiten. Wirklich frei ist fast niemand. Wer glaubt er sei ein freier Mensch, kann ja mal versuchen keine Steuern mehr zu zahlen, die Rundfunkbeiträge nicht mehr zu überweisen oder die Krankenversicherung zu kündigen. Dies ist aber ein anderes Thema.
Grundsätzlich dürfte Einigkeit darüber herrschen, dass es nicht richtig ist, einen Sklaven im Keller zu halten und ihn zu schinden bis er vor Überarbeitung tot umfällt. Bei Nutztieren ist es hingegen selbstverständlich, dass sie spätestens dann getötet werden, wenn sie nicht mehr rentabel sind. Dieses Recht nehmen wir Menschen uns einfach heraus. Das geht deshalb, weil die anderen Tiere keine Menschen sind. Biologisch sind Tiere den Menschen sehr ähnlich. Sie sind uns sogar so ähnlich, dass sie für Medikamenten- und anderen Test anstelle von Menschen eingesetzt werden. Aber irgendwie sind sie doch wieder so anders, dass man guten gewissens darauf verzichten kann, ihnen Rechte zuzusprechen. So kann man Tiere ganz komfortabel nach eigenem Ermessen benutzen.
Tiere können sich nicht wehren oder widersprechen. Sie sprechen nicht unsere Sprache sondern kommunizieren auf ihre eigene Art, die wir nicht verstehen. Das genügt uns schon, um sie legal quälen zu dürfen. Auf der anderen Seite darf man einen anderen Menschen nicht einfach so versklaven, nur weil man mangels Kenntnissen seiner Sprache die von ihm hervorgebrachten Einwände nicht versteht. Aber bei Tieren geht das.

Tiere sind uns also unterlegen, sie können sich nicht wehren und wir können nicht richtig mit ihnen kommunizieren. Das genügt uns Menschen offensichtlich, diese Lebewesen auszubeuten. Nun gibt es nach Angaben im Editorial der P.M.-Zeitschrift 02/2018 alleine in unserer Galaxie, der Milchstraße, über 100 Milliarden Planeten. Von denen liegen etwa fünf Prozent in einer sogenannten habitablen Zone, also in einem Bereich um einen zentralen Stern, in dem ähnliche Temperaturverhältnisse wie auf der Erde vorherrschen. Auf diesen geschätzt fünf Milliarden Planeten alleine in der Milchstraße könnte es (nach unserem Verständnis) also Leben geben. Astronomen schätzen, dass es in diesem Universum etwa 100 Milliarden Galaxien gibt. Daraus folgt, dass es auf 500 Trillionen Planeten im Universum Leben geben könnte. (Anhänger der Multiversen-Theorie können die Zahl gedanklich beliebig multiplizieren.) Was wäre, wenn sich auf einem dieser Planeten eine Zivilisation entwickelt hat, die der Menschheit intellektuell weit überlegen ist? Dies dürfte nicht schwierig sein. Wenn man sich das Verhalten der vieler Menschen anschaut, gewinnt man zunehmend den Eindruck, dass bei Intelligenz noch sehr viel Luft nach oben ist. Es könnte also durchaus Lebewesen geben, viel intelligenter sind als wir. Vielleicht sind diese Lebewesen und auch technologisch weit überlegen. Falls dies der Fall ist, sollten wir hoffen, dass sie zudem auch in moralischen und ethischen Fragen überlegen sind und sich anderen Lebewesen gegenüber rücksichtsvoller verhalten, als wir es tun. Sollten sie sich anderen Lebewesen gegenüber so verhalten, wie wir Menschen uns Tieren gegenüber verhalten, wäre dies für uns überaus unangenehm. Falls diese fremde Zivilisation die technische Möglichkeit hat, zur Erde zu reisen, müssten wir damit rechnen, dass wir für sie keine Individuen mit Rechten sind, sondern einfach biologisch Ressourcen, die nach belieben ausgebeutet und abschlachten werden können. Oder sie rotten uns gleich ganz aus, weil weil wir der Gewinnung von Rohstoffen im Weg stehen, so wie Menschen Tiere töten und ganze Tierarten ausrotten, um an Öl, Gold oder Holz zu kommen.
Das wäre sehr unschön und zudem auch überaus schmerzhaft. Offensichtlich möchten wir nicht, dass andere Lebewesen die Maßstäbe gegenüber uns anwenden, die wir selbst ansetzen, um die Ausbeutung der Tiere zu rechtfertigen. Aber für außerirdische intelligente Lebewesen sind wir möglicherweise ganz primitive, unintelligente und wehrlose Lebensformen, die in einer für sie unverständlichen Sprache kommunizieren und sich nicht wehren können. Es könnte also sein, dass wir irgendwann von Aliens so behandelt werden, wie wir mit unseren Mitgeschöpfen auf diesem Planeten umgehen. Die Außerirdischen könnten die Versklavung der Menschheit dann problemlos mit den gleichen Argumenten begründen, wie wir so leichtsinnig verwenden, um die Ausbeutung von Tieren zu rechtfertigen. Also sollten wir unsere Einstellung zu den schwächeren Lebewesen grundlegend überdenken und uns den wehrlosen Tieren gegenüber so verhalten, wie wir behandelt werden möchten, wenn wir die schwächeren sind – unabhängig davon, ob es nun außerirdische gibt und welche Eroberungspläne sie haben könnten.