Griechenland vor der Zahlungsunfähigkeit

Ein zinseszinsbasiertes Geldsystem kann nicht funktionieren, da in einem solchen System immer neues Geld in Form von Krediten geschöpft werden muss, um um Zinsforderungen auf bereits vorhandenes Vermögen zu begleichen. Der Großteil der Menschen wird immer ärmer, muss sich verschulden und arbeiten, um Werte zu schaffen, mit denen sich die Kreditvergaben begründen lassen und dann fließt das Geld doch wieder ganz schnell an die superreichen Vermögensbesitzer. Auf der einen Seite werden Milliarden Menschen verschuldet, während auf der anderen Seite eine ganz kleine Gruppe so viele Vermögen anhäuft, dass sie das Geld nie mehr ausgeben können. Dieser Vorgang beschleunigt sich automatisch immer mehr und irgendwann können sich die Menschen nicht mehr so schnell weiter verschulden, wie es notwendig wäre, um die ständig wachsenden Zinsansprüche zu bedienen.
In einigen Ländern schreitet der Untergang schneller voran, in anderen geht es etwas langsamer. Mit der Vergemeinschaftung kann man die Lasten noch eine Weile einigermaßen gleichmäßig verteilen und die völlige finanzielle Zerstörung in den schwächsten Ländern noch etwas herauszögern. Dies wird aber immer schwerer und irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem ein Zusammenbruch unausweichlich wird. Aufgrund der Verstrickungen in Folge der Vergemeinschaftungen werden die Folgen dann sehr weiträumig und umfassend sein.
Das ist nicht neu. Jedoch war diese Gefahr den meisten Menschen vor einigen Jahren noch nicht bewusst. Wer vor dieser Entwicklung warnte, wurde als Spinner und Verschwörungstheoretiker abgestempelt. In Anbetracht der finanziellen Probleme in Griechenland sind aber mittlerweile auch in den Mainstream-Medien, wie etwa bei Focus Money, Aussagen folgender Art zu lesen:

Nur noch drei Tage bis zur Pleite: Wenn Athen jetzt nicht handelt, ist es aus

Im Falle der Zahlungsunfähigkeit vermutet Focus Money:

Die Griechen stürmen Ihre Banken und die verbliebenen internationalen Investoren ziehen ihr Geld ab. Um das zu verhindern, muss die Regierung Kapitalkontrollen einführen – und den Banken eine Zwangsschließung für mehrere Tage verordnen. Wer kein Geld zuhause hat, hat jetzt ein Problem.[1]

Quelle: Focus Money Online

In der WirtschaftsWoche ist einen Tag später ein Kommentar mit dem Titel „Krisenherd in der Euro-Zone – Kann Frankreich das neue Griechenland werden?“[2] veröffentlicht worden. Wenn Griechenland nun kurz vor der Zahlungsunfähigkeit steht und nun spekuliert wird, dass es Frankreich ähnlich ergehen könnte, würde das bedeuten, dass möglicherweise auch Frankreich bald den finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Bedenkt man, dass es auch in anderen Ländern von Italien über Spanien bis England derzeit eher problematisch aussieht, kann man zu dem Schluss kommen, dass die Pessimisten und Verschwörungstheoretiker, die bereits seit Jahren vor dem Zusammenbruch des Finanz- und Wirtschaftssystems warnen, durchaus richtig lagen.

Selbst wenn Griechenland nächste Woche genug Geld zusammenbekommt, um die aktuellen Verpflichtungen zu begleichen, wird dadurch nichts an der grundlegenden Problematik geändert. Es werden in den nächsten Monaten immer weitere Zahlungen zu leisten sein und es wird gleichzeitig immer schwieriger, den Verpflichtungen ordnungsgemäß nachzukommen. Irgendwann wird das Land endgültig vor dem Ruin stehen.


UPDATE: Schäuble warnt vor überraschender Pleite Griechenlands

12.56 Uhr: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat vor der Möglichkeit einer überraschenden Staatspleite Griechenlands gewarnt. „Erfahrungen anderswo auf der Welt haben gezeigt: Ein Land kann plötzlich in die Zahlungsunfähigkeit rutschen“, sagte Schäuble der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.[3]

Quelle: Focus Money Online

So überraschend ist eine Pleite Griechenlands nun wirklich nicht. Wer diese Gefahr als „überraschend“ empfindet, hat die Funktionsweise des zinseszins-basierten Geldsystems nicht verstanden. Von einem Finanzpolitiker sollte man jedoch erwarten können, dass er sehr genau über das System informiert ist und folglich auch weiß, dass es früher oder später zu Problemen beim Bedienen der ständig wachsenden Zinsforderungen kommt. Es ist lediglich die Frage, wen es zuerst trifft. Und da gehört Griechenland nun schon länger zu den Anwärtern für einen vorderen Platz.


UPDATE (12.05.2015): Schuldentilgung beim IWF: Der griechische 756-Millionen-Trick

Die Absurdität des zinseszinsbasierten Finanzsystems und Ausweglosigkeit aus der Verschuldung wird in der Endphase besonders deutlich. Zu Beginn gelingt es noch relativ leicht, die Zinsen alter Schulden durch neue Schulden zu begleichen. Das die Gesamtverschuldung dadurch ständig weiter ansteigt, fällt nicht weiter auf. Erst wenn es so schwer wird, neue Kredite zu erhalten (oder andere zu finden, denen man Geld abnehmen kann), dass es kaum noch möglich ist, die Forderungen zu begleichen, fällt der Taschenspielertrick auf. Die ursächlichen Probleme bestehen natürlich seit dem Beginn der Währung und die Zahlungsschwierigkeiten sind somit nicht überraschend. Wer die Funktionsweise des Geldsystems verstanden hat, weiß das auch. Nur diejenigen, die sich nie damit befasst haben, wie Geld in die Welt kommt und welche Auswirkungen ein exponentielles Wachstum von Geldvermögen und Schulden durch den Zinseszins hat, sind nun überrascht.
Es wird spannend, wie lange die griechische Regierung noch tricksen kann. Irgendwann werden ihnen aber die Möglichkeiten ausgehen.

Siehe auch: Schuldentilgung beim IWF: Der griechische 756-Millionen-Trick


Literaturverzeichnis:
[1]
Der Countdown zum Grexit – Nur noch drei Tage bis zur Pleite: Wenn Athen jetzt nicht handelt, ist es aus; Focus Money Online; http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/der-countdown-zum-grexit-noch-96-stunden-bis-zur-pleite-den-griechen-laeuft-die-zeit-davon_id_4670010.html; 08.05.2015
[2]
Krisenherd in der Euro-Zone – Kann Frankreich das neue Griechenland werden?; Wirtschaftswoche; Frank Doll; http://www.wiwo.de/politik/europa/krisenherd-in-der-euro-zone-kann-frankreich-das-neue-griechenland-werden/11743396.html; 09.05.2015
[3]
Griechenland-Krise – Schäuble warnt vor überraschender Pleite Griechenlands; Focus Money Online; http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/griechenland-krise-schluss-mit-vetternwirtschaft-von-wegen-syriza_id_4671549.html; 09.05.2015