Können biologisch angebaute Lebensmittel alle Menschen ernähren?

Wir stopfen uns jeden Tag mit ungesundem industriellen Massenfraß voll, der von landwirtschaftlichen Hochleistungsbetrieben produziert oder von Sklaven auf fernen Kontinenten angebaut wird. Und natürlich gehört zu jeder Mahlzeit eine große Portion Fleisch von Tieren, die dicht gedrängt in engen Ställen gezüchtet werden. Die Krankheitserreger, die sich dort ausbreiten können nur mit Antibiotika „in Schach“ gehalten werden und dafür nimmt man gerne in Kauf, dass die Erreger mit der Zeit gefährliche Resistenzen gegen diese für uns so wertvollen Medikamente entwickeln. Die Zustände in den Ställen großer Betriebe sind mitunter so erbärmlich, dass kein Betreiber eines solchen unternehmen guten Gewissens eine Schulklasse einladen oder ein Fernsehteam in seinen Räumen eine Reportage drehen lassen würde. Stattdessen drucken die Produzenten bunte Fantasiebilder von idyllischen Fantasiewelten auf die Plastikpackungen und schicken die Schulkinder in ausgewählte familiär geführte Vorführ-Bauernhöfe, die eigentlich zwischen den großen Konzernen kaum bestehen können und eine Ausnahme darstellen.
Dabei ginge es auch anders. Bislang hat Bio-Landbau den Ruf, ineffizient und teuer zu sein und disqualifiziert sich damit, die Menschheit zu ernähren. Doch ist das wirklich so?

Ist Bio-Landbau tatsächlich so ineffizient, dass an ihm die Welt verhungern müsste? Ein Forscherteam der University of California in Berkeley hat das getan. Die Proceedings of the Royal Society B veröffentlichen jetzt die Ergebnisse einer Metastudie, in der die Wissenschaftler 115 Studien mit insgesamt rund 1000 Beobachtungen zusammenfassen. Das ist eine etwa dreimal so große Datenbasis wie bei früheren Meta-Untersuchungen.[1]

Quelle: Telepolis

Laut der Studie sinken die Erträge durch ökologische Landwirtschaft zwar tatsächlich, aber nur in geringem Ausmaß, sofern man diese Form der Landwirtschaft sorgfältig betreibt. Im Gegenzug dafür werden die Böden deutlich weniger belastet und es werden dadurch mit der Zeit vermutlich weniger Ackerflächen verloren gehen, als es derzeit durch die intensive Bewirtschaftung der Fall ist.
Derzeit werden mehr Nahrungsmittel produziert, als die gesamte Menschheit zum Leben benötigt. Das Problem ist die Verteilung. Viele Menschen hungern oder verhungern, weil sie keine Nahrungsmittel erhalten. Andernorts werden schon die Hälfte der produzierten Lebensmittel zwischen Ackerfläche und Ladenregal weggeworfen. Dieses Essen erreicht den Verbraucher erst garnicht. Und dann werfen auch die Verbraucher viele Nahrungsmittel weg, die eigentlich noch genießbar währen.
Nicht vergessen sollte man auch, das der ausufernde Fleischkonsum eine beachtliche Verschwendung an Energie, Ackerflächen und Rohstoffen darstellt. Mit der Menge an Pflanzen, die man zunächst anbauen muss, um die Tiere zu Füttern, damit ein Mensch vom Fleisch leben kann, könnte man viele Menschen auf pflanzlicher Basis ernähren. Die Reduzierung des Fleischkonsums hätte also direkt zur Folge, dass entweder mehr Menschen ernährt werden können oder dass der Flächenverbrauch für die Landwirtschaft sinken würde.
Es könnte also durchaus möglich sein, sehr viele Menschen ökologisch verträglich zu ernähren. Wir müssten lediglich unsere Gewohnheiten umstellen und dafür sorgen, dass die Lebensmittel auch dort ankommen, wo sie benötigt werden. An der Umstellung kann sich jeder beteiligen. Der Verzicht auf Fleisch oder vielleicht sogar komplett auf tierische Produkte wäre ein erster Schritt, den jeder unabhängig von anderen für sich alleine gehen kann. Es gibt viele Menschen, die sich dem Umweltschutz verpflichtet fühlen und mit dem Rad zur Arbeit fahren, anstatt das Auto zu nehmen oder die Wohnung mit energiesparenden Lichtquellen beleuchten, um die Umwelt weniger zu belasten. Warum also nicht auch die Ernährung überdenken? Es muss ja nicht gleich Bio sein. Lebensmittel, auf deren Packung „Bio“ steht, sind derzeit leider noch sehr teuer und möglicherweise wurden sie unter kaum besseren Bedingungen hergestellt, als konventionelle Lebensmittel. Aber trotzdem kann man zumindest die sehr aufwändig herzustellenden tierischen Produkte aus seinem Speiseplan nach und nach durch pflanzliche Alternativen ersetzen. Die Auswahl ist mittlerweile sehr groß. Dies wäre nicht nur ein großer Schritt für den Umweltschutz, sondern würde den Tieren auch viel Leid ersparen.
Problematischer stellt sich die Verteilung der Lebensmittel dar. Diese ist abhängig vom Geld und da können wir derzeit selbst nur wenig ändern.
Wo viel Geld ist, ist viel Essen. Sehr deutlich wurde mir dies in Afrika. Die Touristen haben sich am Buffet die Teller vollgeladen. Nudeln, Saucen, Fleisch, Gemüse, Gebäck, … Es war alles im Überfluss vorhanden. Aber eben nur für die reichen Touristen. Die Einheimischen mussten die noch halb- oder gar dreiviertel-vollen Teller abräumen und die Reste wegwerfen, während sich die „Gäste“ schon wieder Nachschlag von einem anderen leckeren Gericht holten. Die Touristen warfen mitunter so viel Essen weg, dass man davon noch ein oder zwei Menschen ernähren könnte, während sich die Bediensteten von ihrem spärlichen Lohn so ein Abendessen nicht leisten konnten. Hätten die Einheimischen mehr Geld, könnten auch sie sich das Essen leisten, das sie jeden Tag den Fremden servieren. Es ist also nur eine Frage des Geldes. Doch so lange wir weltweit ein zinseszinsbasiertes Geldsystem haben, das automatisch dafür sorgt, dass die Reichen ohne Arbeiten zu müssen immer reicher werden, während die Armen trotz harter Arbeit immer ärmer werden, wird sich an der Situation nichts ändern. So lange dieses Geldsystem unser Leben beherrscht, wird es dafür sorgen, dass viele Menschen verhungern während andere Menschen die Lebensmittel einfach in den Mülleimer werfen. Da helfen auch die immer wieder gerne veranstalteten Spendenaktionen nichts. Vor allem zur Weihnachtszeit wird viel Geld für angeblich gute Zwecke eingesammelt und Prominente nutzen die Gelegenheit, sich in einem positiven Licht des Wohltäters zu profilieren, indem sie ihre Mittagspause „opfern“, um am Spendentelefon Anrufe entgegenzunehmen. Aber dadurch ändert sich nichts an der Situation der automatischen Umverteilung. Das Geld, dass heute den armen Menschen gespendet wird, ist schon morgen bei den Reichen Menschen, welchen die Landwirtschaftsflächen und die Lebensmittelindustrieanlagen gehören. Die Wurden dadurch noch reicher und mächtiger und die armen Menschen hatten nur eine zusätzliche Mahlzeit, wenn überhaupt. Um wirklich etwas zu verbessern, sollten die Prominenten sich nicht hinter Spendentelefonen verstecken, sondern ihre Bekanntheit dazu nutzen, die Menschen über die wahren Ursachen der Probleme unserer Zeit zu informieren. Nur so kann nach und nach weltweit ein Umdenken stattfinden. Nur wenn die Menschen informiert sind, können sie ein besseres Geldsystem fordern oder zumindest akzeptieren. Wenn die Menschen nicht informiert sind, werden sie sich auch weiterhin an das jetzige System klammern, das unvorstellbar viel Elend und Leid mit sich bringt. Informierte Menschen hingegen können ihre Ernährung überdenken und auf Lebensmittel umsteigen, deren Anbau weniger Energie und Ressourcen verschwendet. Informierte Menschen können sich für ein Finanzsystem einsetzen, das es zulässt, dass alle Menschen genug Geld zum leben haben und sich jeder etwas von der großen Menge an vorhandenen Lebensmitteln leisten kann. Und wenn wir weniger verschwenden, können wir auch mehr Lebensmittel zu niedrigen Preisen biologisch nachhaltig anbauen.


Literaturverzeichnis:
[1]
Kann Öko die Welt ernähren?; Telepolis; Matthias Gräbner; http://www.heise.de/tp/artikel/43/43563/1.html; 10.12.2014