Mit dem Segelboot auf Geschäftsreise

Dass der Energie- und Ressourcenverbrauch viel zu hoch ist, dürfte sicher sein. Allerdings wird es in absehbarer Zeit keine ernsthaften Bemühungen geben, dies zu ändern, auch wenn in den Medien gerade Aktionen wie Fridays for Future und Greta Thunbergs demonstrative Segeltour nach Amerika gehypt werden. Dabei handelt es sich eher um geschickte PR-Kampagnen, als um ernst gemeinten Umweltschutz. Die Idee zum UN-Klimagipfel in Amerika mit einer „komplett emissionsfreien Jacht“ zu reisen mag auf den ersten Blick ein symbolisches Zeichen für den Klimaschutz sein. Mehr ist es aber nicht und je nachdem, wie weit man hinter die Kulissen blickt, zeigt sich recht deutlich, dass die Aktion mit Umweltschutz wenig zu tun haben kann. Vielmehr ist es ein profanes Freizeitvergnügen für Superreiche, die sich diesen Luxus leisten können.

Der Zwang des Geldes

Um zu verstehen, war in dieser Welt leider kein Platz für echten nachhaltigen Umweltschutz ist, den sich viel Menschen doch so sehr wünschen und der in einer zivilisierten fortschrittlichen Gesellschaft eigentlich auch selbstverständlich sein sollte, ist es notwendig, weiter auszuholen und die Ursachen des absurden Zwangs zur Zerstörung der Umwelt zu ergründen.

Es mag etwas seltsam erscheinen, aber gerade das, wovon die meisten Menschen eigentlich immer zu wenig besitzen, ist in einer solch großen Menge vorhanden, dass es fatale Folgen für die Welt hat: das Geld.

Geld ist normalerweise sehr ungleich verteilt und dieser Trend nimmt immer weiter zu. Bei genauerem Hinsehen ist dies auch nicht verwunderlich, sondern eine ganz logische, ja sogar zwangsläufige Entwicklung. Reich wird man nicht durch das, was man mit eigener Hände Arbeit leisten kann, also etwa durch das Pflücken von Erdbeeren oder bei der Spagelernte. Um reich zu werden, muss man in der heutigen Zeit unter Einsatz von großen mengen an Energie und enormen Ressourcen wirtschaften. Naheliegenderweise können sich arme Menschen diese Ressourcen bestenfalls in geringem Umfang leisten und sind daher auf den Umsatz beschränkt, den sie aus eigener Kraft leisten können. Wernur einen Spaten und eine Hacke bezahlen kann, wird mit diesen Werkzeugen und seiner Muskelkraft auf einem kleinen Feld bestenfalls genug anbauen können, um sich und vielleicht seine Familie ernähren zu können. Wer sich einen Traktor und den notwendigen Treibstoff leisten kann, der kann alleine genug Nahrung anbauen, um ein kleines Dorf zu ernähren. Diejenigen, die so vermögend sind, dass sie sich große Ländereien, viele Traktoren und Mitarbeiter leisten können, haben die Chance ihr Vermögen durch die Kraft vieler einzelner Menschen und den eingesetzten Maschinen immer weiter zu mehren. Wenn von dem, was jeder Mitarbeiter erwirtschaftet nur ein kleiner Teil zum Besitzer der Maschinen und Ländereien fließt, wird in der Summe ein größerer Betrag zusammenkommen. Ab einer bestimmten Unternehmensgröße kann dieser Betrag dann die Geldmenge übersteigen, die der Unternehmer selbst zum Leben benötigt und von da an wird sein Vermögen durch die Kraft vieler arbeitenden Menschen immer weiter wachsen.
Diejenigen, die also bereits finanziell vermögend sind, beispielsweise durch Erbschaften, sind also üblicherweise auch diejenigen, welche die für die Gesellschaft notwendigen Produktionsmittel (Maschinen, Fabriken, Lagerhallen, …) besitzen und somit automatisch an jedem hergestellten und verkauften Produkt und jeder erbrachten und bezahlten Dienstleistung „mitverdienen“. Die Gewinne können sie dann entweder direkt gewinnbringend anlegen (Zinsen) oder in erfolgversprechende weitere Unternehmungen investieren.
Die Reichen werden so immer reicher und wer nicht bereits reich ist, hat kaum eine Chance jemals zu einem nennenswerten Vermögen zu kommen. Mitarbeiter in einem Handwerksbetrieb, Sachbearbeiter, Feuerwehrmänner, Rettungssanitäter oder Polizisten werden sich wohl tatsächlich keine großen Chancen ausrechnen, jemals zum Milliardär zu werden. Die meisten Menschen sind froh, wenn sie mit ihrem Einkommen über die Runden kommen und müssen damit rechnen, im Alter trotz jahrzehntelanger Berufstätigkeit gar in Armut zu leben.

Vom Wachstumszwang und der Wegwerfgesellschaft

Ein Ziel aller Menschen sollte der Umweltschutz sein. Es gibt da allerdings ein ganz wesentliches Problem. Wie wir bereits gesehen haben, fließt das vorhandene Geld über mehr oder weniger Zwischenstufen zu den Vermögenden. Das sind Menschen, die sehr viel Mehr Geld haben, als sie jemals ausgeben können. Das gehortete Geld ist einem theoretisch vorhandenen Kreislauf somit entzogen. Von einem Kreislauf kann man also kaum sprechen. Wenn eine Bank einen Kredit vergibt, schöpft sie nach bestimmten Regeln und gegen Hinterlegung einer Sicherheit neues Geld aus dem Nichts. Dieses fließt dann irgendwann einem Unternehmer zu, der bereits mehr Geld besitzt, als er möglicherweise in vielen Jahrtausenden ausgeben könnte. Er wird das Geld also ebenso horten, wie auch große Mengen der vorherigen Einnahmen.
Das Geld, das der Gesellschaft entzogen wurde, muss nun durch neues Geld ersetzt werden. Dies geschieht durch weitere Kreditvergaben, die natürlich voraussetzen, dass durch den Einsatz von Arbeitskraft, Rohstoffen und Energie neue Werte geschaffen werden. Das bedeutet, dass in dieser modernen Gesellschaft nicht nur die Menge an Waren produziert werden muss, die wir zum Leben benötigen. Es muss zusätzlich so viel Produziert und gewirtschaftet werden, um den immer schneller voranschreitenden Geldverlust durch neue Kreditvergaben auszugleichen. Große Mengen an Rohstoffen und viel Energie wird also nicht benötigt, um den Bedarf zu decken, sondern um das beständige Wachstum der immensen Vermögen von wenigen Superreichen weiterhin sicherzustellen.
Wenn man diesen Zwang zu einem grenzenlosen exponentiellen Wirtschaftswachstum beachtet, dann wundert es auch nicht, dass wir in einer verschwenderischen Wegwerfgesellschaft leben, in der für echten Umweltschutz abseits von möglicherweise gut gemeinten Umweltschutz-Kampagnen gar kein Platz sein kann. Nur wenn die Produkte schnell kaputt gehen und nicht günstig repariert werden können, kann die Industrie immer neue Waren auf den Markt bringen. Die Alternative zum energieintensivem Wachstum ist in diesem System nicht ein stabiles Level auf einem angenehmen Niveau mit moderatem Energieverbrauch, sondern der Absturz der Gesellschaft in bittere Armut.

Echte Nachhaltigkeit hätte fatale Folgen

Angenommen, die Konzerne würden zukünftig tatsächlich Produkte herstellen, die ewig halten und leicht repariert werden können. Dann würden sie folglich bald nur noch wenig neue Produkte verkaufen können, weil die alten Produkte schließlich lange nicht ersetzt werden müssen. Die Menschen wären zwar rundum versorgt und der Ressourcen- und Energieverbrauch würde sinken, die Umsätze und die Gewinne würden aber einbrechen. Es ist schwer vorstellbar, dass ein Unternehmer der Umwelt zuliebe diesen Weg gehen würde. Und falls doch ein verantwortungsvoller Unternehmer zugunsten der Umwelt auf weiteres Wachstum seines Unternehmens verzichten würde muss er damit rechnen, dass er von der Konkurrenz, die weiterhin auf Wachstum setzt, überholt wird. Er würde an den Börsen abgestraft werden und das Unternehmen entweder aufgekauft oder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Stillstand ist Rückschritt in einer Welt, in der grenzenloses exponentielles Wachstum systemimmanent ist.

Das Geld wird also immer weiter von den armen arbeitenden Menschen zu den Vermögenden fließen und der Verlust wird auch weiterhin durch zusätzlichen Energie- und Ressourcenverbrauch für die Schaffung von Gegenwerten für weitere Kreditvergaben ausgeglichen werden müssen. Dieses System ist mit einem nachhaltigen Umweltschutz absolut nicht kompatibel. Anstelle der Demonstrationen für den Umweltschutz müsst also zunächst eher für ein Finanzsystem demonstriert werden, das die automatische Umverteilung von Arm nach Reich unterbindet. Umweltschutz ist nur dann überhaupt erst möglich, wenn der Zwang zum Wachstum und der damit einhergehenden Zerstörung der Umwelt unterbunden wird. Dieser Wachstumszwang ist viel stärker als jegliche Umweltschutzbemühung es jemals sein kann.
Es würde auf längere Sicht also schlicht und ergreifend nicht reichen, wenn der normale Arbeiter zukünftig mit dem Zug zur Arbeit fährt und auf den Linienflug zur Erholung in den Urlaub verzichtet. Selbst wenn alle normal arbeitenden Menschen auf jeglichen auch nur ansatzweise überflüssigen Luxus verzichten würden, um Energie zu sparen (und dies nicht zu einem Zusammenbruch der Wirtschaft führen würde) müsste die Wirtschaft dennoch weiter Wachsen, um eben das durch Hortung verlorene Geld auszugleichen. Der zerstörerische Prozess, in dem wir uns befinden, könnte bestenfalls etwas gebremst werden. Da aber da Wirtschaftswachstum gerade auf die Verschwendung angewiesen ist, würde ein sparsamer Umgang mit den Ressourcen den Niedergang des Finanzsystems und damit den (globalen) Zusammenbruch der Gesellschaften beschleunigen.

Möglichkeiten, die Folgen vorübergehend abzufedern

Kurz gesagt, müssen also in diesem System sehr viele Menschen mit modernen Maschinen und Treibstoff immer neue Waren herstellen und Dienstleistungen anbieten, damit das erwirtschaftete Geld in ausreichender Menge zu wenigen vermögenden Menschen fließen kann. Die Mehrung des Reichtum geht also in der Regel aufgrund des hohen Aufwands leider zwingend mit der Schädigung der Umwelt einher. Zur (vorübergehenden) abmildern der Auswirkungen gibt es im Rahmen dieses Systems mit seiner Umverteilung des Geldes von den arbeitenden zu den reichen Menschen nur wenige Möglichkeiten:

Möglichkeit 1) Die fleißigen arbeitenden Menschen bekommen weniger Lohn, während das Geld weiterhin unvermindert zu den Reichen fließt. Politisch ist dies kaum ernsthaft durchsetzbar, da irgendwann fast alle Menschen in völliger Armut leben und das System zusammenbricht.

Möglichkeit 2) Die Superreichen verzichten auf den stetigen Zufluss von Geld durch ihre Unternehmen und Zinsansprüche. Irgendwann gerät dann aber die Finanzierung der dritten Villa und der vierten Jacht in Gefahr und das Unternehmen wird von Konkurrenten übernommen, die weiter von den Wachstumsmöglichkeiten profitieren. Im Gesamten wird sich also nichts ändern, selbst wenn einzelne Unternehmer diesen Weg gehen würden.

Möglichkeit 3) Es wird immer weiter neues Geld durch die Vergabe von Krediten geschaffen, um das gehortete und damit verlorene Geld auszugleichen. Dies ist energieintensiv, aber die Reichen müssen nicht verzichten und die arbeitende normale Bevölkerung kann noch einige Zeit weiter den gewohnten Wohlstand genießen.
Dies ist der bevorzugte Weg. Die damit zwangsweise einhergehenden negativen Folgen möchte man sich aber nicht eingestehen und tut so, als wäre grenzenloses exponentielles Wachstum und Umweltschutz vereinbar.

Tragische Ironie einer Umweltschutzaktion

Der aktuelle Weg ist also: Grenzenloses exponentielles Wachstum um den ständigen Geldfluss zu den Vermögenden auszugleichen. Die Folgen der Umweltzerstörung sind unübersehbar. Der wachsende Wunsch vieler Menschen, die Umwelt zu schützen, ist daher verständlich und auch wichtig und richtig. Aber er wird nicht in Erfüllung gehen. Sobald der Umweltschutz das Wirtschaftswachstum nennenswert behindert, wird die Priorität zurückgestuft und bestenfalls auf medienwirksame PR-Kampagnen reduziert.
Besonders deutlich wird die Ironie und Tragik in dieser Sache im aktuellen Vorhaben der „Klimaaktivistin“ Greta Thunberg, zum UN-Klimagipfel in den USA demonstrativ CO2-neutral mit einem Segelboot anstatt einem klimaschädlichen Linienflug anzureisen.

Diese ungewöhnliche Anreise hat jedoch bestenfalls Symbolcharakter. Ein Vorbild für andere kann der Segeltörn jedenfalls nicht sein, denn wir wollen wohl kaum in die Zeit zurück, bevor es Flugzeuge oder Dampfschiffe gab. Zumal diese Art des Reisens sehr teuer ist. Im Gegensatz zu Zügen und Flugzeugen, die zwar auch mit hohe Kosten verbunden sind, eigenen sich hochseetaugliche Segeljachten der Open-60-Klasse natürlich nicht zum regulären „Fährbetrieb“ für eine größere Anzahl an Passagieren. und bei einem Preis von über 3 Millionen Euro würde ein Arbeitsleben der meisten Menschen nicht reichen, ein solches Boot privat für sich zu kaufen. Der Kauf einer solchen Segeljacht, auf der bei einer Überfahrt nur wenige Menschen mitfahren können, ist den Reichen vorbehalten, die durch einen enormen Energieeinsatz in der Vergangenheit überhaupt erst so vermögend geworden sind. Um sich eine solche auf den ersten Blick umweltbewusste Reise leisten zu können, müssen also über Umwege doch wieder erhebliche Ressourcen aufgewendet worden sein.
So wundert es dann auch nicht, dass die Jacht einem Stuttgarter Immobilienmillionär gehört und dass die Skipper aus gut betuchtem Hause stammen. Pierre Casiraghi beispielsweise ist der jüngere Sohn von Monacos Prinzessin Caroline. Er ist nicht nur begeisterter Rennfahrer, sondern auch Hauptanteilseigner bei der Helikoper-Fluglinie Monacair die reiche Fluggäste wenig umweltbewusst mit Helikoptern von den Hotels zum nächsten größeren Flughafen oder auch zum Skiurlaub in die Berge fliegt. Dies ist an Ironie kaum zu überbieten.

Whether you’d like to go skiing in the Alps or land on your superyacht in Corsica, our band new modern fleet of helicopters allow you to travel in comfort and can fit a maximum of 8 persons inside. We can fly you to the most alluring and exclusive destinations including Sardinia, Saint Tropez, and Saint Moritz. MONACAIR offers panoramic flights over the French Riviera but also over stunning regions located in Italy and Switzerland.

Quelle: https://www.monacair.mc/en/private-helicopter/

Damit hat der Irrsinn seinen Höhepunkt aber noch nicht erreicht. Um dieses Seefahrt überhaupt erst zu ermöglichen, werden viele Team-Mitglieder benötigt, die ihrerseits bequem mit dem Flugzeug in die USA reisen um das Boot dort zu warten und dann wieder nach Europa zurück zu bringen. Damit Greta Thunberg und ihr Vater nicht fliegen müssen, steigen mehrere andere Menschen in ein Flugzeug, was die ganze Aktion völlig ad Absurdum führt und die Klimabilanz gänzlich zunichte macht. Durch den Kauf von Zertifikaten sollen die Schäden durch den Flug ausgeglichen werden. Für reiche Menschen dürfte der Kauf solcher Zertifikate keine große Sache sein. Das Geld, das möglicherweise andere Menschen unter hohem Energieeinsatz erarbeitet haben, zahlen sie einfach aus der „Portotasche“. Leichter als durch einen solchen Ablasshandel kann man sich kaum ein reines Gewissen erkaufen.

Wenn die Aktion etwas zeigt, dann scheinbar nur, dass eine umweltbewusste Reise selbst mit enormen finanziellen Mitteln und einem hohem Zeiteinsatz überhaupt nicht möglich ist.

Greenwashing oder wirkliches Engagement?


Greta Thunberg hätte also aus der Sicht des Umweltschutzes ihre Botschaft besser per Videobeitrag übermittelt. Dies wäre natürlich weniger publikumswirksam. Bei der Aktion handelt es sich also eher um eine PR-wirksame Greenwashing- und Werbe-Aktion bei der die umweltschädlichen Anteile elegant ausgeblendet oder durch den Kauf von Zertifikaten schöngerechnet werden.

Während die normalen Menschen, die das Vermögen der Reichen letztlich erarbeiten, ein schlechtes Gewissen haben sollen, wenn ihr CO2-Fußabdruck auf dem Arbeitsweg oder während des Erholungsurlaubs zu groß ist, lassen sich die Reichen mit dem Helikopter zu Skipiste fliegen unter der Hauptanteilseigner des Flugunternehmens segelt zur Demonstration für den Umweltschutz über den Atlantik.

Und wie wird Greta Thunberg nach der Konferenz zurück reisen? Wird sie wieder mit dem Boot segeln, das die Strecke ja ohnehin nach Europa zurücklegen muss oder wird sie vielleicht doch bequem mit einem Flugzeug reisen und damit in gewisser Weise eingestehen, dass eine Schiffsreise nicht einmal dann praktikabel ist, wenn man die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt bekommt?


Weiterführende Informationen:

Wie viel PR steckt in Greta Thunberg?
Gretas Atlantik-Reise: Erste Nacht überstanden
Vom Rennfahrer zum Skipper der Klima-Ikone
Pierre Casiraghi
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Du hättest ruhig fliegen können, Greta
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