In Schweden soll das Bargeld abgeschafft werden

Nur Bahres ist Wahres, so sagt der Volksmund. Da ist etwas dran. In der Euro-Zone beispielsweise ist sogar nur Bargeld gesetzliches Zahlungsmittel. Weder Zentralbankgeld noch Buchgeld genießen diesen Status. Bargeld ermöglicht es auch dann zu bezahlen, wenn elektronische Alternativen ausgefallen sind oder die Chip-Karte nicht mehr lesbar ist. Mittels Bargeld kann anonym und unkompliziert bezahlt werden. Es werden bei der Bezahlung mit Bargeld auch keine Transaktionsgebühren fällig, wie sie beispielsweise von den Banken bei Kartenzahlungen eingefordert werden. Und natürlich müssen auch keine technischen Voraussetzungen erfüllt werden. Wer in der Fußgängerzone einem Musiker für die schöne Unterhaltung einen kleinen Obolus zukommen lassen möchte, kann dies einfach und unverbindlich tun, indem er ein paar Münzen in die Spendendose wirft. Der Straßenmusikant braucht hierfür kein teures Terminal mit Onlineanbindung und muss bei einer Spende auch nicht damit rechnen, dass er draufzahlt, weil die Gebühren, welche die Bank für die Transaktion erhebt, höher sind, als die Spende. Ein in den heutigen Zeiten nicht zu unterschätzender Vorteil ist außerdem, dass man das Bargeld einzelner Kunden nicht so leicht sperren kann, wie es beispielsweise mit einem Bankkonto möglich ist.
Das sind aus Sicht der Bevölkerung durchaus gewichtige Gründe für die Beibehaltung von bargeld. Entsprechend schwer verständlich ist die Aussage des früheren Mitglieds der Musikgruppe ABBA, Björn Ulvaeus, dass ihm nicht einleuchtet, warum wir noch weiter Geldscheine drucken sollten.[1] Damit unterstützt er natürlich klar die Position der Politiker und Banker, die durchaus ein großes Interesse an der Abschaffung von Bargeld haben. Wenn jeder Bürger auf ein Bankkonto angewiesen ist und seine Rechnungen nur noch darüber begleichen kann, kann man jeden Menschen kontrollieren und bei Bedarf die Existenzgrundlage entziehen. Außerdem kann das durch Zinseszins erzwungene Geldmengenwachstum noch eine Weile weitergehen werden, da da das Bargeld, das die Geschäftsbanken im Gegensatz zum Buchgeld nicht selbst schöpfen können und das damit ein Hindernis darstellt, nicht mehr existiert. Die hemmungslose Geldmengenausweitung (und damit Entwertung) wird dadurch begünstigt.
Die Abschaffung des Bargeldes kann somit gewiss nicht im Interesse der normalen Bürger liegen, sondern dient lediglich den Bedürfnissen der Finanzoligarchie. Dennoch titelt die Zeitung „Die Welt“ in einem Online-Artikel vor etwa einem Jahr „Schweden wollen ihr Bargeld abschaffen“. Das klingt, als möchten die Menschen, dass ihnen das Bargeld genommen wird. Der Titel „In Schweden soll das Bargeld abgeschafft werden“, währe deutlich treffender.


Literaturverzeichnis:
[1]
Währungen – Schweden wollen ihr Bargeld abschaffen; dapd/dma; Die Welt; http://www.welt.de/finanzen/article106169026/Schweden-wollen-ihr-Bargeld-abschaffen.html; 10.04.2012