Guter Bulle, böser Bulle

Bereits vor fast zweieinhalb Jahren schrieb ich in meinem ersten Artikel in diesem Blog, dass die Schulden aufgrund der Zinsen und Zinseszinsen immer weiter wachsen werden. Dies wiederum hat eine zunehmende Belastung durch die anfallenden Zinsen zur Folge. Der Kreislauf geht in eine neue Runde. Noch mehr Schulden, noch mehr Zinslasten. Das geht immer weiter und somit müssen die Menschen im Land immer mehr arbeiten. Von dem Geld, das sie erarbeiten wird aber ein ständig größerer Anteil durch Steuern abgezogen, um zumindest die anfallenden Zinsforderungen bedienen zu können. Die Preise steigen und die Reallöhne sinken. Der Ehrliche Bürger erhält also immer weniger Gegenleistung für seine Arbeitskraft.

[..] in der Schuldenfalle landen die Menschen heutzutage immer schneller, schließlich muss Jahr für Jahr mehr Geld vom verdienten Gehalt in Form von Steuern an den Staat gezahlt werden, damit dieser seinerseits, die exponentiell wachsenden Staatsschulden bedienen kann. Für den Normalbürger bleibt immer weniger, von dem er immer teurere Lebensmittel kaufen muss. Man arbeitet mehr, das Geld wird aber direkt wieder abgezogen (z.B. in Form von Steuern) um Schulden abzubezahlen. Da die Schulden, also auch die Staatsschulden, exponentiell wachsen, müsste auch die Arbeitsleistung exponentiell wachsen, weshalb unsere Politiker immerzu auf steigendes Wirtschaftswachstum aus sind. Damit bedeutet Wirtschaftswachstum nicht auch ein Wachstum des Wohlstandes, wie häufig suggeriert wird. Das Wirtschaftswachstum ist nötig, um den Wohlstand zu halten. Der klare Menschenverstand besagt jedoch, dass die Wirtschaft aus verschiedenen Gründen nicht grenzenlos exponentiell wachsen kann, so wie es die Schulden tun, die ja nur ein mathematisches Konstrukt sind.

Trotzdem versprachen verschiedene Politiker, unter anderem Bundeskanzlerin Merkel, Steuersenkungen oder den Abbau der Staatsverschuldung.[1]

Außerdem hat die Bundeskanzlerin am Wochenende den Bürgern für den Fall ihrer Wiederwahl Steuersenkungen versprochen.
Eine Steuerreform einschließlich Steuersenkungen gehöre zum Wahlprogramm ihrer Partei, sagte die CDU-Vorsitzende am Samstag in Berlin.

Quelle: manager magazin

Die heutige Entwicklung zeichnete sich schon vor Jahren ab, die kühnen versprechen der Politiker wahren also mehr als gewagt. Steuersenkungen zu versprechen um einen lukrativen Posten zu erhalten, wenn abzusehen ist, dass die Belastungen steigen werden und damit höhere Steuereinnahmen nötig werden, ist hart an der Grenze zum Betrug.

(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Quelle: Strafgesetzbuch, § 263 Betrug

Nun hat sich der Wind gedreht und die Realität hat die Politik eingeholt.

Die Bürger müssen sich wegen der Euro-Krise und sinkender Steuereinnahmen auf tiefe Einschnitte einstellen – nun wird auch noch über Steuererhöhungen diskutiert.[2]

Quelle: Handelsblatt

Die Europäische Währungsunion bricht unter den Schulden auseinander und kann nur noch mit wahnwitzigen Rettungsaktionen und unvorstellbaren Geldsummen zusammengehalten werden. Die Kosten dafür trägt natürlich die Bevölkerung. Von dem Geld, das die Menschen Tag für Tag erarbeiten, muss ein ständig größer werdender Anteil aufgewendet werden, um die exponentiell wachsenden Zinslasten zu bedienen. Schafft eine Volksgemeinschaft das nicht mehr, müssen andere einspringen. So ist derzeit (nicht nur) Griechenland an der Grenze der Belastbarkeit angekommen und nun werden andere europäische Staaten herangezogen, um sogenannte „Rettungsschirme“ aufzuspannen. Im Prinzip ist das eine Umverteilung, keine Rettung. Die besonders großen Probleme einzelner Länder werden derzeit auf die Länder verteilt, die noch einen Puffer haben, der aber durch solche Aktionen um so schneller ausgeschöpft sein dürfte.
Wie dem auch sei, im Gesamten steigen die Abgaben für Zinsen und Zinseszinsen immer weiter an. Um diese Forderungen bedienen zu können muss von dem Geld, das die Menschen erarbeiten ein immer größerer Anteil abgezogen werden. Beispielsweise durch Steuern. Mit den Steuereinnahmen kann der Staat dann seine Zinslasten bedienen. Für die Bevölkerung bedeutet das: geringernen Reallöhnen bei immer höheren Preisen. Immer mehr von dem Geld, das die Menschen erarbeiten wird somit dem Wirtschaftskreislauf entzogen, um das Finanzsystem zu stützen. Das Finanzsystem existiert folglich auf Kosten der Menschen auf der Welt, die letztendlich mit ihrer kostbaren und knapp bemessenen Lebenszeit dafür bezahlen.

Angela Merkel und Roland Koch spielen derweil guter Bulle, böser Bulle. Das bezüglich sozialer Belange der Bevölkerung gespart werden muss, um die unsozialen Belange der Finanzindustrie zu befriedigen, kann mittlerweile auch Angela Merkel nicht mehr ignorieren und verheimlichen. Steuererleichterungen sind kein Thema mehr, ganz im Gegenteil: die Steuern werden steigen. Als guter Bulle – versucht sie aber zumindest Einschnitte bei Bildung, Forschung und Kinderbetreuung zu verhindern, die Roland Koch – der böse Bulle – fordert. Das Schauspiel der Politiker, um die Bevölkerung hin zu halten, geht also ungebremst weiter. Am Schluss muss aber in allen Bereichen gespart werden, die nicht der Finanzindustrie zuzuordnen sind. Also auch bei Bildung, Forschung und der Kinderbetreuung.
Interessanter Weise wird bei einem Verhör seitens der Polizisten zunächst das Bildungsniveau der Befragten abgeschätzt, da die guter-Bulle-böser-Bulle-Technik von informierten Menschen recht schnell erkannt wird, die dann häufig mit einer Verweigerung der Aussage reagieren. Guter Bulle, Böser Bulle funktioniert also in erster Linie bei weitgehend ungebildeten, naiven und ängstlichen Menschen. Das die Politiker eine solche Methode anwenden, lässt den Schluss zu, dass sie die Bürger für ungebildet, naive und ängstlich halten.

(etwas Off-Topic) Nun ja, wenn ich sehe, wie sich die Bild-Zeitung verkauft und ich sehe was für ein unterirdisches Niveau selbst in manchen Berufsschulen herrscht, scheinen die Politiker richtig zu liegen, was die Einschätzung des geistigen Zustandes der Bevölkerung betrifft. In einer Zeit, in der Staaten vor dem Zusammenbruch stehen und bewaffnete Konflikte zur Tagesordnung gehören, ist in der Schule auf die Frage, was in den letzten Tagen bewegendes passiert ist, „Fußball“ sicher eine der unpassendsten Antworten. Eine solche Antwort lässt auf den geistigen Stand der Schüler schließen. Schlimmer aber noch ist, dass eine solche Antwort nicht nur auf Zustimmung bei der Lehrerin gestoßen ist, sondern seitens der Lehrkraft auch noch dankend aufgenommen und ausgiebig während der Unterrichtszeit diskutiert wurde. Da wurden dann auch Schüler genötigt, abzuschätzen, wer deutscher Meister wird, die eigentlich früh morgens aufgestanden und weit gefahren sind, um etwas für den Beruf zu lernen. Abgesehen davon, dass mit sinnlosen wer-wird-Meister-Diskussionen wertvolle Zeit verloren geht, ist eine solche Unterhaltung auch völlig unnötig. Metin Tolan, Professor für experimentelle Physik an der Universität Dortmund, hat bereits mathematisch hergeleitet, dass Deutschland in Südafrika Weltmeister wird. Man muss auf das Ergebnis seiner Formel allerdings eine Fehlerkorrektur anwenden, um einen konstanten Fehler herauszurechnen: http://www.spiegel.de/video/video-1063895.html


Literaturverzeichnis:
[1]
Steuersenkung bei Wahlsieg, Verstaatlichung im Einzellfall; http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,604826,00.html; 01.02.2009