Es ist das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören

Ob dieses Zitat von J. Swinton, Chefredakteur der Times, anlässlich der Feier zu seiner Verabschiedung wohl stimmen mag?

Bis zum heutigen Tag gibt es so etwas wie eine unabhängige Presse in der Weltgeschichte nicht. Sie wissen es und ich weiß es. Es gibt niemanden unter ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben und wenn er es tut, weiß er im voraus, dass sie nicht im Druck erscheint. Ich werde jede Woche dafür bezahlt, meine ehrliche Meinung aus der Zeitung herauszuhalten, bei der ich angestellt bin. Andere von Ihnen werden ähnlich bezahlt für ähnliche Dinge und jeder von Ihnen, der so dumm wäre, seine ehrliche Meinung zu schreiben, stünde auf der Straße und müsste sich nach einem neuen Job umsehen. Wenn ich meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe meiner Zeitung veröffentlichen würde, wäre ich meine Stellung innerhalb von 24 Stunden los. Es ist das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, unumwunden zu lügen, zu pervertieren, zu verleumden, die Füße des Mammon zu lecken und das Land zu verkaufen für ihr tägliches Brot. Sie wissen es und ich weiß, was es für eine Verrücktheit ist, auf eine unabhängige Presse anzustoßen. Wir sind die Werkzeuge und Vasallen der reichen Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Strippen und wir tanzen. Unsere Talente, unsere Fähigkeiten und unser ganzes Leben sind Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte.

Quelle: J. Swinton, Chefredakteur der Times, anlässlich der Feier zu seiner Verabschiedung

2 Antworten auf „Es ist das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören“

  1. John Swinton war Chefredakteur der New York Times, nicht der Times. Das Zitat ist wohl korrekt (zumindest für Auszüge kenne ich Belege) und stammt aus dem Jahr 1889.

    Nur, was sagt uns das 121 Jahre alte Zitat eines einzelnen ansonsten heute unbekannten Journalisten?

    1. Danke für den Hinweis.

      Ich sehe gerade, dass der Einleitungssatz etwas missverständlich ist. Die Frage ist weniger, ob das Zitat noch heute Gültigkeit hat (so könnte man es verstehen), sondern ob das Zitat tatsächlich in der Form von einem Journalisten stammt. Scheinbar ist dies ja der Fall.
      Brauchbare Quellen hatte ich leider nicht gefunden, deswegen steht das Zitat ohne weiteren Zusammenhang zur Diskussion im leeren Raum. Die Frage, was ein solch altes Zitat wohl sagen mag, muss letzten Endes aber wohl doch jeder für sich selbst beantworten. Vielleicht hat es ja noch heute seine Gültigkeit? Vielleicht auch nicht. Wer weiß.

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