Kostspielige energetische Sanierung

Immer wieder ließt man in den Medien Aussagen wie „Hausbesitzern droht Pflicht zur Wärmedämmung“[1]. In Anbetracht der großen Mengen an Energie, die wir benötigen, mag eine solche Forderung von den gewählten Volksvertretenr naheliegend sein, um Energie zu sparen und die Umwelt dadurch zu schonen. Aber wie soll sich das der normale Bürger leisten, der bereits jetzt einen großen Teil seiner Lebenszeit damit verbringt, für die leistungslosen Zinseinkünfte der Reichen zu arbeiten anstatt für sich oder seine Familie? In Zeiten von Minijobs und Rentenkürzungen können unzählige Menschen bereits heute kaum noch den normalen Lebensunterhalt bestreiten und manch einer ist trotz Vollzeit-Beschäftigung auf Sozialhilfe angewiesen. Und vor allem: Geht es wirklich um den Umweltschutz, wie es gerne seitens Politik und Industrie suggeriert wird? Ist das viele Geld also zumindest aus Sicht des Umweltschutzes gut investiert?

Gedämmt werden kann von innen und von außen. Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile.
Die Wärmedämmung eines Gebäudes ist sehr kostspielig, sowohl bei Altbauten, als auch bei Neubauten. Es muss eine luftdichte Hülle hergestellt werden, da die Maßnahmen sonst aufgrund eindringender kalter Luft weniger effektiv sind. Außerdem ist penibel darauf zu achten, dass keine Wärmebrücken entstehen. Diese würden dazu führen, dass die Heizenergie stellenweise nach außen abgeleitet wird. Dort bilden sich bei kalter Außentemperatur am Gebäude besonders kühle Stellen zwischen ansonsten sehr warmen Bereichen. Hier kondensiert schnell das Wasser und es besteht die Gefahr von Schimmelbefall. Wärmebrücken entstehen auch dann, wenn man nicht das gesamte Gebäude auf einmal dämmt und dabei möglichst auch gleich die Fenster und Türen austauscht. Es ist also kaum möglich, Abschnittsweise vorzugehen, und weiterzudämmen, wenn wieder genügend Geld für den nächsten Teilbereich angespart ist. Das freut die Manager der Banken, welchen sich neue Chance auf die Vergaben von einträglichen Krediten bieten.
Eine gute Dämmung macht erst dann richtig Sinn, wenn das Lüften über die Fenster durch eine automatische Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ersetzt wird. Diese Anlagen müssen gepflegt werden. Die Elektronik ist zu überwachen und verschiedene Filter sind regelmäßig auszutauschen, um deren Verstopfung und dem Befall durch Keime vorzubeugen.
Aber auch bei einer fachgerecht durchgeführten Dämmung des gesamten Gebäudes kann es im Nachhinein zu Schäden kommen. Die Dämmplatten einer Außendämmung und die darüberliegende Putzschicht nehmen nicht viel Sonnenenergie auf, so dass sie sich nicht stark erwärmen und schnell wieder abkühlen. Das ist zwar durchaus erwünscht, aber dadurch ist die Außenwand relativ kalt. Auch von den beheizten Räumen wird der Außenbereich durch die Dämmung nicht erwärmt. Das ist naheliegend, denn hierfür wurde ja gedämmt. Das hat aber zur Folge, dass nasse Außenwände nach einem Regen nur schlecht trocknen oder gar das Wasser aus der Luft an den kalten Wänden kondensiert wie am Auto, das vor dem Haus auf dem Parkplatz steht. Die feuchten Wände, die im Gegensatz zum glatten Autolack viele Poren haben, leisten dann dem Algenbefall Vorschub. Der Wert der Immobilie sinkt und dazu kommt ein gesundheitliches Risiko, denn zwischen den Algen gedeihen auch Schimmelpilze gut.[2] Für dieses Problem bieten die Hersteller der Dämmsysteme gegen einen kleinen … oder eher einen größeren Obolus Chemikalien an, welchedas Algenwachstum verhindern sollen. Manche dieser Bioziden oder Algiziden werden direkt dem Putz beigemischt. Die Stoffe belasten natürlich die Umwelt. Da sie wasserlöslich sein müssen werden sie früher oder später ausgewaschen und sickern über den Boden ins Grundwasser. Das kommt der Umweltschutzbilanz der Sanierung nicht unbedingt zugute.
Hinzu kommt, dass die Haltbarkeit der Dämmmaterialien sehr beschränkt ist. Sie wird von den Herstellern gewöhnlich mit etwa 25 bis 30 Jahren angegeben. Es ist also davon auszugehen, dass Dämmung, Putz, diverse Schienen, Schrauben, Leisten, Kleber, Armierungsmörtel, Dichtbänder, Grundierung und natürlich auch der Anstrich und weitere Bauteile nach dieser Zeit komplett erneuert werden müssen. Ob sich die Investition bis dahin amortisiert hat ist fraglich und dann steht gleichzeitig die Entsorgung des giftigen Sondermülls und eine erneute Dämmung an. Hier wird es richtig hässlich für die Umwelt, vor allem wenn Dämmplatten auf Erdölbasis verwendet wurden. Es gibt Verfahren, diese Platten selbst dann in ihre Bestandteile zu zerlegen, wenn sie mit den Klebe- und Schutzschichten verbunden sind. Das ist eine Voraussetzung dafür, dass eingesetzten Rohstoffe überhaupt sinnvoll weiterverwendet werden können. Aber daran haben Politiker und Konzerne kein Interesse. Das mag daran liegen, dass die primitive Verkleinerung und Entsorgung der Dämmplatten finanziell lukrativer ist.

Wenn es bei den Dämmverordnungen tatsächlich um den Umweltschutz geht, müsste auch die Haltbarkeit und natürlich Entsorgung der Dämmmaterialien eingeplant und gewissenhaft nach besten technischen Möglichkeiten umgesetzt werden und nicht nach renditeorientierten Aspekten. Darüber hinaus wäre es natürlich angemessen, wenn auf Produkte, die dem Umweltschutz dienen grundsätzlich keine Steuern erhoben werden, um unnötige finanzielle Hürden zu vermeiden. Aber so wichtig scheint der Umweltschutz dann doch nicht. Die Steuern bleiben gewiss erhalten, denn letztendlich geht es auch beim „Umweltschutz“ nur ums Geld. Wenn dann nach einigen Jahren die Kosten für die Sanierung der verschimmelten Dämmung und bald darauf die Entsorgung des Sondermülls anstehen, wird sich keiner der Politiker, welche die entsprechenden Verordnungen erlassen haben, dafür verantwortlich fühlen.
Auch die Verwendung der einstige „Wunderfaser“ Asbest, die unter anderem umfassend zum Dämmen eingesetzt wurde, ist heute in vielen Ländern verboten und nur noch teurer Sondermüll, für dessen Entsorgungkosten niemand aufkommen möchte.




Literaturverzeichnis:
[1]
Hausbesitzern droht Pflicht zur Wärmedämmung; Die Welt; Norbert Schwaldt; http://www.welt.de/dieweltbewegen/article13891251/Hausbesitzern-droht-Pflicht-zur-Waermedaemmung.html; 27.02.2012

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