Glücksspiel beim Tierarztbesuch

Erfahrung bei einem Tierarztbesuch mit einem Hund: Der Tierarzt tastete nur kurz den Bauch des Tieres ab und sagt, dass er keine Auffälligkeiten feststellen konnte. Er gibt zwei Spitzten mit der Begründung: Wir hehandeln jetzt einfach mal auf Darm.

Halten wir fest: in einer seriösen, den schulmedizinischen Regeln entsprechenden Tierarztpraxis, werden Behandlungen auf „gut Glück“ durchgeführt. Da es kein Rückgaberecht gibt, wie es sonst in der Geschäftswelt üblich ist, um den Kunden vor mangelhaften Produkten zu schützen, ist dieses unprofessionelle Vorgehen leider sehr lukrativ. Alleine die Gaben der beiden Spritzen hat etwa 30 Euro gekostet. Die Medikamente kamen noch hinzu. Eine (gewünschte) Wirkung stellte sich schließlich auch nicht ein. Die Spritzen waren unötig. Da jedoch kein Rückgaberecht vorgesehen ist, gibt es auch keine Möglichkeit, das Geld für die Behandlung und die grundlos verabreichten Medikamente wieder zurückzufordern.

Ärzte werden nicht nach Erfolg sondern für eine Behandlung bezahlt. Dies ist durchaus sinnvoll, da Ärzte somit eine gewisse Sicherheit haben. Es ist mitunter schwer oder gar unmöglich, den Erfolg einer Behandlung zu messen und auch Diagnosen können nicht immer sicher erstellt werden. Somit würde die Bezhalung schwierig werden, wenn Ärzte ihre Leistung nur bei Erfolg in Rechnung stellen dürften. Aber dieses System animiert Ärzte dazu, einfach irgend welche Medikamente zu verabreichen, damit die Tätigkeit in Rechnung gestellt werden kann. So besteht kein Anreiz mehr, die wirklichen Ursachen des Leidens zu ermitteln und dann diese gezielt zu behandeln. Wenn der Arzt erst nach einem Dutzend Fehlschlägen das richtige Medikament verabreicht, weil er nicht weiß, welches Medikament das richtige ist, so kann er die zuvor getätigten Behandlungen so abrechnen, als wären sie nützlich und notwendig. Hätte der Arzt das Tier erst richtig untersucht und sofort das passende Medikament verabreicht, würde dies sein Gehalt schmälern. Wenn, wie es heute üblich ist, nicht nach Erfolg bezahlt wird, sondern für die Behandlung, dann sollten die Ärzte wenigstens so viel Ehre und Anstand haben, zuerst nach besten Möglichkeiten die Ursache des Leidens zu ermitteln und nicht einfach auf gut Glück irgendwelche Medikamente spritzen. Aber auch Ärzte müssen Rechnungen bezahlen und da steig dann schon mal die Motivation selbst etwas mehr abzurechnen, um beispielweise den Kredit für das neue Haus abbezahlen zu können.

Hinzu kommt, dass Tierärzte häufig nicht sagen, was sie machen und warum dies nötig ist. Sie fragen auch nicht, ob man mit der Behandlung einverstanden ist. Auf den Rechnungen wird dann häufig auch nicht aufgeschlüsselt, welches Medikament verbareicht wurde. Die Rechnungen sind so allgemein gehalten, dass selbst der Kassenzettel des letzten Einkaufs beim Discounter aufschlussreicher ist.

Für die erfolglose Behandlung eines Hundes (keiner Katze) wurden folgende Posten in der Rechnung aufgelistet:

  • 1x Allgemeine Untersuchung: Hund und Katze
  • 2x Injektion: subkutan, intramuskulär: Hund, Katze
  • Angewandte Medikamente

Es ist nicht ersichtlich, was untersucht wurde und auch nicht, dass die Untersuchung bei einem Hund durchgeführt wurde. Selbst die gespritzten Medikamente und deren Menge ist der Rechnung nicht zu entnehmen. Wobei solche Rechnungen immer noch besser sind, als die Rechnungs-Praktiken in der Humanmedizin: Hier bekommt der Patient einfach garkeine Rechnung. Diese wird lediglich an die Krankenkasse geleitet. Das eröffnet den Ärzten ganz besondere Möglichkeiten. Der Kunde weiß zwar mehr oder weniger, was behandelt wurde, erhält aber keine Rechnung; die Krankenkasse weiß zwar nichts über die Behandlung, bekommt aber eine Rechnung über viele Posten. Da kann der Arzt (überspitzt formuliert) alles mögliche behandeln und dann recht frei abrechnen, was er möchte. Schade, dass der Arzt dem Patienten nicht automatisch auch eine Kopie der Rechnung aushändigen muss.

Ärzte raten also mitunter ein bisschen herum und geben dann irgendwelche Medikamente. Sie legen darüber keine Rechenschaft ab und stellen dann Rechnungen aus, die mitunter unverschämt hoch sind. Wenn die Verabreichung von zwei Spritzen für jeweils 15 Euro zwei Minuten Zeit in Anspruch nimmt, dann hätte der Arzt auf eine Stunde umgerechnet 900 Euro eingenommen. Er bekommt das Geld und muss nicht einmal sicher festgestellt haben, dass es sich auch wirklich um ein notwendiges Medikament handelt. 900 Euro pro Stunde für eine solch schlampige Arbeit, die durch unerwünschte Nebenwirkungen auch noch unabsehbare Risiken birgt, ist schon dreist.
Dieses Vorgehen funktioniert nur, weil es kein Rückgaberecht gibt. Wobei sich eine Injektion auch nicht mehr rückgängig machen ließe. Man könnte lediglich das bezahlte Geld zurückfordern und Schadensansprüche geltend machen, wenn sich herausstellt, dass die Spritzen ohne sachliche Begründung gegeben wurden und dem Tier schaden.

Leider stellt dieses Vorgehen keinen bedauerlichen Einzelfall dar, sondern konnte bei verschiedenen Arztpraxen und Kliniken beobachtet werden.

In Anbetracht solcher Zustände frage ich mich, wieso Ärzte in der Bevölkerung dennoch ein umfassendes Vertrauen genießen, während beispielsweise Heilpraktiker als unseriös gelten. Offensichtlich raten Ärzte mitunter mehr, als sie sicher wissen und behandeln so manches Mal einfach irgendwas. Unter solchen Bedingungen ist eine Behandlung ein reines Glücksspiel. Vielleicht wird das Tier wieder gesund. Vielleicht bleibt der Zustand gleich. Vielleicht schädigt die Behandlung das Tier sogar. Auf jeden Fall wird es für den Kunden teuer und der Arzt hat kein Risiko dabei. Die Bank, beziehungsweise der Arzt, gewinnt eben immer.