Herr Lanz und Frau Wagenknecht im Streitgespräch

Man kann zu dem Eindruck kommen, dass Markus Lanz ein Moderator mit eher mäßigem Talent und beschränkten Fähigkeiten zu sein scheint, wenn man die Berichte beispielsweise über seine Moderationen von „Wetten dass …?“ verfolgt. Und auch in der nach ihm benannten Talksendung, die am 16. Januar, im ZDF zu sehen war war, gibt sich Lanz alle Mühe, seinen schlechten Ruf zu bestätigen.
Er stellt seine Fragen in der Diskussion zu Europa und der Finanz- und Wirtschaftskrise an die Linken-Vizechefin Sahra Wagenknecht spitz und fordernd und versucht sie zu pauschalen Aussagen zu zwingen. (Das heißt, Sie unterstützen Europa uneingeschränkt? Das finden Sie gut? / Raus aus dem Euro oder drin bleiben? Raus oder rein? Euro: ja oder nein?) Natürlich sollen Politiker nicht immer „um den heißen Brei“ herumreden, aber die Art, wie der Moderator Frau Wagenknecht zu Grundsatzaussagen zwingen wollte, war sehr unangemessen. Wie ein Kindergartenkind fällt er Sahra Wagenknecht ständig ins Wort, während er sich fast mit dem „Stern“-Kolumnisten Hans-Ulrich Jörges verbündet und es gut findet, wenn sich der Kolumnist gegen Wagenknecht in Rage redet (Ich mag das, wenn sie ’nen Hals haben. Das finde ich gut). Gleichzeitig bemüht sich Lanz, die tieferen Ursachen der Krise aus dem Gespräch zu halten. Das Finanzsystem und die Folgen des Zinseszins-Wachstums, den leistungslos erhaltenen Reichtum weniger, dem eine immer größere Anzahl an arbeitenden armen Menschen gegenübersteht, werden ausdrücklich nicht thematisiert. Zudem lobt er den Frieden, in dem wir leben. Dabei übersieht er aber, dass wir nur scheinbar in einer friedlichen Zeit leben. Es gibt nach wie vor Kriege. Sie werden lediglich in fernen Ländern geführt und dort sind auch Truppen europäischer Länder vertreten und die Waffenhersteller in Europa verkaufen ihr Kriegsgerät in alle Welt.
Und auch die Kluft des Wohlstandes zwischen den Ländern Europas steigt immer weiter, was zu Armutswanderungen und Plünderungen durch organisierte kriminellen Banden hauptsächlich aus Osteuropa führt. Nein, wir leben gewiss nicht in friedlichen Zeiten und dass dies so ist, liegt zu einem großen Teil an den Strukturen dieses Finanzsystems und der Politik.
Markus Lanz hinterfragt die Dinge aber nicht. Er erzählt das, was von ihm erwartet wird, um die herrschenden Strukturen weiter zu festigen und blendet die negativen Folgen aus … sie sind ja weit genug weg. Offensichtlich berichten die Auslandskorrespondenten des ZDF nicht ausreichend darüber oder Herrn Lanz hat die Zusammenhänge und Ursachen der Spannungen in der Welt nicht erfasst, über die in den Nachrichten berichtet wird.

Dem Fass schlägt Herr Lanz den Boden aus, als Frau Wagenknecht erklären möchte, wie im Europäischen Parlament Lobbyarbeit funktioniert. Während die Vize-Chefin der Linken darauf hinweist, dass sie selbst mehrere Jahre im Europäischen Parlament im Ausschuss für Wirtschaft und Währung tätig war, wird sie permanent vom Moderator unterbrochen, dem es nur darum ging, das hohes Einkommen von Frau Wagenknecht, das bei 7.000 bis 8.000 Euro pro Monat liegen dürfte, in den Fokus zu rücken. (Was verdient man da? / Wieviel?) Natürlich sollten die hohen Einkommen der Politiker beleuchtet und vor allem die Frage gestellt werden, ob die Politiker das Geld aus Sicht der Steuerzahler auch VERDIENEN. Wenn sie es verdienen, steht es ihnen zu. Wenn sie aber 7.000 Euro im Monat BEKOMMEN, ohne es zu VERDIENEN, sollte man über eine Reduzierung der Diäten nachdenken. Aber abgesehen davon, dass Herr Lanz das Wort „verdienen“ mit dem Wort „bekommen“ gleichsetzte, waren die Nachfragen an der Stelle nicht nur unpassend, sondern auch unverschämt. Sein Chef, der Intendant des ZDF Thomas Bellut hatte 2012 ein Einkommen von etwa 30.000 Euro im Monat.[1] Bedenkt man die bescheidene Qualität der Sendungen im ZDF (Die Küchenschlacht, Topfgeldjäger, SOKO Wien, der Bergdoktor, Markus Lanz, …) fragt man sich schon, mit welcher Leistung sich Thomas Bellut dieses Gehalt VERDIENT hat, das er auf Kosten von uns Rundfunkgebührenzahlern BEKOMMT. Zumal er offensichtlich noch genug Zeit für Nebenjobs hatte, die ihm in einem dreiviertel Jahr zusätzlich über 30.000 Euro einbrachten. Das sind über 3.000 Euro im Monat. So viel Geld BEKOMMEN die meisten andere Menschen nichteinmal mit einem Vollzeitjob und viele von denen hätten das Geld VERDIENT. Zum Vergleich, die Bundeskanzlerin erhält etwa 15.000 Euro im Monat.[2] Ob sie es wenigstens verdient, ist ein anderes Thema.

Nun ja, vielleicht möchte Herr Lanz ja in einer der nächsten Gesprächsrunden seine Vorgesetzten zusammen mit Vertretern der Wissensmanufaktur einladen und darüber diskutieren, warum in dem öffentlich-rechtlichen Sender nicht über die wahren Ursachen der Finanz- und Wirtschaftskrise gesprochen wird und warum die einen Menschen immer mehr arbeiten und immer höhere Abgaben leisten, während andere sich die Taschen so vollstopft, dass sie fast platzen.
In dem Hörbuch „Steuerbeykott“, das auch als kostenlose PDF-Datei von der Homepage der Wissensmanufaktur geladen werden kann, werden die grundlegenden Zusammenhänge der Verwerfungen, die heute beobachtet werden können, erläutert. Mit diesen Informationen kann Herr Lanz sein Wissen aufbessern, so dass er in einer Diskussion über Politik und Wirtschaft versteht, was man ihm sagen möchte, ohne den Gesprächspartner immer wieder mit unfairen und belanglosen Fragen unterbrechen zu müssen.




Literaturverzeichnis:
[2]
Gehältervergleich – Das verdient die Bundeskanzlerin ; Süddeutsche; http://www.sueddeutsche.de/karriere/gehaeltervergleich-in-deutschland-ackermann-schluckt-sie-alle-1.975186-7; 09.11.2011

Eine Antwort auf „Herr Lanz und Frau Wagenknecht im Streitgespräch“

Kommentare sind geschlossen.