Mit Tränengas gegen den eigenen Wohlstand

Die Griechische Polizei hat ein beachtliches Pflichtbewusstsein.

Aufgrund der desolaten Finanzlage des Landes sollen Beschäftigte des öffentlichen Sektors auf das 13. und 14. Monatsgehalt verzichten, gleichzeitig sollen die Gehälter für drei Jahre eingefroren werden, Rentner müssen mit Kürzungen rechnen und die Steuern auf nahezu alle Produkte sollen steigen – zum Teil um bis zu 10 Prozent.[1]
Die Griechen sollen also, um das angeschlagene und dem Untergang geweihte Finanzsystem vorübergehend zu bewahren, herbe Einschnitte ihres Lebensstandards hinnehmen. Naheliegenderweise fehlt vielen Helenen dafür das Verständnis und sie gehen auf die Straße und demonstrieren gegen die Machenschaften der Politiker, die dem Finanzkapital näher stehen als der Bevölkerung, die sie eigentlich vertreten sollten.
Eine Ausnahme bilden allerdings die griechischen Polizisten. Sie kämpfen unter Einsatz von Tränengas DAFÜR, dass ihnen zwei Monatsgehälter gestrichen werden, sie mehr Geld für das Benzin zahlen müssen um zu ihrer Arbeit zu kommen und der Einkauf ihrer Lebensmittel immer teurer wird. Vorausschauend wie sie sind, kämpfen sie auch gleich dafür, dass ihre zukünftigen Renten gekürzt werden.[1]

Tränengas auf Athens Straßen
Das Sparprogramm der eigenen Regierung treibt die Griechen zu Protesten. Vor dem Finanzministerium kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten.[2]

Quelle: Die Zeit

Die Polizei bekämpft tatsächlich diejenigen, die für die Gehälter der Polizisten und den Wohlstand ihrer Familien eintreten. Das ist eine Loyalität, die ihresgleichen sucht. Vermutlich würden diese Polizisten auch noch ihrem Henker helfen, den Galgen vorzubereiten.


Weiterführende Informationen:
Drohen in Europa soziale Unruhen?


Literaturverzeichnis:

3 Antworten auf „Mit Tränengas gegen den eigenen Wohlstand“

  1. „Die Polizei bekämpft tatsächlich diejenigen, die für die Gehälter der Polizisten und den Wohlstand ihrer Familien eintreten.“

    Berücksichtige ich deine weiteren Ausführungen im Kommentar, dann ist deine Aussage falsch. Denn die Polizisten bekämpfen dann die, die für ein beibehalten des aktuellen Systems eintreten allerdings ohne Einsparungen in der Bevölkerung. Das aber wird das System am schnellsten in den Ruin treiben. Ist das Geldsystem wie du es meinst zum Scheitern verurteilt, dann scheitert es ohne zu sparen, also mit mehr Schulten und mehr Zinseszins noch schneller und fataler. Bei dem Versuch es zu retten auch, aber später. Hast du unrecht, so gibt es eine Chance auf Besserung, allerdings nur, wenn man was tut.

    So oder so bekämpfen die Polizisten nicht die, die für langfristigen Wohlstand für alle einstehen. Nach deiner Ansicht müssten dafür die Leute nicht für ihr 14. Monatsgehalt, sondern für eine Abschaffung des Geldsystems mit Zinsen demonstrieren. Davon habe ich aber noch nicht gehört.

  2. Wenn man es ganz brutal sieht, dann kämpfen die Polizisten dafür, dass ihnen 2 Gehälter gekürzt werden statt 14 (Kündigung weil sie nicht arbeiten).

    Oder aber man sieht es so: Ohne Sparmaßnahmen bricht die Wirtschaft zusammen, der Staat geht Konkurs und die Folgen wären weitaus schlimmer als die Kürzungen. Also ein paar Jahre sparen oder in Kürze ohne Job und Rentenanspruch dastehen?

    Protestieren die Menschen allein gegen die sie betreffenden Kürzungen, oder haben sie einen Alternativvorschlag, der Griechenland auch retten würde?

    Klar, man sollte die Politikergehälter massiv kürzen, die sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Das ist moralisch nötig, aber finanziell ein Tropfen auf dem heißen Stein.

    Glaubst du, dass die Einsparungen unnötig sind?

    Im übrigen steht es jedem Polizisten frei in seiner Freizeit mitzudemonstrieren. Bei einer friedlichen Demo wäre dann auch keine Polizei nötig, die „dagegen kämpft“.

    1. Vor nicht allzulanger Zeit sahen die Verfechter dieses Geldsystems nicht einmal ein ernsthaftes Problem. Ein kleiner Wirtschaftsabschwung und bald wird es wieder bergauf gehen. Nichts dramatisches. Nun ist es schon allgemeiner Konsens, dass Griechenland ohne gravierende Maßnahmen vor dem Zusammenbruch steht. Noch immer nicht dramatisch, meinen einige: Einfach ein bisschen sparen und dann wird es schon wieder besser. Dabei stehen unter anderem bereits Italien, Spanien und Portugal auf der Liste für baldige größere Probleme. Wenn auch denen „geholfen“ worden ist, werden Länder wie Frankreich und Deutschland in die Zahlungsunfähigkeit folgen. Und dann ist niemand mehr da, um finanzielle Unterstützung zu leisten.
      Die Lage ist also weitaus ernster. Ein bisschen sparen reicht nicht. Es muss einen Umbruch geben. Eine wirkliche Veränderung. Aber kaum dass die Menschen darauf aufmerksam werden und beginnen etwas zu bewegen, werden sie mit Tränengas niedergestreckt. Letzten Endes unterstützen und schützen die Polizisten den Lauf der negativen Dinge und verhindern eine nachhaltige Veränderung zum Besseren hin. Spätestens wenn das System dann tatsächlich zusammenbricht, werden auch sie mehr als nur zwei Monatsgehälter verlieren. Kurzfristig können sie eine gewisse Lebensgrundlage natürlich erhalten, in dem sie tun, was von ihnen seitens der Politiker erwartet wird. Aber auf lange Sicht werden auch die Polizisten zu denen gehören, die sehr, sehr viel verlieren.

      Ob ich glaube, dass die Einsparungen unnötig sind? Nun, was sollen die Einsparungen langfristig bringen? Sparen bedeutet, dass Geld dem Kreislauf entzogen wird und damit der Warenaustausch blockiert wird. Gespart werden muss auch nur, um von dem Gesparten, das Geld für die ständig wachsenden Zinsforderungen abzweigen zu können. Die hohen Schulden erzwingen derzeit höhere Zinsleistungen, als Griechenland erbringen kann. Um Schulden zurückzuzahlen gibt es drei Möglichkeiten:

      1) Neue Schulden machen. (Das können gewöhnlich nur Staaten. Und das war bisher das Mittel der Wahl der Staaten -> Umschuldung. Klappt irgendwann aber scheinbar selbst bei Staaten nicht mehr.)
      2) Anderen das Geld abnehmen. (Höhere Steuern, Einsparungen bei den Löhnen … dann haben „die anderen“ aber die Schulden. Außerdem könnten andere Länder für die Verbindlichkeiten einspringen. Dann erhöhen sich aber deren Schulden.)
      3) Sicherheiten an die Gläubiger abgeben. (Oder durch Privatisierungen von Staatseigentum kurzfristig Liquidität erhalten.)

      [ „die anderen“ steht in Anführungszeichen, weil die Schulden immer von der Bevölkerung zu tragen sind. Wer sonst? Staatsschulden sind auch nur Schulden der Bevölkerung.]

      Was auch immer man tut, am Ende steigen die Schulden an irgend einer Stelle ja doch weiter und die Probleme gehen (verschärft) in die nächste Runde. Jetzt bei sozialen Leistungen sparen, um noch einmal die Forderungen der Kapitalbesitzer erfüllen zu können bedeutet nicht, dass es danach besser ist. Ganz im Gegenteil: Die Forderungen werden in Zukunft nur noch höher sein und es muss noch mehr gespart werden. Die Spirale geht dann bis zum Zusammenbruch weiter.
      Sparen für die Vermögenshalter ist sicher nicht die Lösung. Nur eine völlige Erneuerung des Geldsystems käme der Bevölkerung zu Gute, sofern es dann ein System ist, das kein grenzenloses Wachstum durch automatisch wachsende Verschuldung erzwingt.

      Es geht nicht mehr darum, ob ein Arbeiter 11, 12 oder 13 Gehälter bekommt, sondern es geht um die Zukunft des Geldsystems. Wir stehen vor großen Veränderungen. Wie diese Aussehen, vermag ich nicht zu sagen. Vermutlich wird es immer schlimmer werden. So lange die Menschen nicht aufwachen und beginnen, sich mit dem Geldsystem zu beschäftigen, wird es immer ein System sein, das einer kleinen Gruppe dient und die Masse unterdrückt und ausnimmt. Ein System, in dem Werte von den Menschen, die die Werte erschaffen zu den Menschen transferiert werden, die schon sehr viele Werte und Vermögen besitzen.

      Eine mögliche Lösung des Problems der ständig wachsenden Verschuldung und der damit einhergehenden (Staats-)Zusammenbrüche schlägt die Initiative „Monetative“ vor:

      Die Wurzel der jüngsten Finanzkrisen liegt im heutigen Geldsystem. Es erzeugt überschießend Kredit und fördert damit Spekulationsblasen ebenso wie Inflation und die maßlose Überschuldung vieler Beteiligter. Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung. Deshalb setzen wir uns ein für
      1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung
      2. die Beendigung jeglicher Bankengeldschöpfung
      3. die schuldenfreie Inumlaufbringung neu geschöpften Geldes durch öffentliche Ausgaben.

      Die Initiativerklärung kann hier nachgelesen werden: http://www.monetative.org/?page_id=61

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