Ich bremse auch für Tiere

Folgende fiktive Geschichte könnte sich so zutragen: Der Vater ist mit seinen beiden kleinen Kindern im Streichelzoo, wo sie liebevoll die Ziegen streicheln. Der Vater ist noch etwas aufgewühlt. Beinahe hätte er auf dem Weg zum Zoo einen Hasen überfahren, der plötzlich über die Straße hoppelte. Natürlich bremste er stark ab, keine Frage. Schließlich wollte er das Leben des kleinen Tieres nicht gefährden. Ein Schild hinter der Rückscheibe seines Wagens verkündet schon seit langem „Bitte Sicherheitsabstand halten, ich bremse auch für Tiere“. Wieder zurück aus dem Zoo spielen die Kinder noch mit ihrem Hund, während die Eltern das Essen zubereiten. Ja, in dieser Familie wird Tierliebe ganz groß geschrieben. Gerade gestern haben sich die Eltern darüber unterhalten, wie abscheulich Tierquälerei ist. Es ist für sie unverständlich, wie man einem Tier Leid zufügen kann, ohne dabei Gewissensbisse zu bekommen.
Das Essen ist nun fertig, die Kinder waschen sich noch schnell die Hände und kommen dann zu Tisch. Es gibt einen zarten Lammbraten mit einer feinen Kräutersauce und dazu deftige Knödel.

Es erscheint paradox. Menschen, die Tieren auf der einen Seite kein Leid zufügen würden, haben auf der anderen Seite keine Probleme damit Fleisch zu kaufen. Dass die Tiere, von denen das Fleisch ist, unter grausamsten Bedingungen gehalten wurden und dass sie wahrscheinlich qualvoll gestorben sind, ist nicht von Bedeutung. So würde es mich auch kaum wundern, auf einem LKW für Tiertransporte den Aufkleber „Bitte Sicherheitsabstand halten, ich bremse auch für Tiere“ zu sehen. Gewöhnlich sehen wir uns als tierlieb an. Im Zoo streicheln die Kinder liebevoll die Ziegen, der Vater bremst für Tiere, die Haustiere werden gehegt und gepflegt und Tierquälerei wird als abscheulich empfunden. Aber dass durch unser Verhalten gleichzeitig unzählige Tiere leiden und sterben, das blenden wir gänzlich aus. Dabei müsste das nicht sein. Menschen sind nicht auf den Konsum von Fleisch und anderen tierischen Produkten angewiesen – zumindest nicht in diesen Mengen. Vor allem in der heutige Zeit lassen sich die nötigen Nährstoffe über andere Wege aufnehmen. Dennoch sind kaum Produkte zu finden, in denen keine Tiere verarbeitet wurden. Nicht nur in der Nahrung, auch bei der Bekleidung und in vielen anderen Bereichen werden tierische Produkte verwendet, oder Versuche an Tieren vorgenommen. Das Ausmaß wird einem jedoch erst dann bewusst, wenn man sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzt und beginnt darauf zu achten, was sich in den Dingen befindet, die wir täglich kaufen. Wer nie die Zutatenliste auf der Tütensuppe ließt und nicht darüber nachdenkt, dass seine Lederschuhe aus einem Lebewesen gemacht wurden, dem wird das nicht auffallen.

An einem Beispiel möchte ich dies verdeutlichen. In dem Artikel „Unser täglich Brot“ ging es unter anderem um die Herkunft von Hühnereiern. Da vom Typ „Legeleistung“ nur die weiblichen Tiere benötigt werden, werden die männlichen Küken nach dem schlüpfen getötet, also geschreddert oder vergast. Die Legehennen müssen ihr Leben dann in winzigen Käfigen auf schrägen Drahtgitterböden fristen und weitaus mehr Eier produzieren, als es von der Natur vorgesehen ist, so dass sie keine hohe Lebenserwartung haben, sondern vor Erschöpfung sterben. Viel besser geht es auch nicht den Hühnern in Bodenhaltung. Hier werden zigtausend Hühner auf engstem Raum zusammengepfercht. Damit sie sich nicht gegenseitig verstümmeln, wird ihnen der Schnabel kupiert – also soweit abgeschnitten, dass sie gerade noch Nahrung aufnehmen können. Hühner in Freilandhaltung haben es durchaus besser. Aber auch sie müssen eine hohe Legeleistung erbringen um rentabel zu sein, so dass die Tiere dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden. Bei sechs bis zwölf Eier im Jahr, die ein Huhn unter normalen Bedingungen legen würde, genügen nicht, um einen solchen Betrieb wirtschaftlich zu führen.
Während wir auf der einen Seite kein Verständnis dafür haben, wenn jemand einer Katze den Schwanz abschneidet oder einen Hund mit Stöcken schlägt, nehmen wir es in Kauf, dass unvorstellbar viele Hühner gequält und getötet werden, um daraus Produkte herzustellen, die nicht einmal zum Leben notwendig sind und in erster Linie unserem Vergnügen dienen. In vielen Lebensmitteln lassen sich Eier durch pflanzliche Zutaten ersetzen. Zum Wohle der Tiere ist es also durchaus wünschenswert, den Konsum von Eiern einzuschränken. Meine erste Idee war es, auf das Frühstücksei zu verzichten und weniger zu backen. Damit – so dachte ich – hätte ich meinen Konsum von Eiern weitgehend eingestellt. Das hat sich jedoch als Trugschluss erwiesen. Ich war überrascht, in wie vielen Produkten Eier oder Eibestandteile zu finden sind. Das gelegentliche Frühstücksei macht nur einen kleinen Anteil von dem aus, was man an Eiern zu sich nimmt.

Im Nachfolgenden eine Liste, die Eier enthalten. Die Liste soll im Laufe der Zeit erweitert werden.

  • Vegetarische Bratwürstchen von Fit & Activ (Eieiweiß)
  • Fix für Kräuter-Hollondaise Sauce von Maggi (Eigelbpulver)
  • Fix für Spaghetti alla Carbonara Sauce von Knorr (Eigelbpulver)
  • Fix für Hackbraten von Maggi (Hühnerei-Eiweißpulver)
  • Fix für Hollandaise Sauce von Maggi (Eigelbpulver)
  • Art Nuggeets von Vegetaria (Hühnereiklarpulver)
  • Art Markklößchen von Berief Sojafit (Ei-Eiweiß)
  • Art Burger von Berief Sojafit (Ei-Eiweiß)
  • Art Leberkäse von Berief Sojafit (Ei-Eiweiß)
  • Art Schinkenwurst von Berief Sojafit (Ei-Eiweiß)
  • Art Paprikawurst von Berief Sojafit (Ei-Eiweiß)
  • Maultaschen mit Fleisch- und Gemüsefüllung von Sonnen Bassermann (Aroma, das Ei enthält)
  • Penne Tomaten-Mozarella von Maggi (Eier, Hühnerei-Eiweiß)
  • Spätzletopf mit Linsen von Erasco (Vollei)
  • Schwäbische Käse-Spätzle von Maggi (Eier)


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