GPS Navigation, eine App zur Straßennavigation von TomTom

Als die Firma Becker, die Navigationsgeräte herstellt, Konkurs anmeldete und in der Folge Kartenupdates für das Navigationsgerät nur noch umständlich und mit hohen zusätzlichen Kosten verbunden zu erhalten waren, war abzusehen, dass früher oder später eine Alternative zu suchen ist.
Abgesehen von Einbaugeräten in teureren Fahrzeugen wird es zukünftig vermutlich immer weniger Navigationsgeräte geben. Moderne Smartphones können diese Aufgabe handelsüblicher Navigationsgeräte immer besser erfüllen und sind teilweise sogar besser bedienbar, als die traditionellen Navigationsveräte. Ich habe mich deshalb immer weniger nach herkömmlichen Navigationsgeräten umgesehen und stattdessen die Entwicklung von Apps für Smartphones beobachtet.

Google Maps dürfte die beliebteste Anwendung sein. Bei dieser Anwendung ist die Möglichkeit zum Herunterladen von Kartenmaterial jedoch sehr eingeschränkt. Zur Navigation ist man verstärkt auf eine gute Mobilfunkverbindung und ein ausreichendes Datenvolumen angewiesen. Diese Anwendung ist für mich somit nur eine Notlösung.

Alternativ gibt es noch Here Maps, ein Online-Geodatendienst und ein Navigationsprogramm, das ursprünglich von Nokia für Nokia-Smartphones entwickelt wurde. Here Maps wurde 2015 von den drei deutschen Automobilherstellern Audi, BMW und Daimler übernommen. Mit dieser App hatte ich jedoch ständig Probleme, wie ich bereits im Artikel Navis von Becker, Garmin, Here und TomTom geschrieben hatte. Die Anwendung war überaus unzuverlässig. Vor allem beim Wechsel der Verfügbarkeit von Mobilfunkverbindungen brach die Navigation mitunter ab und die Route konnte plötzlich nicht mehr fortgesetzt oder ohne weiteres neu berechnet werden. Darüber hinaus ist die Kartendarstellung weitgehend ungeeignet, da einige Straßentypen so blass dargestellt sind, dass man sie kaum erkennen kann. Auch die Anweisungen waren mitunter so spät, dass es kaum möglich war, sich richtig einzuordnen. Kurzum: Here Maps war für mich kaum zu gebrauchen.

Tom Tom hatte mit der App Go Navigation eine bessere App im Angebot. Diese kann im Gegensatz zu den anderen beiden Apps jedoch nicht kostenfrei genutzt werden. Dies ist aber natürlich nicht verwerflich, da ja auch Navigationsgeräte nicht kostenfrei sind und die Hersteller schließlich ein Einkommen benötigen, zumal ständig Arbeit für die Aktualisieren des Karteimaterials zu leisten ist. Die TomTom-App hatte ich dann genauer im Blick behalten und seit letztes Jahr gibt es eine neue und deutlich überarbeitete Version für Apple-Smartphones und seit Anfang Mai ist diese neue Version auch für Android-Smartphones (derzeit Version 2.1.0) verfügbar.
Ein Smartphone hat man meistens ohnehin dabei, so dass man nicht zwangsläufig ein zusätzliches Gerät benötigt. Ich würde jedoch davon abraten, ein teures Smartphone für diesen Zweck zu verwenden. Das Gerät sollte bei längeren Fahrten an das Stromnetz angeschlossen sein, da der Akku sonst recht schnell leer wird. Gerade im Sommer bei starkem Sonnenschein wenn das Display hell beleuchtet ist, ist der Stromverbrauch natürlich erhöht. Das Smartphone und der Akku werden durch die recht hohe Beanspruchung, die hohen Temperaturen und das ständige Nachladen stark belastet. Es ist also davon auszugehen, dass der Akku besonders schnell altert und an Leistung verliert. Für ein Gerät, das als Navigationsgerät ohnehin immer mit Strom versorgt werden kann ist das weniger dramatisch. Bei einem Gerät, das auch als Smartphone genutzt wird, ist ein schwacher Akku aber gewöhnlich ein Totalschaden. Meine Empfehlung also: Ein altes Smartphone, dass weggeworfen worden wäre als Navi verwenden. Kostet nichts extra und man verliert nichts, wenn der Akku völlig ruiniert wird. Sollte das alte Gerät doch mal bei einer Fahrt den Geist aufgeben, kann man problemlos als Notfallmaßnahme ein anderes Smartphone weiterverwenden. Dort sollten App und Karten natürlich dann bereits vorab installiert sein, um diese großen Datenmengen nicht auf der Reise laden zu müssen.

Die letzten Becker-Geräte hatten eine Halterung, die MagClick-Halterung genannt wurde. Das Gerät wurde in die Halterung eingeklickt und dort magnetisch gehalten. Dabei wurde auch die Verbindung zum Stromanschluss und einer Antenne hergestellt. Das System war sehr durchdacht.
Halterungen für Smartphones gibt es mittlerweile viele, diese sind jedoch etwas aufwändiger in der Verwendung und man muss für den Stromanschluss immer wieder umständlich ein USB-Kabel einstecken, was einen Rückschritt darstellt. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass es hierfür zukünftig bequemere Lösungen geben wird. Gerüchten zufolge will Apple beim nächsten iPhone wohl sogar auf den Anschluss verzichten. Geladen wird das Gerät dann wohl über Induktion (Wireless Charging oder Qi genannt). Dies ist leider weniger effizient und damit auch eine Verschwendung von Energie, dafür muss kein Kabel mehr angeschlossen werden. Hochpreisige Smartphones (nicht nur von Apple) unterstützen diese Ladetechnik bereits heute, für andere könnte man die Technik sogar nachrüsten. Hat man ein entsprechendes Gegenstück in der Fahrzeug-Halterung verbaut, kann das Smartphone automatisch geladen werden, ohne dass ein Kabel angeschlossen werden muss.

Im Moment bin ich mit der TomTom-App noch im Probemonat und man kann das Abo, das danach notwendig ist, erst ab der dritten Woche abschließen, so dass ich hierzu noch keine eigenen Erfahrungen habe. Die Preise sind wohl etwas gesunken. Für die ältere App musste man noch rund 20 Euro pro Jahr bezahlen. Bei der neuen App sind es derzeit etwa 13 Euro pro Jahr, wie hier nachzulesen ist. Dafür erhält man aber, soweit ich das sehe, Zugriff auf alle Karten, die weltweit für diese App verfügbar sind. Ein fairer Preis für die gebotene Leistung. Man muss aber die Hardware selbst bereitstellen. Der Vorteil gegenüber einer Komplettlösung mit vorgegebener Hardware ist natürlich, dass man ein Gerät mit frei wählbarer Display-Größe verwenden kann.
Ein abgeschlossenes Abo soll auf mehreren Geräten genutzt werden können, sofern sie unter dem selben Apple- oder Google-Account laufen (deshalb kann man ein weiteres Gerät mit vorinstallierter Software als Notfall-Gerät bereithalten).

Der Datenschutz ist bei allen Anwendungen dieser Art bedenklich. Google und Here können kostenfrei verwendet werden, finanzieren sich letztlich über die gesammelten Daten. Selbst bei TomTom können Daten gesammelt werden, obwohl man bei TomTom für die Nutzung bezahlt. Sobald man die Live-Dienste (Staus, Baustellen, …) nutzen möchte, muss man auch seine eigenen Bewegungs-Daten an die Firma senden. Dies ist aber auch verständlich, denn nur durch diese Daten sind die auf den Verkehr basierenden Warnungen vor Staus und anderen Gefahren überhaupt möglich. Der Wert der Navigationsdienste steigt dadurch sowohl für den Anbieter als auch für die Anwender enorm.

Jetzt noch ein ganz wichtiger Hinweis! Die App ist mit einer sehr umfassenden Funktionalität zur Warnung vor Radarfallen und sonstige Überwachungseinrichtungen ausgestattet. Die Verwendung solcher Funktionen ist jedoch in Deutschland und vielen anderen Ländern verboten. Hohe Geldstrafen und auch Punkte im Fahreignungsregister des Kraftfahrt-Bundesamts in Flensburg können die Folge sein, wenn man diese Funktionen während der Fahrt verwendet und dabei erwischt wird.

Wer ein Fahrzeug führt, darf ein technisches Gerät nicht betreiben oder betriebsbereit mitführen, das dafür bestimmt ist, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen oder zu stören. Das gilt insbesondere für Geräte zur Störung oder Anzeige von Geschwindigkeitsmessungen (Radarwarn- oder Laserstörgeräte). Bei anderen technischen Geräten, die neben anderen Nutzungszwecken auch zur Anzeige oder Störung von Verkehrsüberwachungsmaßnahmen verwendet werden können, dürfen die entsprechenden Gerätefunktionen nicht verwendet werden.

Quelle: Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), § 23 Sonstige Pflichten von Fahrzeugführenden

Bei der Installation der Navigations-App von TomTom wird die kritische Funktionalität jedoch eventuell ohne Rückfrage aktiviert. Diese Funktion sollte also unbedingt vor der ersten Fahrt deaktiviert werden. Leider sind die entsprechenden Optionen im Menü sehr versteckt.

Im Abschnitt TomTom-Dienste gibt es eine Option, mit der man den Radarkamera-Dienst deaktivieren kann. Damit werden aber auch sinnvolle legale Verkehrsinformationen, wie etwa Staus, Baustellen und Gefahrenstellen deaktiviert.

App TomTom GPS Navigation, Traffic und Radarkameras

Sollen nur die unerlaubte Warnung vor Überwachungs-Einrichtungen deaktiviert werden, dann muss unter „Einstellungen → Ton → Meldungen und Töne → Kameras“ die entsprechende Warnung für fest installierte Radarkameras, mobile Radarkameras, häufige Standorte für mobile Kameras, Abschnittskontrollen, Radarkontrollzonen, Ampelkameras und Fahrzeugbeschränkungskameras jeweils separat deaktiviert werden.

App TomTom GPS Navigation, Kameras