Kommerzieller Grundgedanke des Sports

Bunte Olympia-Kringel
Sport ist Mord, so hört man es zumindest immer wieder und wer sich einmal mit dem Mountainbike bei sommerlicher Hitze einen Berg hochgequält oder sich anderweitig beim Sport verausgabt hat, der kann sich ungefähr vorstellen, was damit gemeint ist. Natürlich gehören auch Turniere zum Sport, denn Menschen sind geneigt, ihre Kräfte und Fähigkeiten mit anderen zu messen. Das motiviert und spornt zu Höchstleistungen an.
In der heutigen Zeit ist Sport aber weniger Mord, als viel mehr eine gigantische Werbeveranstaltung. Millionen „Sportbegeisterte“ sitzen ganz unsportlich in ihren Sesseln und schauen trainierten Menschen zu, wie sie bei Wettkämpfen gegeneinander antreten und dabei verschiedene Logos von diversen Konzernen zur Schau stellen. Dabei geht es nicht einmal so sehr um den Sport selbst. Würde man sich für den Sport tatsächlich interessieren, währe es naheliegend, den Sportler auch bei ihrem Training zur Seite zu stehen um mehr über die Tätigkeit zu erfahren oder gar selbst in einem der lokalen Vereine aktiv zu werden. So aber versammeln sich die Massen nur bei ausgewählten Großveranstaltungen wie auf Kommando und tun so, als wären sie an der Sache interessiert. Vor und bald nach den inszenierten Mega-Events versinkt der Sport für unzählige Menschen wieder in der Bedeutungslosigkeit.
Während dieser Veranstaltungen, sei es eine Fußball-EM oder -WM oder eine Sommer- oder Winterolympiade oder Skispringen, geht es eigentlich nicht um den Sport als solchen, sondern es geht nahezu ausschließlich darum, Produkte und Marken zu bewerben. Mit dieser Thematik befassen sich bereits die Artikel „Ohne Alkohol kein Sport“ und „Die Aufgabe des Fußballfans“.
Richtig deutlich wird das Ausmaß der Kommerzialisierung des Sports bei den aktuellen olympischen Spielen in England. Bei dieser Veranstaltung, die durch Boden-Luft-Raketen und von bewaffneten Soldaten geschützt werden muss, zahlen verschiedene Sponsoren für die Exklusivrechte, bestimmte Produkte zu verkaufen und ihre Markenzeichen präsentieren zu dürfen. Unter den Hauptsonsoren sind unzählige Firmen, zu deren Firmenphilosophie ganz sicher nicht Sportlichkeit und Fairness zählen. Das sind Firmen, die weder durch ihre Produkte noch durch ihr Handeln mit dem Sport verbunden sind. Konzerne, die ihren Umsatz durch Alkohol, Zucker, Fett oder hochgiftige Chemikalien bestreiten, zeigen sehr deutlich, dass sie bei diesen Spielen nur präsent sind, um ihr Markenimage zu kommunizieren und nicht, weil es ihnen um den Sport und ein gesundes Leben an sich ginge. Ganz im Gegenteil, bei solchen Sportveranstaltungen können die Konzerne sich in ein unverdientes positives Licht der Gesundheit und Fitness rücken und Assoziationen in den Köpfen der Menschen festigen, welche nicht mit der Realität übereinstimmen. Über die Menschenrechtsverletzungen und die Zerstörung der Umwelt durch einige der Sponsoren möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst schreiben.
Wer immer noch glaubt, dass bei einer modernen Sportveranstaltung der Sport und die persönliche Leistung der Athleten im Mittelpunkt steht, der sollte sich etwas näher mit den Hintergründen des Sponsorings befassen.
So ist es den Inhabern der umliegenden Geschäften beispielsweise verboten, Blumen im Schaufenster in Form der olympischen Ringe anzuordnen (obwohl die gesetzlichen Schutzfrist auf das Logo von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers bereits abgelaufen ist). Die Verwendung dieses nahezu hundert Jahre alten Zeichens ist aus Markenschutzrechtlichen Gründen nur einem ausgewählten Personenkreis gestattet. Außerdem ist es nicht autorisierten Personen verboten, Kombinationen verschiedener gewöhnlicher Wörter wie Spiele, 2012, Zwölf, Medaillen, Gold und so weiter zu verwenden. Zur Kontrolle der Einhaltung dieser Bestimmungen werden Spione eingesetzt. [1]
Es wird aber noch absurder: Betreiber des amerikanischen Fresstempels mit dem schottischen Namen konnten durchsetzen, dass die etwa 800 Lokale an den verschiedenen Wettkampforten während der Dauer der Olympiade keine Pommes mehr verkaufen dürfen, es sei denn sie werden zusammen mit totem Fisch angeboten, da dies als Nationalgericht Bestandsschutz genießt.[2]
Der Interessenschutz der Sponsoren geht aber noch weiter. So müssen Gäste damit rechnen, das Gelände nicht betreten zu dürfen, wenn auf ihrer Kleidung die Markenzeichen von Konzernen aufgedruckt sind, welche nicht zu den zahlungskräftigen Sponsoren gehören. Getrunken werden nur die (meist ungesunden) Getränke der Sponsoren und Geldautomaten werden auch nur vom entsprechenden Sponsor bereitgestellt.[2][3]
Bei dieser Olympiade wird alles darangesetzt, dass möglichst nur Marken der Sponsoren zu sehen sind und dass es nur Produkte von diesen zu kaufen gibt. Das sollte recht deutlich zeigen, worum es wirklich geht, denn aus Sicht der Sportler dürfte es egal sein, von welcher Firma die Zuschauer ihre Kleidung beziehen und welche Getränke sie in sich hineinschütten. Diese Dinge sind lediglich für die Konzerne von Bedeutung und um die geht es die nächsten Tage.


Literaturverzeichnis:
[2]
Wie man die Olympia-Sponsoren provozieren kann; Die Welt; Jens Bierschwale; http://www.welt.de/debatte/kolumnen/auszeit/article108400819/Wie-man-die-Olympia-Sponsoren-provozieren-kann.html; 27.07.2012
[3]
Pepsi-T-Shirt? Nike-Trainingsanzug? Du kommst hier nicht rein!; Focus; Pierre Winkler; http://www.focus.de/sport/olympia-2012/sponsoren-bei-olympia-2012-pepsi-t-shirt-nike-trainingsanzug-du-kommst-hier-nicht-rein_aid_785945.html; 24.07.2012