Greenwasching bei den olympischen Spielen

Dass Großveranstaltungen für die Umwelt eine starke Belastung darstellen, dürfte kein Geheimnis sein. Zumal für solche regelmäßig wiederkehrenden Ereignisse mitunter nicht einfach jedes Mal die gleichen Austragungsorte mit der dann bereits bestehenden Infrastruktur genutzt werden, sondern ständig an unterschiedlichen Orten auf der Welt neue Hallen und Stadien aufgebaut werden. Das ist eine unnötige Verschwendung von Ressourcen, die aber offensichtlich gerne in Kauf genommen wird. So war es auch bei den Olympischen Spielen in London. In den letzten 20 Jahren wurden bereits die Stadien für die Sommerspiele in Barcelona, Atlanta, Sydney, Athen und Peking gebaut. Anstatt eine bereits bestehende Anlage zu erhalten und bei allen Spielen wiederzuverwenden, wurde für die zweiwöchige Nutzung eine neue Anlage in London aus dem Boden gestampft.
So ein großzügiger Umgang mit Energie und Ressourcen macht natürlich keinen guten Eindruck. Vor allem nicht, wenn in den Medien bei jeder Gelegenheit darauf hingewiesen wird, dass wir Energie einsparen müssen, um die Umwelt zu retten. Das Horrorszenario der drohenden Klimaerwärmung dürfte jedem bekannt sein. Was also tun, wenn man nach belieben die Umwelt ausbeuten möchte, aber dennoch Wert auf ein gutes Erscheinungsbild legt? Hier bietet sich eine Kooperation mit dem WWF an, dessen Mission es ist, die biologische Vielfalt und einen lebendigen Planeten zu wahren. Der WWF steht für den Schutz der Umwelt, erfreut sich großer Beliebtheit und genießt ein beachtliches Vertrauen in der Bevölkerung.
Diese weltweit operierende Umweltschutzorganisation hat dann auch das Konzept für die Infrastuktur der Olympischen Spiele 2012 in London erarbeitet:

Ein Ostlondoner Industriegebiet wurde in einen Park verwandelt, ausgestattet „mit sauberen erneuerbaren Energie- und Wasserquellen, die auch nach den Olympischen Spielen 2012 Bestand haben sollen“, erklärt David Stubbs, Nachhaltigkeitsbeauftragter des Londoner Olympia-Organisationskomitees (Locog). „Außerdem bauten wir vorübergehende Konstrukte wie Zelte, die später wieder abgebaut werden, weil man bestimmte Gebäude langfristig nicht braucht.
Die meisten Besucher werden mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen, übriggebliebenes Essen wird verwertet, bei Müllverarbeitung kommen null Prozent in Müllhalden, und die Anlieferungslogistik ist ökologisch.“[1]

Quelle: TAZ

Das klingt zunächst sehr gut. Aber man sollte an der Stelle auch bedenken, dass hier in erster Linie eine gigantische Bühne mit einem werbewirksamen ökologischen Anstrich geschaffen, auf der sich Unternehmen präsentieren können. Und das sind nicht die regionalen Erzeuger und Familienunternehmen, die bei den Spielen präsent waren, sondern globale Konzerne wie Mc Donalds und Coca-Cola. Die Ausbeutung von Natur und Ressourcen gehören bei solchen Unternehmen ganz selbstverständlich zum Konzept. Regionale Produkte und saisonales Gemüse wird man beispielsweise bei der Fastfood-Kette nicht finden. Stattdessen gibt es viele Fleischprodukte, die besonders umweltbelastend und mit viel Leid verbunden sind. Und in Indien durstet die Bevölkerung in manchen teilen des Landes, weil die dortigen Coca-Cola-Fabriken mit ihren Hochleistungspumpen das Wasser abpumpen und der Grundwasserspiegel dadurch so weit sinkt, dass die dort lebenden Menschen mit ihren Brunnen nicht mehr an das Wasser kommen. Für einen Liter Cola sind zwischen 2,5 und 9 Liter Wasser nötig, von denen der Rest als giftige Produktionsabwässer, wieder in die Umwelt gelassen wird und so Boden und die letzten verbleibenden Gewässer verseucht. Und weil das noch nicht genug ist, verteilt Coca Cola seinen Giftmüll, der Kadmium und Blei enthält, als kostenlosen Dünger an die umliegenden Bauern. Die Bevölkerung in der Nähe einer solchen Fabrik muss das Wasser dann mit Eimern viele Kilometer weit heranschleppen, während ihnen dabei die Cola-Laster entgegenkommen, die das Wasser, dass die Menschen dort zum Leben bräuchten, Tonnenweise in die Welt fahren.[2]
Solchen Firmen ebnet der WWF immer wieder den Weg und macht deren schädlichen Produkte salonfähig, indem er ihnen durch geschicktes „greenwasching“ zu einem positiven Image verhilft. So auch bei den Olympischen Spielen in London.


Literaturverzeichnis:
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