Krieg und Terror kehren zurück nach Europa

Auf die Aussage, dass wir seit 70 Jahren in Frieden leben und die Politik, die dies ermöglicht somit gut sein muss, gab ich zu bedenken, dass wir nur scheinbar in Frieden leben. Vielmehr leben wir in einem System, dass auf Ausbeutung aufbaut und Zerstörung und Gewalt zu Folge hat. Wir leben nicht in Frieden, sondern im Krieg. Dank der Globalisierung ist der Krieg derzeit lediglich ausgelagert.
Bürgerkrieg in Syrien, Terror im Irak, Krieg in Afghanistan, Nahostkonflikt, Bürgerkrieg in Libyen, Bürgerkrieg in Somalia und unzählige weitere Konflikte gehören für viele Menschen auf der Welt zum Alltag. Mitteleuropa ist lediglich eine Insel der Glücksseligkeit im Meer der Gewalt. Dies kann sich jederzeit ändern, gab ich bereits vor einigen Jahren zu bedenken. Mittlerweile ändert sich die Situation tatsächlich. Fürchterliche Terroranschläge mitten in Europa waren vor zwanzig Jahren noch völlig unvorstellbar. Mittlerweile haben wir den dritten großen Terrorangriff in Frankreich erlebt. Noch sind wir in Anbetracht des Schreckens überrascht aber bald werden solche Anschläge möglicherweise zum Alltag gehören.

Menschen können dann in Frieden leben, wenn sie ein sicheres Einkommen haben und sich keine Sorgen um ihre Zukunft machen müssen. Menschen, die in stabilen sozialen Strukturen aufwachsen, gebildet sind und sinnvolle Beschäftigungen haben, werden normalerweise keine Ambitionen haben, ein Einkaufszentrum in die Luft zu sprengen.
Diese Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben der Menschen, sind jedoch nur möglich, wenn die finanziellen Mittel vorhanden sind. In Gegenden, in denen Armut herrscht, kann es demnach keine Sicherheit geben. Nun wäre genug Wohlstand vorhanden, der einigermaßen gleichmäßig Verteilt, eine Basis für eine weitgehend friedliche Welt wäre. Allerdings sind die regionalen Voraussetzungen und Möglichkeiten sehr unterschiedlich, so dass der Wohlstand natürlich nie ganz fair verteilt sein kann. Ein Mechanismus, der zum extremen Ungleichgewicht ganz maßgeblich beiträgt, ist jedoch von Menschen geschaffen: Der Zinseszins im Geldsystem.
Geld verdirbt nicht. Man kann Geld horten und es somit der Allgemeinheit entziehen. Der Zins soll als Belohnung einen Anreiz darstellen, Geld, welches man gerade nicht benötigt, zu verleihen und damit vorübergehend der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Die Idee klingt einleuchtend. Durch den Zins lohnt es sich, einen gewissen Geldbetrag, den man gerade ohnehin nicht benötigt, anderen Menschen zur Verfügung zu stellen, die im Moment nicht genug Geld haben. Nach einiger Zeit erhält man (normalerweise) mehr Geld zurück, als man verleihen hat, und ist dann ohne Aufwand reicher als zuvor. Dieses System hat jedoch einen Haken. Jemand, der ohnehin mehr Geld besitzt, als er benötigt, ist nach dem einträglichen Zinsgeschäft noch reicher und wird dann noch mehr Geld horten, welches der Gesellschaft nicht mehr zur Verfügung steht. Mit der Zeit wird der Teil der Gesellschaft, der zu wenig Geld hat, immer ärmer, während die wohlhabenden Menschen immer reicher werden. Irgendwann würde das gesamte Geld ganz wenigen Menschen gehören. Aus diesem Grund muss ständig neues Geld geschaffen werden. Dies ist beispielsweise bei einer Kreditvergabe durch eine Bank der Fall. Die allgemeine Annahme, dass Banken das Geld der Einlagen ihrer Kunden verleihen, ist nicht zutreffend. Wenn eine Bank einen Kredit vergibt, dann schöpft sie neues (Giral-)Geld und weitet dadurch die Geldmenge aus. Natürlich wird auch ein Kredit nur gegen Zinsen vergeben. Und hier wird die Problematik des Zinssystems ganz besonders deutlich. Wenn die Bank einen Kredit über 1000 Euro vergibt und später 1100 Euro zurückhaben möchte, dann besteht eine Differenz von 100 Euro zwischen dem neu in Umlauf gebrachten Geld und der Forderung. Um den Kredit samt Zinsen zurückzahlen zu können, müssen entweder 100 Euro vom zuvor existierenden Vermögen genommen werden oder es muss ein neuer Kredit aufgenommen werden. Auf diese Weise sammeln sich unvorstellbare Vermögen wieder bei wenigen Menschen, während sich die Allgemeinheit zunehmend verschulden muss.
Wer wohlhabend ist und wer über die Kreditvergabe herrscht, kann Geld gegen Zinsen zur Verfügung stellen und wird dadurch immer reicher. Wer wenig oder kein Geld hat, muss Zinsen bezahlen und ist daher vom Wohlwollen der Kreditgeber abhängig. Wer reich ist, wird so immer reicher und wer arm ist, wird immer ärmer. Im Einzelfall mag es ausnahmen geben und manch ein Tellerwäscher schafft es zum Millionär zu werden. Normalerweise „scheißt der Teufel“ aber immer auf die größten Haufen und somit geht die Schere zwischen Arm und Reich ständig weiter auseinander.
Hinzu kommt, dass große, global agierende Konzerne durch ihren angehäuften Reichtum sehr viel Macht haben und somit Preise und Bedingungen diktieren können. Große Agrarkonzerne können problemlos tausenden Kleinbauern die Lebensgrundlage entziehen, indem sie die Bauern von ihrem patentierten Saatgut abhängig machen und dann beliebig hohe Lizenzgebühren verlangen. Sie können ganze Länder ausplündern und den dort lebenden Menschen alles nehmen, was sie zum Leben brauchen.
Unter solchen Bedingungen kann es keinen Frieden geben. Zins und Zinseszins erzwingen eine permanente Umverteilung der geschaffenen Vermögen von den armen arbeitenden Menschen zu den nicht unbedingt produktiven Vermögensbesitzern. Die Menschen, die jeden Tag ums Überleben kämpfen und in eine unsichere Zukunft blicken, kennen keine stabilen Verhältnisse und keine Sicherheit. Viele dieser Menschen haben nichts mehr zu verlieren und häufig auch nur eine geringe Bildung. Da wundert es dann kaum, wenn sie sich in ihrer Verzweiflung Gruppierungen anschließen, deren Anführer nach Macht streben und vor Gewalt nicht zurückschrecken.

Das System der Umverteilung der Vermögen durch Zins und Zinseszins und der damit einhergehenden Machtkonzentration wird von den selben Politikern unterstützt, die uns in ihren Reden vom Wunsch nach Frieden und Wohlstand erzählen. Wenn Politiker sich wirklich für eine friedliche Welt einsetzten wollten, dann müssten sie sich mit den Problemen auseinandersetzen, die mit dem Zinssystem einhergehen. Sie müssten öffentlich die fatalen Folgen der Vermögensvermehrung durch Zinsen diskutieren und statt grenzenloses Wirtschaftswachstum zu fordern, sollten sie hinterfragen, warum die Wirtschaft eigentlich ständig wachsen muss. Dann würden sie feststellen, dass die Wirtschaft wachsen muss, um die für das Zinssystem so wichtigen Kreditvergaben zu begründen, mit der wenige Menschen immer reicher werden. Dafür verbrauchen wir unvorstellbare Mengen an Ressourcen, zerstören die Umwelt und die Lebensgrundlage unzähliger Menschen. All das interessiert die Politiker aber nicht. Sie gaukeln uns eine Scheinwelt vor, während sie die Probleme weitgehend vor uns verbergen. Auch wenn wir seit 70 Jahren in Europa keinen Krieg hatten, so kann von guter Politik doch keine Rede sein. Die Kriege existieren, wenn auch derzeit in anderen Teilen der Welt. Die Politikdarsteller sind lediglich damit beschäftigt, diese schlimmen Tatsachen vor uns zu verbergen, zu verharmlosen oder schönzureden. Der Frieden, der für uns in Europa bislang selbstverständlich war, ist nur eine Illusion.

Viele Menschen, die unter den Folgen des herrschenden Systems der Vermögensumverteilung besonders zu leiden haben und sich in Europa ein besseres Leben erhoffen, strömen derzeit über die Grenzen. Doch wie viele gewaltbereite Extremisten mögen wohl unter den vermeintlichen Flüchtlingen sein? Was wird geschehen, wenn sich unter den Flüchtlingen tatsächlich viele Kämpfer und religiöse Fanatiker befinden und diese irgendwann mit Waffen versorgt werden? Möglicherweise kehrt der Krieg, der eigentlich nie wirklich weg war, dann wieder mit voller Härte zu uns zurück.

Um großen Schaden anzurichten genügen schon verhältnismäßig wenige Anschläge. Sobald sich die Menschen nicht mehr trauen, zum Arbeitsplatz zu fahren, weil auf jeder Straße, in jedem Bus, in jedem Bahnhof und in jedem Zug mit Sprengsätzen zu rechnen ist, wird die Wirtschaft zusammenbrechen und bald darauf das Finanzsystem, das nur bestehen kann, wenn grenzenloses exponentielles Wirtschaftswachstum generiert wird. Es ist dann nur noch eine Frage der Zeit, bis die Versorgung mit wichtigen Gütern, wie Gas, Wasser, Strom, Treibstoff, Medikamente und Nahrungsmittel zusammenbricht. Bleibt zu hoffen, dass zumindest die Kühlung der Kernkraftwerke weiterhin gewährleistet werden kann.


Weiterführende Informationen:

02.03.2011:
Mordanschlag am Frankfurter Flughafen am 2. März 2011 (Frankfurt, Deutschland; 2 Tote, 2 Verletzte)

13.11.2015:
Terroranschläge am 13. November 2015 in Paris (Paris, Frankreich; 130 Tote, 352 Verletzte)

07.01.2016:
Anschlag auf Charlie Hebdo (Paris, Frankreich; 28 Tote, 170 Verletzte)

22.03.2016:
Terroranschläge am 22. März 2016 in Brüssel (Brüssel, Belgien; 31(?) Tote, 130(?) Verletzte)