Kann man das Geldsystem mit einer Reichensteuer retten?

Man erschafft ein Geldsystem, bei dem Geld nur als Kredit in die Welt kommt. Somit steht dem Geldvermögen eine entsprechende Schuld gegenüber. Das von den Banken geschöpfte und an Kreditnehmer verliehene Geld muss früher oder später zurückbezahlt werden, zuzüglich Zins und Zinseszins. Folglich sind die tatsächlichen Schulden immer höher, als die vorhandenen Vermögen. Um die fälligen Zinszahlungen leisten zu können, ohne dass die vorhandene Geldmenge schrumpft, müssen ständig neue Kredite vergeben werden. Dadurch steigt allerdings im Gesamten die Verschuldung weiter an. Wenn ein Kredit getilgt wurde, gleichen sich Schuld und Tilgung aus. Ein Nullsummenspiel. Die bislang angefallenen Zinsen erhöhen aber das vorhandene Geldvermögen in Form von Gewinnen für die Banken.
Zins und Zinseszins haben aber nicht nur auf die Banken einen gewinnbringenden Effekt. Auch die Besitzer von Geldvermögen profitieren von diesem System. Sie können ihr Geld gewinnbringend anlegen. Wenn sie das Geld auf einem Bankkonto „deponieren“, kann die Bank das Geld als Mindestreserve nutzen, um neue Kredite vergeben zu dürfen. Einen Teil der Zinsen aus den Krediten reicht die Bank an den Vermögensbesitzer weiter. Dessen Guthaben wächst somit ständig an.
Kurzum: Die Reichen werden ohne zu arbeiten immer reicher, während die armen arbeitenden Menschen für ständiges Wirtschaftswachstum sorgen müssen, um die fälligen Zinsen zu bedienen und das nötige Geldmengenwachstum zu realisieren. Die Verteilung in diesem System ist äußerst ungleichmäßig. Die ohnehin schon reichen Menschen bekommen automatisch immer mehr, während die armen Menschen immer weniger erhalten. Dies muss irgendwann zu enormen Spannungen führen. Zum einen muss die Wirtschaft ständig wachsen, was mit einem enormen Ressourcenverbrauch verbunden ist. Zum anderen wenigen Superreichen immer mehr Arme gegenüber.
Und als „Lösung“ schlägt der Internationaler Währungsfonds vor, das Geld in Form einer Vermögensabgabe von den Reichen zu nehmen um damit Schulden zu begleichen, wie Die Welt im Artikel „Kommt die Reichensteuer gegen Staatspleiten?“ berichtete. Das ist eine sehr beschränkte Idee. Die Grundlegende Problematik bleibt dabei bestehen. Möglicherweise erhält man auf diese Weise kurzfristig eine Linderung der Symptome. Aber dadurch sind die Schulden immer noch höher, als die vorhandenen Geldvermögen und die problematische Umverteilung geht einfach weiter. In wenigen Jahren wird man dann wieder vor den altbekannten Problemen stehen. Selbst wenn man jeden verfügbaren Cent nimmt und an die Banken zur Tilgung der Kredite zurückgibt, wären wir immer noch verschuldet! Die Schulden wären zwar nicht mehr so hoch wie heute, aber es gäbe auch kein Geld mehr. Aus dem Teufelskreis des Zinssystems kommt man nicht durch einen Schuldenschnitt oder einer Umverteilung des Geldes heraus. Solange die zerstörerischen Mechanismen wirken, wird die Entwicklung immer in eine fatale Richtung gehen. Ganz automatisch. Das Geldsystem lässt sich nicht durch eine Reichensteuer retten.
Kann es wirklich sein, dass die Entscheidungsträger beim Internationaler Währungsfonds und bei den Banken diese Zusammenhänge nicht verstehen? Wohl kaum. Sie versuchen vermutlich viel eher das System einfach noch so lange, wie irgendwie möglich weiter zu betreiben, bis alle aufzubringende Kraft nicht mehr genügt, den Zusammenbruch zu verhindern. Denn so schlimm das System auch ist, im Moment gehören diese Menschen zu den Profiteuren, die ohne eine nennenswerte Leistung erbringen zu müssen, immer mehr Geld erhalten. Sie müssen nur noch dafür sorgen, dass dieses Geld noch möglichst lange als Zahlungsmittel anerkannt wird.