Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt!

Obwohl viele Menschen Tag für Tag hart arbeiten und dennoch immer ärmer werden, Bildungs- und Sozialsysteme nach und nach abgebaut werden und das Rentensystem zerstört wird, glauben noch immer viele Menschen, dass es uns eigentlich ganz gut geht. Auch die ständig wachsende Verschuldung beunruhigt die meisten Menschen nicht wirklich.
Doch woher stammt dieser fatale Irrglaube? Wieso ist den Menschen nicht bewusst, was um sie herum passiert? Möglicherweise liegt es an den vielen Falschmeldungen, die täglich publiziert werden. So hat die Bundesregierung, also die durch das Volk gewählten Vertreter, beispielsweise den Armutsbericht geschönt, um die schockierende Wahrheit zu verschleiern.
So wurde folgende Aussage vor der endgültigen Veröffentlichung noch einmal abgeändert, wie die Süddeutsche berichtete:[1]

„Während die Lohnentwicklung im oberen Bereich positiv steigend war, sind die unteren Löhne in den vergangenen zehn Jahren preisbereinigt gesunken. Die Einkommensspreizung hat zugenommen.“ Diese verletze „das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung“ und könne „den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden“.

Diese Aussage mag den Tatsachen entsprechen. Aber sie entspricht nicht „der Meinung der Bundesregierung“, wie FDP-Chef und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler nach Bekanntwerden der ersten Fassung mitteilte. So wurde der Abschnitt dann auch angepasst und es heißt jetzt, dass sinkende Reallöhne „Ausdruck struktureller Verbesserungen“ am Arbeitsmarkt seien. Denn zwischen 2007 und 2011 seien im unteren Lohnbereich viele neue Vollzeitjobs entstanden, und so hätten Erwerbslose eine Arbeit bekommen.

Zwei mal drei macht vier,
widewidewitt und drei macht neune,
ich mach mir die Welt,
widewide wie sie mir gefällt.

Politiker reden sich die Welt ähnlich dem Text des Kinderliedes „Hey, Pippi Langstrumpf“ wie sie ihnen gefällt. In den Fantasien der Volksvertreter werden aus Menschen, die täglich ums Überleben kämpfen, schon mal glückliche Gewinner, denen es einfach nur gut geht.
Diese Wahnvorstellungen werden von den Medien gerne aufgegriffen und viel zu häufig unreflektiert und unkommentiert verbreitet. Da ist es dann kein Wunder, dass die Menschen irgendwann glauben, dass alles in bester Ordnung sei.


Literaturverzeichnis:
[1]
Bundesregierung schönt Armutsbericht ; Süddeutsche; Thomas Öchsner; http://www.sueddeutsche.de/politik/einkommensverteilung-in-deutschland-bundesregierung-schoent-armutsbericht-1.1535166; 28.11.2012