Menschenopfer für die Liberalisierung der Agrarmärkte

Ich las gerade den Artikel „Billigmais für Mexiko“ in einer Ausgabe der Zeitschrift „EDITION • LE MONDE diplomatique“, die 2011 erschien.[1] (S. 77) Dort wird über die Folgen der Liberalisierung des mexikanischen Agrarmarktes berichtet.
Vorangetrieben wurde die Öffnung des Marktes auch durch das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA). Zusammengefasst bewirkt dieses Abkommen unter anderem, dass Mexiko beispielsweise keine oder nur noch geringe Zölle auf wichtige Güter erheben darf, die amerikanische Unternehmen, oftmals durch Subventionen unterstützt, billig nach Mexiko exportieren. Die Preise sind dank der Subventionen mitunter so niedrig, dass die Mexikaner sie nicht einmal selbst so billig herstellen könnten. Der mexikanische Agrarmarkt ist gegen die Importe chancenlos und bricht zusammen. Unzählige Bauern verlieren in Mexiko in Folge der Abschaffung der Handelsschranken, die ihnen bislang Schutz boten, ihre Arbeit und damit ihr Einkommen … ihre Lebensgrundlage. Gewinner sind lediglich die hochgerüstete Konzerne aus dem Ausland ihre ohnehin schon hohen Gewinne weiter steigern können.
Mein erster Gedanke war, dass die Bauern, viele Menschen also, die in Mexiko leben, durch die Politiker an die Konzerne regelrecht geopfert wurden.
Und tatsächlich, auf der nächsten Seite ist dann zu lesen:

Auf mexikanischer Seite gibt man zu, dass die Regierung die Landwirtschaft in der Tat im Zuge der Verhandlungen „geopfert“ habe. Das war eine wahrhaft kriminelle Entscheidung: [..][1] (S. 78)

Quelle: LE MONDE diplomatique

So lange Staaten zusammen mit Konzernen die Grundlage zur Ausbeutung der Menschen schaffen, ist die Arbeit, welche durch Entwicklungshilfen und Spenden geleistet wird, nur eine Farce. Um wirklich etwas bewegen zu können und gegen Leid und Armut vorzugehen, müssen zuerst die Grundlagen des Zusammenlebens angepasst werden. Die Geldsysteme müssen überarbeitet werden, so dass es keinen Zwang mehr zu einem grenzenlosen exponentiellen Wachstum gibt, den das Zinssystem mit sich bringt. Ebenso muss die Umverteilung des Geldes von der arbeitenden armen Bevölkerung zu der nicht-arbeitenden reichen Elite durch die Zinsen beendet werden. Darüber hinaus müssten Politiker wieder im Sinne der vielen Menschen in den Ländern entscheiden und nicht hinter verschlossenen Türen mit den großen Konzernen Gesetzte zu Gunsten der Industrie ausarbeiten.
Einen Ausführlicheren Bericht zu dieser Thematik habe ich bereits vor längerer Zeit unter dem Titel „Ausbeutung und Entwicklungshilfe – Zwei Seiten einer Medaille“ geschrieben.


Literaturverzeichnis:
[1]
Billigmais für Mexiko; EDITION • LE MONDE diplomatique; Anne Vigna; taz.genossenschaft; ISBN: 978-3-937683-31-7; EDITION • LE MONDE diplomatique 10/2011, Cola, Reis& Heuschrecken – Welternährung im 21. Jahrhundert; 2011