Können Bürgerwehren die Sicherheit auf lange Sicht erhöhen?

Wenn Polizei und Justiz ihrer Aufgabe gewachsen wären, die friedlichen Bürger vor kriminellen Zeitgenossen zu schützen, müsste sich niemand sorgen vor Raubüberfällen auf öffentlichen Plätzen oder vor Wohnungseinbrüchen machen. Leider ist das nicht der Fall und so ereignen sich Jahr für Jahr tausende Straftaten, welchen den Opfern nicht nur finanzielle Schäden zufügen, sondern mitunter auch ganz erhebliche psychischen.
Da ist es dann kein Wunder, dass sich die Menschen einer Gemeinde zu Bürgerwehren zusammenschließen. Da in der Strafprozessordnung das Jedermann-Festnahmerecht gilt, ist es sogar legal, auf frischer Tat ertappte Straftäter festzuhalten und der Polizei zu übergeben. Dies ist jedoch ein gefährliches Unterfangen, schließlich wird so manch ein Räuber Erfahrung im Nahkampf haben und auch vor dem Einsatz von Waffen nicht zurückschrecken. Sollten Mitglieder von Bürgerwehren beim Versuch ihr Eigentum vor Kriminellen zu schützen jedoch Gewalt anwenden, droht ihnen ein Strafverfahren wegen Körperverletzung. Der Kampf ehrlicher Bürger, gegen kriminelles Gesindel ist somit ein sehr ungleicher. Während die Verteidiger sich von den Strafen vermutlich abschrecken lassen, die ihnen drohen, wenn sie einen Einbrecher verletzen, werden die Verbrecher sich von deutschen Gesetzten und Strafen kaum beeindrucken lassen. Vor allem Straftäter aus dem Ausland, haben nur wenig zu befürchten.

Ein Gefängnisaufenthalt in Deutschland sei für sie keine Abschreckung. „Wer im Kosovo, Rumänien, Bulgarien, Peru oder Bolivien von einem Euro am Tag vegetieren muss, empfindet einen deutschen Knast nicht als Strafe“, sagt der Ermittler.[1]

Quelle: Die Welt

Wer also einem Einbrecher oder einem Räuber gegenübersteht, muss damit rechnen, dass er von diesem schwer verletzt oder getötet wird, während er selbst dem Kriminellen keinen Schaden zufügen kann, ohne mit schweren Sanktionen rechnen zu müssen. Da auch die Polizei keine ausreichende Sicherheit gewährt, sind wir den kriminellen weitgehend schutzlos ausgeliefert. Die Gesetze, die Selbstjustiz untersagen und dem Staat das Gewaltmonopol sichern, sichern leider nicht die Fähigkeit des Staates, sein Gewaltmonopol auch so auszuüben, dass alle Menschen im Land sicher sind. Polizisten dürfen zwar im Gegensatz zu normalen Bürgern gegen Kriminelle mit erhöhter Gewalt vorgehen, ohne direkt mit schweren Sanktionen rechnen zu müssen, sind aber dafür oftmals nicht ausreichend Gerüstet und ausgebildet und zudem unterbesetzt. Außerdem dürfen auch Kriminelle natürlich nur im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten verfolgt und bestraft werden und diese Gesetzte sind mitunter eher sehr lasch. Da kommt auch so manch ein auf frischer Tat ertappter Taschendieb nach wenigen Stunden ohne Sanktionen wieder frei und kann ungehindert die nächsten Straftaten verüben.
Die Gesetze, die eigentlich ein friedliches Zusammenleben sichern sollen, machen es den Kriminellen nun besonders leicht, ohne großes Risiko auf Diebeszüge zu gehen. Die Polizei stellt für sie keine große Gefahr dar, Gefängnisaufenthalte sind keine Abschreckung und die Bürger werden vom Staat daran gehindert, ihr Hab und Gut zu verteidigen.

Was wäre, wenn jeder zumindest das Recht hätte, sich mit Gewalt gegen Einbrecher und Räuber zu wehren? Die Ganoven müssten nun damit rechnen, bei ihren Beutezügen erschossen zu werden, so wie auch die Opfer damit rechnen müssen, beim Überfall getötet zu werden. Das wäre zumindest etwas fairer. Aber eine Lösung kann dies nicht sein.
Welche Lösung könnte es geben? Nun, wohlhabende Menschen werden nicht in Häuser einbrechen und das Tafelsilber oder den Flachbildfernseher klauen. Einbrecher sind häufig Menschen, denen es finanziell überaus schlecht geht und die nichts mehr zu verlieren haben. Sie müssen kriminell handeln, um überhaupt leben zu können. Sie werden sich also von bewaffneten Hausbesitzern und Bürgerwehren kaum abschrecken lassen, sondern eher noch weiter aufrüsten und noch skrupelloser vorgehen.
Dieses Problem kann nur gelöst werden, wenn die Ursachen für die kriminellen Handlungen beseitigt werden: die Armut vieler Menschen. Wenn jeder ein Dach über dem Kopf und ausreichend Essen und Trinken haben kann, dann wird die Notwendigkeit für Straftaten zurückgehen. Hierzu benötigen wir ein Geldsystem, dass sicherstellt, dass jeder unabhängig von einem Arbeitsplatz in Würde leben und mit ehrlicher Arbeit leicht zu einem gewissen Wohlstand kommen kann. Im Moment ist es so, dass die arbeitenden Menschen automatisch immer ärmer werden, während das Geld durch Zins und Zinseszins zu den reichen Mitbürgern fließt. Dieses zinsbasierte Geldsystem kennt bei der Umverteilung keine Gnade. Es nimmt jedem ehrlich arbeitenden Menschen einen Teil des Lohns und gibt ihn den Reichen, die somit nicht arbeiten müssen. Wenn dann den Armen nicht mehr genug Lohn von der Arbeit zum Leben bleibt, müssen sie andere Wege finden, an Geld zu kommen und sie werden fortan auf kriminellen Pfaden wandeln. Mit Bürgerwehren kann man es den Kriminellen etwas schwerer machen, aber man kann nichts daran ändern, dass sie in Häuser einbrechen müssen, um überleben zu können. Man wird die Einbrüche dadurch also nicht verhindern. Dies gelingt nur, wenn man ein System aufbaut, in dem niemand in bitterer Armut leben muss und somit zumindest keine Notwendigkeit mehr besteht, andere auszurauben um zu überleben. Diejenigen, die dennoch in Wohnungen einbrechen, weil sie die Gier nach noch mehr Reichtum treibt, müssen dann aber auch konsequent durch die Polizei verfolgt und eingesperrt werden, so dass sie keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit darstellen.
Es genügt also nicht, die Symptome mit immer mehr Gewalt zu bekämpfen. Der Staat ist ohnehin hoffnungslos überfordert in der Ausübung seines Gewaltmonopols und Bürgerwehren führen auf lange Sicht zu eine ständigen Zunahme der Gewalt. Eine Veränderung zum Positiven kann es nur geben, wenn die Voraussetzungen dafür geschaffen werden und hier führt kein Weg an einem Geldsystem vorbei, dass jedem Menschen ein würdiges Leben sichert und die Anhäufung unvorstellbarer Reichtümer durch Zinseinnahmen und Spekulationen verhindert.


Weiterführende Informationen:
Kriminalität – Warum Diebe an der Ostgrenze leichtes Spiel haben
Frau in Auto gezogen, missbraucht und ausgesetzt – Regensburg jagt Täter-Trio


Literaturverzeichnis:
[1]
Sicherheit – Bürgerwehren gehen lieber selbst auf Verbrecherjagd; Die Welt; Richard Haimann; http://www.welt.de/finanzen/immobilien/article127846568/Buergerwehren-gehen-lieber-selbst-auf-Verbrecherjagd.html; 10.05.2014