Krokodilstränen eines Senators?

In einer zivilisierten Gesellschaft gilt gewöhnlich die Unschuldsvermutung. Eine Person kann erst dann als Straftäter bezeichnet werden, wenn sie rechtskräftig verurteilt wurde. Bis dahin wird vom „mutmaßlichen Täter“ gesprochen.
Unter diesem Aspekt erscheint der folgende Aufruf des US-Senators John McCain sehr befremdlich:

Der einflussreiche US-Senator John McCain hat Präsident Barack Obama zum Militäreinsatz in Syrien aufgerufen. Nach dem mutmasslichen Giftgas-Einsatz in Syrien dürfe Washington nicht länger zögern.[1]

Quelle: Handelszeitung

Wenn es sich um einen „mutmaßlichen“ Giftgas-Einsatz handelt, dann ist noch nicht geklärt, ob die Information korrekt ist. Die Täter sind also auch nichts „rechtskräftig verurteilt“. Der geforderte Militärschlag mit all seinen grausamen Konsequenzen ist somit als willkürliche Tat einzustufen. Zumal erhebliche Zweifel bestehen, ob die Nachricht vom Giftgaseinsatz tatsächlich so stimmt, wie sie bei uns berichtet wird. Bekanntlich stirbt die Wahrheit bereits vor dem Krieg. Es muss also damit gerechnet werden, dass mit der (verfälschten?) Nachricht von einem Giftgaseinsatz ein eigentlich ungerechtfertigter Krieg erst begründet und damit ermöglicht werden kann.
Interessante Gedanken hierzu können im Artikel „Wieder ein False Flag Giftgaseinsatz“ im Blog Alles-Schall-und-Rauch nachgelesen werden.

McCain scheint ein kalter Taktierer zu sein, der offensichtlich leichtfertig zur Waffengewalt greift. Er würde schon das Militär schicken, wenn die Täter nichteinmal sicher identifiziert sind. Dabei dürfte ihm sehr wohl bewusst sein, dass das amerikanische Militär nicht zimperlich ist und auch keine Hemmungen hat, schmutzige Munition, wie etwa Projektile aus abgereichertem Uran zu verwenden. Das Leid, welches das amerikanische Militär in die Welt trägt ist kaum zu ermessen. Die Kollateralschäden bei einem Militärschlag kaum vorstellbar.
Um dennoch zu einen militärischen Angriff zu drängen, darf man kein Mitgefühl mit anderen Menschen haben. Zumal der Angriffswunsch nicht auf sicheren Erkenntnissen basiert. Ein Krieg kann man nur bei weitgehenden oder völligen Fehlen von Empathie, sozialer Verantwortung und Gewissen fordern.

Entsprechend verwunderlich ist die folgende Aussage von John McCain:

«Man kann sich diese Bilder nicht anschauen, ohne tief bewegt zu sein. Wollen wir das einfach weitergehen lassen?»[1]

Quelle: Handelszeitung

Ein Senator, der einen Krieg mit all seinem Schrecken fordert, ist wohl niemand, der WIRKLICH tief bewegt ist, wenn er ein paar tote Kinder auf Bildern sieht. Denn in einem Krieg wird es noch sehr viel mehr tote und verletzte Kinder und zerstörte Familien geben. Und diese Kinder und Familien gehen dann auf sein persönliches Konto. Es würde nicht überraschen, wenn John McCain nur Krokodilstränen vergießt, um ein skrupelloses Ziel zu erreichen. Einen Krieg.


Literaturverzeichnis:
[1]
Senator McCain ruft USA zu Militäreinsatz in Syrien auf; sda/tke/muv; Handelszeitung; http://www.handelszeitung.ch/politik/senator-mccain-ruft-usa-zu-militaereinsatz-syrien-auf-486061; 23.08.2013